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Asien

Asia Bibis Ehemann kämpft für seine Frau

Der Ehemann von Asia Bibi, Ashiq Masih, setzt sich weiterhin für seine Frau ein, die 2010 in Pakistan wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde. Er sprach mit der DW auch über ein Leben als Ausgegrenzter.

"Wir existieren weiter, aber wirklich leben tun wir nicht." Ashiq Masih ist verbittert, verzweifelt. Seit über vier Jahren sitzt seine Frau Asia Bibi in Pakistan im Todestrakt. Sie soll hingerichtet werden, weil sie gegen Pakistans Blasphemie-Gesetz verstoßen habe, befand ein Gericht in der Provinz Punjab im Jahr 2010. Muslimische Frauen aus ihrem Dorf hatten die Christin Asia Bibi beschuldigt, sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben.

Seitdem kämpft Ashiq Mashi um Leben und Freiheit seiner Frau. Bislang allerdings ohne Erfolg, obwohl sich neben Menschenrechtsorganisationen auch das EU-Parlament und der damalige Papst Benedikt für eine Freilassung eingesetzt haben. Doch allen Gnadenappellen und juristischen Bemühungen zum Trotz sitzt Asia Bibi bis heute im Gefängnis.

Im Herbst 2014 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil. Asia Bibi legte Einspruch dagegen ein, die Entscheidung liegt jetzt beim Obersten Gericht Pakistans. Es ist die letzte Instanz, die das Urteil noch abwenden kann. Bis eine Entscheidung vorliegt, können aber noch Monate oder sogar Jahre vergehen.

Leben in Angst

: Nahaufnahme der zum Tode verurteilten Christin Asia Bibi mit bis auf die Augen verdecktem Gesicht (Foto: picture-alliance/dpa/Governor House Handout)

Seit November 2010 sitzt Asia Bibi bereits im Todestrakt – alle Gnadenappelle blieben bislang ohne Erfolg

Eine quälende Zeit für Ashiq Masih und die fünf Kinder des Paares. "Wir führen ein Leben auf der Flucht", berichtet er gegenüber der Deutschen Welle. "Wir sind auf der Flucht vor den Todesdrohungen, die wir immer wieder erhalten, bewegen uns von einem Ort zum nächsten. Und versuchen, uns gegenseitig Halt zu geben." Das Leben seiner Familie sei zerstört, sagt er. "Ich habe 45 Jahre lang in meinem Heimatdorf gelebt. Ich hatte viele Freunde dort. Aber jetzt möchte ich nicht zurückgehen."

Ashiq Masih hat Angst davor, in der Öffentlichkeit als Ehemann von Asia Bibi erkannt zu werden. "Mit Muslimen spreche ich deshalb fast gar nicht mehr. Ich fürchte mich davor, dass sie wissen, wer ich bin." Christen würden in Pakistan nicht wie Menschen behandelt, sagt er. Sie stellen in dem südasiatischen Land nur eine kleine Minderheit dar: So leben nach Angaben des Auswärtigen Amtes nur etwa 2,8 Millionen Christen in Pakistan – bei einer Gesamtbevölkerung von mehr als 180 Millionen Menschen. Etwa 97 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.

Umstrittenes Blasphemie-Gesetz

Ashiq Masih übergibt Shabbaz Bhatti ein Dokument, mit dabei sind zwei der Töchter (Foto: AP Photo/Anjum Naveed)

Im November 2010 übergab Ashiq Masih dem damaligen Minister für Minderheitenangelegenheiten, Shabbaz Bhatti ein Gnadengesuch.

Das seit den 1980er Jahren geltende Blasphemiegesetz ist umstritten, auch in Pakistan. Es werde für Racheakte und Behördenwillkür missbraucht, so der Vorwurf der Kritiker. Im Alltag werde das Gesetz häufig dazu missbraucht, um im Zuge von Nachbarschaftsfehden, politischen Querelen oder wirtschaftlichen Streitigkeiten missliebige Personen oder Angehörige von Minderheiten auszuschalten und unter Druck zu setzen. Alle bisherigen Versuche, es zu reformieren, scheiterten aber am Widerstand konservativer Politiker und religiöser Hardliner.

Zwar wurden in den vergangenen Jahren keine Todesurteile wegen Verstoßes gegen das Blasphemie-Gesetz vollstreckt. Immer wieder kommt es aber vor, dass Beschuldigte in Akten von Selbstjustiz getötet werden. So wurde im November 2014 ein christliches Paar wegen angeblicher Gotteslästerung von einem wütenden Mob gelyncht und verbrannt. 2011 wurden kurz hintereinander zwei Politiker, die sich für Reformen und auch für Asia Bibi eingesetzt hatten, ermordet: der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, wurde von einem Angehörigen seiner Leibgarde erschossen. Shabbaz Bhatti, der Minister für religiöse Minderheiten in Pakistan, fiel auf dem Weg zu seinem Ministerium einem Anschlag auf seinen Wagen zum Opfer.

Hoffnung auf Hilfe von außen

Auch Ashiq Masih hat Angst, dass ihm oder seinen Töchtern etwas passieren könnte. Trotzdem sprach er am vergangenen Dienstag (24.02.) beim diesjährigen Menschenrechtsrat in Genf, um Unterstützung für seine Frau zu fordern. Er sei dankbar für jede Hilfe, sagt er. Zum Beispiel für die mehr als 18.000 Unterschriften, die das katholische Hilfswerk Missio gesammelt hat.

Seine Familie habe seit jenem Sommertag im Jahr 2009, als Asia Bibi nach Angaben muslimischer Dorfbewohnerinnen abfällige Bemerkungen über den Propheten gemacht haben soll, alles verloren. "Meine Kinder haben keine Mutter mehr. Ihnen fehlt etwas ganz wichtiges. Ich brauche meine Frau, die Kinder brauchen ihre Mutter. " Aufgeben kommt für den Ehemann nicht in Frage. Ashiq Masih will weiter kämpfen. "Wir vertrauen auf Gottes Hilfe und hoffen, dass meine Frau eines Tages wieder bei uns sein wird und wir dann in Frieden leben können."

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