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Politik

Asiatische Ängste

Die USA haben viele Freunde in Asien. Dennoch fällt deren Unterstützung in der Irak-Frage sehr zurückhaltend aus.

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Nordkoreas Raketen sind näher als die des Iraks

In Asien hält sich die Begeisterung für die Irak-Politik von George Bush in engen Grenzen. Das Säbelrasseln Washingtons gegen den Diktator von Bagdad findet Unterstützung, wenn es als Begleitmusik eingestuft wird, die es den UN-Inspektoren ermöglichen soll, ihre Kontrollen effektiver als bisher durchzuführen und Saddam Husseins mutmaßliche geheime Waffenpotenziale dauerhaft zu entschärfen. In weiten Teilen der asiatisch-pazifischen Region aber herrscht die Auffassung vor, man müsse dem Team um Chef-Inspekteur Hans Blix reichlich Zeit einräumen, um die Kontrollen abzuschließen. Nur Australien hat seine Bereitschaft erklärt, Truppen an der Seite der USA in einem Kampfeinsatz in der Golfregion einzusetzen.

Für einen Feldzug, so die Auffassung der meisten Regierungen, fehle es an überzeugenden Beweisen. Um so dringlicher werden die Appelle an den Irak, die Karten völlig offen zu legen. Gleichzeitig wird Washington beispielsweise von den verfeindeten Regierungen in New Delhi und Islamabad Zurückhaltung anempfohlen. Indiens Premier Atal Bihari Vajpayee tat dies mit der Formulierung, die Supermacht müsse "Superzurückhaltung" ausüben; Pakistans Ministerpräsident Zafarrullah Khan Jamali bezeichnete Krieg im 21. Jahrhundert als die allerletzte Option, die erste Priorität müsse Diplomatie haben.

Leise Töne und der Ruf nach Diplomatie

Dennoch beginnt man damit, sich mit der Vorstellung eines schon bald beginnenden Krieges mehr oder minder abzufinden. Die Kritik an Washington vermeidet scharfe Töne, denn offen will es sich mit den USA kaum jemand verderben. Deshalb wird aller Voraussicht nach die einzige asiatische Macht, die im Weltsicherheitsrat ihr Veto gegen die US-Pläne einlegen könnte, nämlich China, sich voraussichtlich der Stimme enthalten, sollte es zu einer Abstimmung kommen.

Japan hat die Ankündigung Washingtons begrüßt, die angeblichen Beweise der USA für verbotene Waffenprogramme auf den Tisch zu legen. Zu gerne würde Tokio sich durch Einreihung in die Anti-Irak-Politik Washingtons profilieren, doch der konservativen Regierung Koizumi sind die Hände gebunden. Japan versucht zwar seit längerem, den Operationsradius seiner Streitkräfte bis in den Indischen Ozean auszudehnen. Doch

die pazifistische Verfassung hindert Tokio trotz der Ambitionen von Ministerpräsident Koizumi nach mehr militärischer Machtpräsentation an einer aktiven Unterstützung der USA, die über logistische Hilfestellung hinausgeht. So wird es, wie im ersten Golfkrieg, bei vorsichtiger Unterstützung im Kriegsfall bleiben. Danach würden Milliardensummen für den Wiederaufbau des Irak fällig.

Die bestenfalls laue Unterstützung in der gesamten Region für die forsche Strategie der USA - Australien wohlgemerkt ausgenommen - basiert auch auf den realen Gefahren in der Region. Vordringlich ist die Bekämpfung von Terroristen unterschiedlichster Couleur. Die allerdings operieren unabhängig vom Irak, sei es in Indonesien, Singapur oder den Philippinen. Ein Krieg gegen den Irak aber würde sicherlich das terroristische Potenzial in Süd- und Südostasien deutlich vergrößern.

Politische Versäumnisse

Das größte Problem aber ist die Bedrohung Nordostasiens durch die nuklearen Ambitionen Nordkoreas. Hier rächt es sich, dass in den vergangenen Jahrzehnten nie ernsthaft versucht worden ist, ein System kollektiver Sicherheit rund um die koreanische Halbinsel aufzubauen. Nordkorea militärisch zu entwaffnen, ist unmöglich. Der Zusammenbruch des wirtschaftlich maroden Regimes von Kim Jong-Il ist nicht absehbar. Was wäre also zu tun?

George Bush hat in seiner Rede zur Lage der Nation ein Nachgeben gegenüber der Erpressung Nordkoreas, mit der sich die Diktatur über die Runden retten wolle, kategorisch

ausgeschlossen. Doch Sicherheitsgarantien Washingtons für Pjöngjang könnten auch von den USA als Verhandlungsmittel ins Spiel gebracht werden, um Kim Jong-Il gesprächsbereiter zu machen. Das könnte eine Möglichkeit sein, das unter manischer Einkreisungsfurcht leidende Regime zu einer gewissen Öffnung zu bringen - im Interesse nicht zuletzt der hungernden Millionen Nordkoreas.

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