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Fokus Osteuropa

Armenien will Transitland werden

Die Verkehrsverbindungen von und nach Armenien über die Türkei und Aserbaidschan sind seit 20 Jahren gesperrt. Nun will Armenien durch ein neues Infrastrukturprojekt aus seiner Blockade-Situation ausbrechen.

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Armenien will neue Transportwege erschließen

Der Bau einer Nord-Süd-Eisenbahnstrecke zwischen Armenien und dem Iran markiert den Beginn eines Infrastruktur-Programms. Sinn und Zweck: Jerewan will neue Transportwege für Waren und für Energieträger erschließen. Erwünschter Nebeneffekt: Die Verbindungen zum Ausland sollen verbessert werden. Bislang verfügt die armenische Eisenbahn nur über einen einzigen Zugang zum Schwarzen Meer – allerdings über georgisches Territorium.

Gleichzeitig startet der Bau einer neuen Nord-Süd-Verkehrsachse. Die Straßenverbindung wird von der armenischen Stadt Meghri an der Grenze zum Iran zum georgischen Hafen Batumi führen. Statt 700 Kilometer würde man dann nur noch 450 Kilometer zurücklegen müssen, um von Jerewan nach Batumi zu gelangen. Das soll auch Handel und Warentransport kräftig ankurbeln.

Georgische Interessen

Georgien hofft durch den Ausbau der Verkehrsverbindungen auf einen Anstieg der Touristenzahlen. Die georgischen Schwarzmeer-Strände sind nach wie vor bei Armeniern beliebt. Ferner erhält Georgien durch die Bauprojekte über armenisches und iranisches Territorium Zugang zum Persischen Golf und zum Kaspischen Meer. Aufgrund der abgebrochenen Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis ist Georgien daran interessiert, den Handel mit Armenien und dem Iran auszuweiten.

„Blockade wird sinnlos“

„Solch umfassende Verkehrsprojekte in der Region wie die Nord-Süd-Autobahn und die Eisenbahn stellen einen echten Durchbruch dar", sagt der Direktor des armenischen Forschungszentrums für Globalisierung und regionale Zusammenarbeit, Stepan Grigorjan. „Mit der fast 20jähigen Blockade von Straßen- und Bahnverbindungen nach Armenien haben Aserbaidschan und die Türkei keine Lösung des Karabach-Konflikts zu Gunsten Aserbaidschans erreicht“, sagte Grigorjan im Gespräch mit der Deutschen Welle und fügte hinzu: In Armenien gehe heute niemand mehr von einer baldigen Öffnung der armenisch-türkischen Grenze aus. „Aber wenn die neuen Verkehrsverbindungen in Betrieb genommen werden, dann wird man, so denke ich, in Ankara begreifen, dass die Blockade des Nachbarlandes sinnlos ist“, so der Experte.

Zeit und Geld notwendig

Nach vorläufigen Berechnungen wird der Bau der Eisenbahnstrecke zwischen dem Iran und Armenien fast zwei Milliarden Dollar kosten. Das Projekt soll mit Krediten der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank finanziert werden. Weitere anderthalb Milliarden Dollar wird nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank der Bau der Nord-Süd-Autobahn kosten. Ein Teil dieser Mittel wurde Georgien von der US-Regierung bereitgestellt. Etwa 700 Millionen Dollar soll die Asiatische Entwicklungsbank zur Verfügung stellen. In fünf Jahren soll das Bauprojekt abgeschlossen sein.

Autor: Aschot Gasasjan / Markian Ostaptschuk

Redaktion: Birgit Görtz

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