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Fokus Osteuropa

Aserbaidschan: Journalisten bitten um Asyl

Mehr als 20 Journalisten wollen Aserbaidschan verlassen. Der Redakteur der einst populärsten unabhängigen Zeitung des Landes "Gyundelik Azerbaijan", Useir Dschafarow, erläutert im Gespräch mit DW-RADIO die Gründe.

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Behörden schließen zwei Zeitungen

DW-RADIO/Russisch: Die unabhängigen Zeitungen "Reales Aserbaidschan" und "Gyundelik Azerbaijan" wurden vor kurzem von den Behörden geschlossen. Warum halten es die Journalisten der Zeitungen für sinnlos, in ihrer Heimat zu bleiben?

Useir Dschafarow: Man lässt uns nicht arbeiten und es ist für uns sogar gefährlich geworden, in unserer Heimat zu leben. Unser Chefredakteur und Gründer der Zeitung ist verhaftet worden. Er wird nach Artikel 214 des Strafgesetzbuches Aserbaidschans des Terrorismus beschuldigt. Ich selbst wurde am 20. April vor dem Gebäude der Redaktion überfallen. Obwohl wir den Ermittlern die Namen und konkrete Fakten genannt haben, ist bis jetzt nichts passiert. Außerdem haben das Ministerium für nationale Sicherheit, das Katastrophenschutz-Ministerium sowie das Innenministerium alles versiegelt und unsere Computer beschlagnahmt. Jetzt stehen wir auf der Straße. Leider bleibt uns nichts anderes übrig, als um politisches Asyl zu bitten, und das, obwohl offizielle Staatsvertreter erklären, dass Journalisten in Aserbaidschan keine Probleme haben. Leider lügen sie und betrügen die Öffentlichkeit. Wir, das ganze Redaktionsteam, wollen unsere Zeitung herausgeben und fordern, dass die erfundenen Vorwürfe gegen unseren Chefredakteur fallengelassen werden.

Worauf führen Sie den verstärkten Druck auf die unabhängige Presse seitens der aserbaidschanischen Behörden zurück?

Unsere Zeitungen haben über die wirklichen, die tatsächlichen Ereignisse in Aserbaidschan berichtet. Aserbaidschan gehört zu den Ländern mit der am weitest verbreiteten Korruption - ich meine damit die Beamten, die sich auf Schritt und Tritt bereichern wollen. Wir schreiben darüber, und das missfällt ihnen. Für 2008 sind in Aserbaidschan Präsidentenwahlen geplant. Deswegen unternimmt die Staatsmacht alles, damit es keine unabhängige Presse mehr gibt. Unsere beiden Zeitungen waren der Störfaktor für deren dunkle Machenschaften. Wir haben über konkrete Fälle geschrieben. Es gibt Dutzende Überfälle auf Journalisten, viele wurden zu Invaliden. Deswegen wollen wir unser Leben nicht weiter gefährden und haben uns gemeinsam mit unseren Familien an ausländische Vertretungen mit der Bitte gewandt, uns politisches Asyl zu gewähren.

Das Gespräch führte Viacheslav Yurin
DW-RADIO/Russisch, 30.5.2007, Fokus Ost-Südost

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