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Kultur

Art Cologne hält Kurs

Kunst kaufen ist keine einfache Sache. Überall auf der Welt gibt es inzwischen Kunstmessen und der Markt verändert sich ständig. Die Art Cologne setzt auf die deutschen Sammler und geht damit auf Nummer Sicher.

Aleksandra Mir, Plane Landing in Switzerland #13, 2008, C-print diasec, 176 x 122 cm, Galerie Laurent Godin, Paris

Muss am Boden bleiben - im Gegensatz zur Messe: Kunstwerk von Aleksandra Mir "Plane Landing"

Vor der Galerie Thomas steht andächtig eine große Menschenmenge. Kameras haben sich in Position gebracht. Nur ein einziges Gemälde hängt an der dunkelroten Wand. Effektvoll angestrahlt springt ein Hund durch die Landschaft. Ein kleiner Hase hält sich vor ihm versteckt. Der Hund scheint das verängstigte Tier nicht gesehen zu haben. Raimund Thomas bietet das Gemälde "Die Angst des Hasen", das Franz Marc 1912 gemalt hat, für 9,4 Millionen Euro an. Ein privater Sammler aus dem Rheinland und eine ausländische private öffentliche Sammlung hätten Interesse angemeldet, sagt Thomas, dessen Galerie in diesem Jahr 50. Jubiläum feiert. Zum ersten Mal war dieses Juwel der Moderne 1913 in der berühmten Avantgarde-Galerie "Der Sturm" in Berlin ausgestellt.

Das einzige Kunstwerk am Stand der Galerie Thomas: Franz Marcs Gemälde Die Angst des Hasen (Foto: DW)

Das einzige Kunstwerk am Stand der Galerie Thomas: Franz Marcs Gemälde "Die Angst des Hasen"

Inzwischen gilt Franz Marc als Blue Chip, als sichere Wertanlage für Sammler. So wie viele andere Werke der Klassischen Moderne, die sich als krisenresistent erweist. Gleich nebenan bietet die Galerie Henze & Ketterer ein Werk von Ernst Ludwig Kirchner an: "Berghirte im Herbst" für 2,5 Millionen Euro. Summen dieser Höhe sind für Werke der Klassischen Moderne die Regel. Aber solch hochpreisige Kunstwerke bilden auf der Art Cologne die Ausnahme. Das Angebot ist solide. Die Kölner Kunstmesse zieht vor allem Sammler an, die bereit sind, Werke bis 100.000 Euro zu kaufen. Viele von ihnen kommen aus der direkten Umgebung.

Hohe Erwartungen an die Art Cologne

Das Rheinland ist nach wie vor für seine kauffreudigen Sammler in Deutschland berühmt. Seit 2010 die internationale Kunstmesse "Artforum" in Berlin die Segel gestrichen hat, gewinnt die Kölner Messe an Bedeutung. Auch die Berliner Galerien zeigen inzwischen geschlossen Präsenz auf der Art Cologne. Selbst zögerliche Galeristen wie die Berlinerin Esther Schipper wollen sich das Geschäft in Köln nicht entgehen lassen. Dabei macht laut einer Studie der Kunstmesse TEFAF in Maastricht der deutsche Kunstmarkt nur einen Bruchteil des weltweiten Umsatzes aus. Lediglich fünf Prozent der Geschäfte werden in Deutschland gemacht. Messechef Daniel Hug bezweifelt die Richtigkeit dieser Untersuchungen. Schließlich befinde sich der Kunstmarkt in einer Grauzone.

Fokus Deutschland

Holzschnitte der Zwillingsbrüder Tobias Z für je 38.000 Euro bei Contemporary Fine Arts (Foto: DW)

Holzschnitte der Zwillingsbrüder Tobias Z für je 38.000 Euro bei Contemporary Fine Arts

Entsprechend begehrt ist ein Messestand. Aber nur eine Auswahl von 221 Galerien haben die Zulassung bekommen. Die Hälfte davon aus Deutschland. "Die hohe Angebotsqualität aus dem Vorjahr übertreffen wir in diesem Jahr", sagt Hug, der seit 2008 künstlerischer Messechef ist und früher selber als Galerist in Los Angeles wirkte. Er hat der traditionsreichen, ältesten Kunstmesse der Welt, die viele bereits abgeschrieben hatten, wieder neuen Glanz verschafft. Für Hug besteht das Erfolgsgeheimnis darin, den Standort zu stärken: "Wir sind schon international, aber mit Schwerpunkt Deutschland. Drei Aspekte sind uns wichtig: ein gutes Angebot, die Qualität und die Ortsverbundheit."

Die Galerie Hauser & Wirth mit Hauptsitz in Zürich und Filialen in New York und London hat lange Jahre auf eine Teilnahme in Köln verzichtet, sieht aber jetzt die Vorzüge. "Wer ein deutsches Publikum erreichen will, muss an der Art Cologne teilnehmen", sagt der Galerist . Der Stand auf der Art Cologne setzt auf Hingucker: Der "Alpine Man", eine lebensgroße Figur, kopuliert mit einem Bierfass. Typischer Humor mit sexuell provokativem Unterton von US-Künstler Paul McCarthy aus Los Angeles. Solche Kirmeseffekte sind allerdings selten auf der Art Cologne. Es dominiert Malerei. Mehr als einen Blick verdienen die großformatigen Gemälde der Zwillingsbrüder Gert und Uwe Tobias, die am Stand von Contemporary Fine Arts zu sehen sind.

Konzept kommt an

7.700 Euro soll das Foto des deutsch-afrikanischen Künstlerpaars Mwangi-Hutter kosten (Foto: Art Cologne)

7.700 Euro soll das Foto des deutsch-afrikanischen Künstlerpaars Mwangi-Hutter kosten

Ebenfalls ein Global Player unter den Galeristen ist Karsten Greve mit Verkaufsräumen in Köln, Paris und St. Moritz. In seiner Galerie präsentiert er unter anderem zwei seltene Keramik-Kreuze von Lucio Fontana, die der Italiener 1951 hergestellt hat. Seine bildhauerischen Werke sind nur wenig bekannt. In Museen sind vor allem Fontanas aufgeschlitzte Leinwände allgegenwärtig. Die blau-grünen Kreuze kosten zwischen 240.000 und 260.000 Euro.

Zum ersten Mal in Köln ist die Galeristin Andrée Sfeir-Semmler aus Hamburg und Beirut, die vom guten Ruf der Art Cologne angeregt wurde, "neben Art Dubai, Art Basel und anderen internationalen Messen, auch die Werke einem deutschen Publikum anzubieten". An ihrem Stand präsentiert sie zwei wunderschöne neue Werke der in Paris lebenden Libanesin Etel Adnan für 25.000 Euro. Die 80-jährige Malerin war eine der großen Entdeckungen der letzten documenta und ist jetzt eine begehrte Künstlerin.

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