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Europa/Zentralasien

Aserbaidschan: "Redaktionen sind unter staatlicher Kontrolle"

Im Vorfeld des diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in Baku wurde viel über Aserbaidschan berichtet - jedoch überwiegend über mangelnde Menschenrechte und fehlende Pressefreiheit. Zu Unrecht?

Für Emin Huseynov ist es höchste Zeit, dass die europäische Öffentlichkeit sein Land genauer unter die Lupe nimmt. "Kurz nachdem Aserbaidschan im vergangenen Jahr den Eurovision Song Contest gewonnen hat, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir die schwerwiegenden Probleme in unserem Land am besten publik machen können." Huseynov ist Menschenrechtsaktivist und Vorsitzender des "Institute for Reporters' Freedom and Safety" in Baku. "Eine Pressefreiheit gibt es in unserem Land nicht. Wir haben keine oppositionellen Massenmedien - vielmehr sind die Redaktionen fast alle unter staatlicher Kontrolle", sagte am 11. Mai Huseynov während des Expertengesprächs, zu dem DW Akademie und ARD-Hauptstadtstudio nach Berlin eingeladen hatten.

Emin Huseynov freut sich daher über jede Berichterstattung - und besonders über die kritische. Auch wenn er doch etwas verwundert ist, dass im Zuge des ESC nun deutlich mehr über sein Land berichtet würde, als beispielsweise bei den letzten Präsidentschaftswahlen. Auch Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator und somit verantwortlich für den ESC, hat die vermehrte Berichterstattung über Aserbaidschan wahrgenommen. "Der Song Contest hat hier schon im Vorfeld eine große Plattform bereitet." Allerdings würde er sich wünschen, dass die "Palette der Berichterstattung breiter werden würde". Aserbaidschan hätte eine reiche Geschichte, über die es sich trotz aller kritischen Umstände lohnen würde zu berichten.

"Ihr vermiest uns die Stimmung!"

Pressegespräch der DW Akademie und der ARD im ARD Hauptstadtstudio am 11.Mai 2012 in Berlin. Die DW Akademie hatten Korrespondenten und Experten eingeladen, um über die Situation der Medien in Aserbaidschan zu diskutieren (Foto: DW/Nadine Wojcik).

Emin Huseynov und Thomas Schreiber

Die Journalistin Silvia Stöber, die seit Jahren über Aserbaidschan und den Südkaukasus für die deutschen Medien berichtet, gab Schreiber Recht. Gleichzeitig ergänzte sie jedoch: "Selbst wenn ich beispielsweise über die wunderschöne Natur oder den Tourismus berichten möchte, so treffe ich auch hier immer wieder auf große Armut und Korruption." Sie weist daher den Vorwurf der aserbaidschanischen Regierung zurück, es handele sich bei der Berichterstattung um eine Kampagne, die darauf abziele, das Land systematisch zu verunglimpfen.

DW-Korrespondentin Alexandra von Nahmen, die der Diskussion per Skype aus Baku zugeschaltet war, bekommt diese Empörung derzeit deutlich zu spüren. "Wir veranstalten hier eine große Party für ganz Europa und ihr vermiest uns die Stimmung", beschrieb von Nahmen die Reaktionen vor Ort. Sie spüre eine große Nervosität im Land, als deutsche Reporterin begegne man ihr vorwiegend mit Skepsis. Ein Interview mit Regierungsvertretern sei ihr bis dato noch nicht gewährt worden. Zuletzt hatte Alexandra von Nahmen für die Deutsche Welle über Zwangsumsiedlungen berichtet.

Eben diese Art der Berichterstattung begrüßt der Menschenrechtsaktivist Emin Huseynov ausdrücklich. Und er hofft, dass sie nach dem ESC nicht abreißt - auch wenn er nicht so recht daran glaubt. Scherzhaft fügte er hinzu: "Am besten wäre, wenn wir auch dieses Jahr wieder den Song Contest gewinnen und die europäischen Medien auch im nächsten Jahr wieder nach Aserbaidschan kommen würden. Oder wenn Weißrussland gewinnt - dann würden wir mit den Menschenrechtsaktivisten dort unsere Erfahrungen teilen und sie unterstützen."

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