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Wirtschaft

Asbest rettet ABB

Der Weltkonzern ABB hatte vor einem Jahr massive Schulden und stand vor schwerwiegenden Entscheidungen. Nun ist er auf dem Weg der Besserung - auch dank Vorstandschef Dormann.

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Zurück zu den Wurzeln mit Jürgen Dormann

Mit dem früheren Hoechst-Sanierer Jürgen Dormann leitet ein erfahrener deutscher Manager das schwedisch-schweizerische Konglomerat und räumt dort langsam aber sicher auf: Asea Brown Boveri, kurz ABB, kommt mit seinem Sanierungskurs voran. 2002 war das Jahr der Entscheidung: Damals stand ein Rekordverlust von 787 Millionen Dollar in den Büchern. Ein wichtiger Grund für das Debit: Hohe Rückstellungen für den Asbest-Vergleich, den ABB in den USA zu erwarten hatte. Der soll nun 2004 abgewickelt werden.

Das Asbest-Problem von ABB ist geradezu symptomatisch für die verfehlte Firmenpolitik des vergangenen Jahrzehnts, die vor allem schwedische Manager in geradezu krimineller Manier verantwortet hatten: Zukaufen um jeden Preis hieß die Devise des einst reichen Konzerns. Zu dem bunten Strauß der Einkaufstouren zählte 1989 auch die US-Firma Combustion Engineering, ein seinerzeit schon maroder Hersteller von Heizkesseln – mit Asbestauskleidung. Die daraus entstandenen Schadenersatzklagen belasten ABB bis heute.

Fast ein Todesstoß: Der ABB-Schweden-Krimi

Drei schwedische Manager haben den Konzern seit seiner Fusion 1988 – systematisch oder nicht – in den Schlamassel geritten. Percy Barnevik war der Fusionierer der ersten Stunde. Er schuf eine komplexe Organisationsstruktur für Länder und Bereiche. Profit Center sollten es bringen, und so entstand die chaotische Zahl von 1000 Teilfirmen unter der Dachmarke. Eine Horror-Infrastruktur, die den Konzern völlig handlungsunfähig machte. Hinzu kamen Akquisen wie die von Combustion, mitterweile insolvent, sowie das Ölgeschäft – zumindest ungewöhnlich für einen Konzern, der durch Elektrotechnik und Automatisierung weltbekannt war und ist.

148 Millionen Franken Abfindung

Barnevik durfte 1996 immerhin mit 148 Millionen Schweizer Franken nach Hause gehen. Sein – zu allem Überfluss – persönlich ausgewählter Nachfolger Göran Lindahl löste die Organisationsstruktur und wollte den Technologiekonzern in der Zeit der Dotcoms als Wissenskonzern neu erfinden. Kernbereiche wie Bahntechnik und Kraftwerksbau mussten darum verschwinden. Dafür befand sich bald aber so etwas Passendes wie die Rückversicherungsgesellschaft Sirius im Portfolio. Der Dritte im Schweden-Bunde, wieder auf Vorschlag des pensionierten ersten Chefs, war Jörgen Centerman, der den Konzern erneut umbaute. 2002 konnte er dann nur noch die Riesenschulden präsentieren – und gehen.

Seither hat Jürgen Dormann die Geschäfte in die Hand genommen und versilbert Schritt für Schritt, was nicht zum Kerngeschäft gehört. Wie etwa die Sirius-Gesellschaft zum Preis von 425 Millionen Dollar.

Positiver Ausblick

Langsam kann sich der traditionsreiche Ingenieurkonzern wieder darauf konzentrieren, auf den Gebieten Energie und Steuerung Geld zu verdienen. Dabei kommen ihm die diesjährigen Stromausfälle in den USA durchaus zupass: Die gigantischen Blackouts im reichsten Land der Erde zeigten der Welt, auf welchem Niveau sich die US-Infrastruktur bewegt. Der Ansturm auf die Aufträge hat bereits begonnen. Profitieren wird neben Alstom und Siemens auch ABB.

Noch zwei Hürden zu nehmen

Der noch nicht abgeschlossene Verkauf der Ölsparte und der noch nicht endgültig beigelegte Asbest-Rechtsstreit in den USA sind die beiden größten Risiken für das Geschäft von ABB. Beide Probleme könnten jedoch bald gelöst werden: Der Verkauf der Sparte Öl, Gas und Petrochemie (OGP) an die Finanzinvestoren Candover, JP Morgan und 3i war zwar für 2003 geplant, soll aber immerhin 2004 über die Bühne gehen. Zwar war der Schuldenabbau dadurch ins Stocken gekommen, dennoch stehen die Gläubigerbanken weiter zu dem Unternehmen – oder besser gesagt hinter Dormann.

Der geplante Asbest-Vergleich in den USA schließlich ist nach Unternehmensangaben trotz Verzögerungen auf gutem Weg. Man erwarte den Richterspruch "irgendwann in der ersten Jahreshälfte" 2004, erklärte ein ABB-Sprecher am Dienstag (23.12.2003). 1,3 Milliarden Dollar müsste ABB dank seiner Tochter Combustion Engineering dann an 100.000 Kläger zahlen. Und wäre dabei noch mit einem blauen Auge davongekommmen.

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