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Asien

Artenschutz endet an der Grenze

Wilde, freilebende Tiere kommen und gehen nach Afghanistan. Viele dieser sogenannten wandernden Tierarten sind vom Aussterben bedroht, doch die Befugnisse der Wildtierschützer enden an der Landesgrenze.

Junger Schneeleopard (Foto: AP)

In freier Wildbahn kaum noch zu beobachten: Schneeleoparden

Im Wakhan-Korridor - im äußersten Nordosten Afghanistans - haben Forscher vor kurzem einige Schneeleoparden entdeckt. Mithilfe von Kamerafallen konnten sie fotografiert werden. Der Schneeleopard ist im Hindukusch, in einem seiner Hauptlebensräume, nur noch sehr selten zu finden.

Die Convention on Migratory Species (CMS) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) bezeichnet Tiere wie den Schneeleoparden als "wandernde Tiere", weil sie auf ihren Wanderrouten oftmals unterschiedliche Lebensräume und Landesgrenzen überschreiten. Für ein intaktes Ökosystem sind auch sie wichtig.

Grenzkonflikte bei erschwerten Lebensbedingungen

Ein Argalibock im Gebirge Afghanistans (Foto: UNEP)

Die Hörner der Marco-Polo-Schafe sind begehrte Trophäen

Weil Tiere wie sie als besonders gefährdet gelten, versuchen die Vereinten Nationen mit CMS die bedrohten Tiere zu schützen - einem internationalen Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten.

Christiane Röttger betreut den Bereich Zentralasien bei CMS. Die wichtigsten Probleme seien illegale Jagd, Wilderei und die Zerstörung des Lebensraums der Tiere, erklärt Röttger. "Aber es gibt natürlich auch noch Jäger, die über Landesgrenzen hinweg Tiere jagen und dann zurück auf ihre Seite der Grenze gehen - und das führt dann zu Konflikten", so Röttger weiter.

Bisher ist Afghanistan dem CMS-Abkommen jedoch nicht beigetreten. Wilderer können nicht über Landesgrenzen hinweg verfolgt werden. Befugnisse der Wildtierschützer enden somit an der Grenze. Dabei ist Afghanistan Lebensraum für über 80 wandernde Tierarten.

Dazu gehören der bereits genannte Schneeleopard, der Bucharahirsch und das Marco-Polo-Schaf, aber auch zahlreiche Wandervögel.

Der Schneekranich beispielsweise ist eine besonders seltene Kranichart, die in Sibirien brütet und dann nach Indien oder nach China fliegt. Vor 40 Jahren zählten Tierschützer noch 80 Vögel in Afghanistan. Das letzte Paar wurde nun 2002 gesichtet. "Die Populationszahlen gehen runter. Das heißt, da ist einfach ein großer Bedarf etwas zu tun", beklagt Röttger.

Bevölkerung ist unaufgeklärt

Und da müsse man zuerst bei der Bevölkerung ansetzen, ist sich Zalmai Moheb sicher. Er arbeitet für die Wildlife Conservation Society. Seit 2006 ist die Tierschutzorganisation in Afghanistan aktiv. Moheb beklagt vor allem, dass viele Afghanen in unbefugten Gebieten jagen oder sich nicht an vorgeschriebene Quoten halten. "Für sie ist das immer etwas völlig Neues, dass man die Natur schützen muss. Sie kennen das überhaupt nicht und wissen auch nicht welche Konsequenzen es hat, illegal Tiere zu jagen. Deswegen müssen wir erst einmal Aufklärungsarbeit leisten."

Schneekranich bei der Rast (Foto: IFC)

Auf seiner Route in den Süden macht der Schneekranich auch in Afghanistan halt

In den letzten fünf Jahren haben Moheb und seine Kollegen viele Fortschritte insbesondere im Wakhan-Korridor machen können. Zumindest dort hat sich bei den Bewohnern ein Umweltbewusstsein gebildet. In den restlichen 32 Provinzen des Landes bleibt es schwierig. "Im Moment können wir leider nur in den Provinzen Bamiyan und Badakhshan arbeiten. Die Sicherheitslage lässt es nicht zu, dass wir in anderen Provinzen Aufklärungsarbeit tun können", sagt Zalmai Moheb.

Forderung nach internationaler Kooperation

Etwa 80 Prozent der Menschen in Afghanistan leben auf dem Land und sind abhängig von einer intakten Umwelt. Artenschutz darf nicht an einer Grenze stoppen. Die Verantwortung liege auch bei den afghanischen Behörden, findet Röttger: "Es ist wichtig, dass man gemeinsame Überwachungen durchführt, dass man die Leute auch entsprechend ausbildet und dann auch wirklich grenzüberschreitend die Populationen verfolgen kann. Dazu ist es einfach wichtig, dass Afghanistan auch mit dabei ist weil es ein Arealstaat ist und man nicht nur auf einer Seite zählen kann".

Sie ist überzeugt, dass der Schutz der Lebensräume der Tiere nur dann gewährleistet werden kann, wenn man international kooperiere. Durch die zivile Zusammenarbeit könne man auf anderen Ebenen von einander lernen - dies könnte dann auch der Sicherheit des Landes nutzen.

Autorin: Waslat Hasrat-Nazimi

Redaktion: Chi Viet Giang

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