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Politik

Armut begünstigt Sklaverei - auch wenn sie verboten ist

Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution und Menschenhandel - moderne Formen von Sklaverei sind auch in westlichen Ländern weit verbreitet. Am 2. Dezember wird der Internationale Tag zur Abschaffung der Sklaverei begangen.

Die 15-jährige Manju muss Steine in einer indischen Ziegelei schleppen

Moderne Sklaverei in Indien: 80 Cent für 1000 Ziegel

Sklaverei - für viele Menschen hat dieser Begriff etwas Historisches, denn die Sklaverei existierte bereits in der Antike. 1526 erreichten zum ersten Mal Sklavenlieferungen aus Afrika Kuba. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts wurden 600.000 afrikanische Sklaven von Sklavenjägern in die spanischen Kolonien Amerikas verschifft. Etwa eine Million Menschen starben bei dem Transport auf den Sklavenschiffen. Unter menschenunwürdigen Bedingungen wurden die Sklaven vor allem bei der Feldarbeit eingesetzt - meist auf den Baumwollfeldern in den Südstaaten der USA oder bei der Zuckerproduktion.

Ein Sklave wird auf dem antiken Forum ausgepeitscht

Sklaverei in der Antike

1807 verbot Großbritannien als erste Kolonialmacht den Sklavenhandel. Die anderen europäischen Großmächte ächteten im Wiener Kongress 1815 die Sklaverei, Spanien verbot sie jedoch erst 1880 offiziell. 1948 wurde die Sklaverei von den Vereinten Nationen in ihrer Menschenrechtscharta als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" unter Strafe gestellt.

Schuldknechtschaft und Kinderarbeit

Doch auch in der Gegenwart ist das Thema erschreckend aktuell: Die Statistiken der britischen Menschenrechtsorganisation "Anti-Slavery International" hat weltweit 12,3 Millionen Menschen registriert, die als Sklaven betrachtet werden müssen. "Als Sklaverei gilt heute der Menschenhandel oder die Schuldknechtschaft, die vor allem in Indien sehr verbreitet ist", sagt Beth Herzfeld, Pressesprecherin von "Anti-Slavery International". Aber auch eine Form von vererbter Sklaverei gebe es noch - Menschen, die in eine Klasse von Sklaven hineingeboren würden, wie zum Beispiel in Niger. Zwangsheirat und Kinderarbeit gelten ebenfalls als moderne Formen der Sklaverei.

Die Gründe, warum es bis heute noch Menschen gibt, die in sklavenähnlichen Verhältnissen leben müssen, sind vielfältig. Doch es gibt gleich bleibende Muster, die die Sklaverei weltweit begünstigen, so Harzfeld. Dazu gehöre sowohl die weltweite Armut als auch der fehlende politische Wille, Anti-Sklaverei-Gesetze zu implementieren.

Sklaverei ist illegal

Am 2. Dezember wird der internationale Tag zur Abschaffung der Sklaverei begangen. Mit ihm soll deutlich werden, dass Sklaverei nach internationalem Recht illegal ist. Aber auch nach nationalem Recht steht Sklaverei in vielen Ländern unter Strafe.

Es sei ein Übel der Menschheit, dass Menschen andere Menschen für ihre Zwecke benutzten, sagt Herzfeld. Vor allem in Südasien seien Schuldknechtschaft und Kinderarbeit weit verbreitet. Indien habe zum Beispiel bereits 1976 die Schuldknechtschaft verboten und dennoch seien Millionen Menschen davon betroffen. Schuldknechtschaft bedeute, dass jemand aufgrund von Armut gezwungen sei, einen Kredit aufzunehmen. Diesen müsse er dann oftmals lebenslang abbezahlen - ohne eine wirkliche Chance zu haben, aus dieser Schuldenfalle wieder herauszukommen.

Ein Brasilianer schleppt mit seinem 9-jährigem Sohn Eukalyptusholz in einen Ziegelofen

1996: Sklavenarbeit in Brasilien

Auch die Kinderarbeit gilt als moderne Form der Sklaverei, weltweit sind etwa 218 Millionen Kinder unter 18 Jahren davon betroffen. In sklavenähnlichen Verhältnissen leben etwa sechs Millionen. Sie schuften in Steinbrüchen, Teppichfabriken, Hotels, Restaurants oder als Haushaltshilfen. Die körperlichen und seelischen Folgen sind enorm: Unterernährung, Schädigung der Organe durch giftige Substanzen, Angstzustände, Schlaflosigkeit.

Politische Verantwortung gefragt

Um die Sklaverei weltweit auszurotten, sind vor allem gemeinsame Anstrengungen notwendig. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) müssten mit Regierungen und lokalen NGO's noch besser zusammenarbeiten, um durch Aufklärung, bessere Strafverfolgung und Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen die Sklaverei einzudämmen und auszurotten, sagt Herzfeld. Zudem ist sie überzeugt, dass öffentliche Wut und Empörung viel zur Lösung dieses Problems beitragen kann. Auf jeden Fall müssten aber die Regierungen überzeugt werden, dass es keine Option sein könne, die Sklaverei weiter zu tolerieren.

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