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Kultur

Arp Museum: Große Kunst in der Provinz

Das Arp Museum liegt in einem kleinen Ort am Rhein. Aber es bietet bedeutende Kunst - für alle, die es dorthin schaffen. Jetzt wird das Museum fünf Jahre alt und möchte vor allem eins: auf die internationale Bühne.

Ein Zug rattert davon, die Vormittagssonne knallt auf den Bahnsteig von Rolandseck und schon ist es wieder still. Vier Männer mit silberweißem Haar, braungebrannter Haut und Wandermontur blicken sich suchend um. Ihr Ziel: das Arp Museum in Rolandseck, beliebter Ausflugsort für Rheinland-Touristen und vorwiegend älteres Publikum aus der näheren Umgebung.

Wenn alles nach Plan läuft, werden bald viel mehr Leute hierherkommen: vor allem junge Leute und mehr internationales Publikum, ist sich Museumsdirektor Oliver Kornhoff sicher. Um nicht nur Kunst zu erleben, sondern auch Konzerte und Vorträge über Popkultur zu besuchen. Das Aufgebot an Veranstaltungen ist beachtlich, die ausgestellten Künstler weit über die Landesgrenzen bekannt. Das Problem ist nur: Hier kommt man nicht zufällig vorbei. Unterhalb des Bahnhofs führt eine Schnellstraße entlang, parallel dazu fließt der Rhein. Es hat etwas von Durchfahrt. "Schon der Weg hierhin ist ein Erlebnis", meint Kornhoff, "genau wie der Weg durch das Museum." Das Museum liegt in einem alten Bahnhofsgebäude und einem Neubau am Hang. Verbunden sind die Bauten durch zwei 40 Meter lange Tunnel und einen Aufzugsturm.

Ein Bild von Hans Arp im gleichnamigen Arp Museum in Rolandseck (Foto: Charlotte Hauswedell)

Überall präsent: Hans Arp und der Dadaismus

Dadaismus immer präsent

Alle ausgestellten Werke sind auf irgendeine Weise mit dem künstlerischen Schaffen von Hans Arp und Sophie Taeuber Arp verbunden. Dieser rote Faden bestimmt die kuratorische Arbeit und gehört zum Gesamtkonzept des Museums. Arp war ein Vertreter des Dadaismus; wichtige Impulse für das Museum liefern nun zeitgenössische Künstler wie Jonathan Meese oder Daniel Spoerri, die auch vom Dadaismus beeinflusst wurden. Doch auch Klassiker der Moderne und des Impressionismus sind im Museum zu finden, etwa Werke von Paul Cezanne oder Claude Monet. Letzten Endes ist es aber die Mischung aus Architektur und Kunst, die das Museum ausmacht. Im Neubau haben die Besucher eine idyllische Aussicht auf das Siebengebirge und die Rheinlandschaft. So etwas spricht sich herum - bisher aber vor allem unter Ortskundigen.

Das Arp-Museum in Rolandseck am Rhein (Foto: Charlotte Hauswedell)

Erst an den Rhein gehen, dann auch mal reingeh'n: Schon die Anreise zum Arp Museum ist ein Erlebnis

Landschaftsmuseum Louisiana in Dänemark als Vorbild

Den Anlass des fünfjährigen Jubiläums will das Arp Museum nun nutzen, um endlich auch international bekannter zu werden. Dabei hat Kornhoff ein konkretes Vorbild: das Museum Louisiana in Humlebæk, Dänemark. Das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst ist für seine Lage direkt am Meer weltbekannt: Natur, Skulpturen und Landschaft, hier ist alles aufeinander abgestimmt. "Wir werden vielleicht in 15 Jahren da sein, wo Louisiana heute ist. Wir sind noch ein sehr junges Museum. Zwar haben wir unser Profil schon gefunden, aber das muss noch in den Köpfen der Leute ankommen." Eine erste Kooperation mit dem Louisiana ist schon auf den Weg gebracht: 2013 zeigt das Arp Museum Werke der US-amerikanischen Künstlerin Tara Donavan zum ersten Mal in Europa. Die Ausstellung wird im Anschluss nach Louisiana ziehen.

Auch eine große Architekturausstellung zum Werk Richard Meiers soll Ruhm bringen - jenes Stararchitekten, der auch den Neubau des Arp Museums entworfen hat. Zu Meiers bekannten Bauten gehört das Getty Center in Los Angeles und er ist Träger des renommierten Pritzker-Architekturpreises. Dass Meier im September persönlich die Ausstellung eröffnen wird, macht Kornhoff besonders stolz. Er weiß um den Gewinn, den Meiers Bau in den kleinen Ort Rolandseck und an den Rhein gebracht hat. "Wir merken jeden Tag, wie sehr Meier unsere Arbeit bestimmt und prägt. Er ist jemand, für den die Menschen hierherkommen, dessen Bau die Menschen genießen wollen."

Stararchitektur im kleinen Rolandseck am Rhein

Museumsdirektor Oliver Kornhoff (Foto: Charlotte Hauswedell)

Museumsdirektor Oliver Kornhoff

Fast zuviel Wucht: So kommt es leicht vor, dass der Meier-Bau den Exponaten die Aufmerksamkeit stiehlt. Die Kunstwerke müssen mithalten. Das weiß auch Oliver Kornhoff. Der Kölner ist seit fast vier Jahren Direktor und vieles von dem, was er sich zu Beginn vorgenommen hatte, konnte das Arp Museum schon umsetzen. Ein ambitioniertes Programm, Kammermusikfestivals, Lesungen, mehr als 3500 Führungen seit Beginn. Mittlerweile ist es das meistbesuchte Museum in Rheinland-Pfalz. Die Publikumsmagneten in der Region bleiben aber doch die Museen großer Städte wie Köln oder Bonn, die nicht weit entfernt liegen.

Auf der Wiese vor dem Museum entspannt eine Gruppe auf Liegestühlen und genießt die Sonne. Die Autos rauschen vorbei, ein Containerschiff schippert den Rhein hinab. Eine Theatergruppe aus Köln hat ihren Betriebsausflug ins Arp Museum unternommen. "Wir gehen sonst nicht ins Museum", erzählt ein junger Techniker, "aber das hier war schön gemacht."