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Fokus Südosteuropa

Armut in Serbien

Aus Geldmangel müssen in Serbien Suppenküchen geschlossen werden. Das Rote Kreuz als Betreiber hofft auf Finanzhilfe und Wiedereröffnung.

Köchin am großen Topf in einer Suppenküche. Im Hintergrund warten Menschen auf ihr Essen (Foto: DW)

Für viele die einzige Mahlzeit

Seit Ende April gibt es in Serbien weniger Suppenküchen, weil die Kommunen nicht genug Geld für ihren Unterhalt haben. Bis dahin waren es 67 Suppenküchen, nun sind es 42. Die Suppenküchen nutzen täglich 27.000 Menschen. Künftig verringert sich die Zahl der Personen, die gespeist werden können, auf 23.000. Eine der Suppenküchen in Belgrad besuchte die Deutsche Welle. Dort holen sich die Bedürftigen jeden Morgen eine Mahlzeit ab. Die meisten eilen dann nach Hause, wo sie ihr Essen mit der Familie teilen. Es kommt vor, dass eine fünfköpfige Familie mit drei Mahlzeiten auskommen muss. Am Wochenende wird nicht warm gekocht. Dafür werden Lunchpakete verteilt. Die meisten Bedürftigen möchten nicht öffentlich über sich sprechen, aber unter der Hand beklagen sie sich über ihre missliche Lage. Eine der wenigen, die ins Mikrofon sprechen wollte, ist eine ältere Frau. Sie lobt die Suppenküche ausdrücklich: "Das Essen und die Bedienung haben hohes Niveau." Sie räumt allerdings ein, dass diese Mahlzeit nicht für den ganzen Tag reicht und sie Lebensmittel dazu kaufen muss.

Bedarf nicht gedeckt

Einen Teller mit Suppe nimmt eine ältere Frau in der so genannten Suppenküche (Foto: dpa)

Nicht jeder kann bedient werden

Das können sich indes nicht alle Bedürftigen leisten. Für 70 Prozent der Nutzer sei die Ration aus der Suppenküche die einzige Mahlzeit am Tag, sagt Dragic Kljajic, Mitarbeiterin des serbischen Roten Kreuzes und Leiterin des Suppenküchen-Programms. Kljajic zufolge werden die Suppenküchen zum Sommer aus Finanzgründen geschlossen. Außerdem würden manche Nutzer der Suppenküchen im Sommer Saisonarbeit verrichten und so ihre Essen selbst bezahlen können. Kljajic fürchtet jedoch, dass zum Ende des Sommers nicht viele Suppenküchen wiedereröffnet werden, auch wenn dringender Bedarf besteht. Sie gibt zu bedenken, "dass die Zahl der Mahlzeiten nie vom Bedarf abhing, sondern von den finanziellen Möglichkeiten. Es gibt Küchen, die 200 Mahlzeiten haben, aber 1000 Menschen die dafür anstehen. Es ist furchtbar, es zu sagen, aber es gibt bei Suppenküchen auch Wartelisten," so Kljajic.

Spiegel des Elends

Suppenküchen sind keine serbische Besonderheit, aber die Klientel ist eine andere. Während es in Westeuropa überwiegend Obdachlose sind, die sich in Suppenküchen versorgen, sind es in Serbien sozial Schwache, 70 Prozent der Nutzer "Dauergäste". Dragica Kljajic erklärt dies so: "Wenn sie ein älteres Ehepaar haben oder einen alleinstehenden alten Herrn, dann können sie bei ihnen nicht erwarten, dass sich ihre Lage verbessert." Die meisten Bedürftigen schämten sich zudem ihrer Lage und weigerten sich, die Suppenküche zu betreten, sagt Kljajic. Diesen Leuten will Kljajic die Scham nehmen. Sie überzeugt sie meistens mit dem Satz: "Es ist keine Schande arm zu sein, es ist eine Schande zu stehlen." Sich wegen seiner Armut zu schämen, sei in Serbien noch weit verbreitet und Suppenküchen würden das Elend der Armen bloßstellen, so Kljajic.

Finanzierung in der Schwebe

Serbisches Parlament in Belgrad (Foto: RIA Novosti)

Belgrad muss sich noch entscheiden

Die meisten Suppenküchen braucht das strukturschwache Südserbien. Dort reichten die Haushaltsmittel der Kommunen nicht für die Suppenküchen aus. Also mussten rund 80 Prozent schließen. Das Rote Kreuz schaltete sich ein und forderte von der Regierung in Belgrad Geld, um die Suppenküchen neun Monate betreiben zu können. Sie wollten rund zwei Millionen Euro, beziehungsweise acht Euro täglich pro Nutzer. Belgrad hat allerdings noch nicht darüber befunden.

Suppenküchen gab es in Serbien lange Zeit nicht. Eingeführt wurden sie für zwei Jahre gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor 18 Jahren wurden die Suppenküchen wieder eingeführt. Dies war während des Milosevic-Regimes, als das Land international isoliert war und boykottiert wurde. Doch die Lage der Langzeitarbeitslosen und Rentner hat sich in all den Jahren nicht verbessert.

Autorinnen: Vesna Rajkovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Gero Rueter

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