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Fokus Osteuropa

Armenien: Stromnetz verkauft

Die russische Gesellschaft Inter RAO EES hat ihre Position auf dem armenischen Energiemarkt deutlich ausgebaut. Andere wichtige Unternehmen und Wirtschaftsbereiche sind bereits in ausländischer Hand.

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Monopol der russischen Inter RAO EES

Das gesamte Aktienpaket der Aktiengesellschaft "Stromnetze Armeniens" ist in Jerewan der russischen Gesellschaft Inter RAO EES übertragen worden. Die Summe des Deals beträgt 70 Millionen Dollar. Das ist bereits der zweite Versuch von RAO EES, die einzige Gesellschaft in Armenien zu übernehmen, die sich mit der Verteilung von Strom befasst. Der erste Versuch schlug fehl. Damals erhielt die britische Midland Resources die Gesellschaft.

Zusagen der neuen Besitzer

Nun kann die russische Gesellschaft den Kreislauf schließen. RAO EES produziert Strom, verwaltet die Finanzen des armenischen Atomkraftwerks und erhält nun das Monopol, Strom zu verteilen und zu verkaufen. Der Vorstandsvorsitzende von Inter RAO EES, Andrej Rappoport, versicherte den armenischen Behörden, bis Ende kommenden Jahres etwa 20 Millionen Dollar in das armenische Stromnetz zu investieren. Den Verbrauchern sagte er Zuverlässigkeit und eine qualitativ gute Stromversorgung zu. Ferner erklärte er, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren die Strompreise nicht erhöht würden.

Russland an Pipeline interessiert

In Armenien hat man sich bereits an neue Besitzer gewöhnt, die die Telekommunikation, die Energienetze, den Flughafen der Hauptstadt, fast alle Erzbergwerke und sogar den Hersteller des berühmten Jerewaner Cognacs übernommen haben. Die Liste der noch zum Verkauf freigegebenen Unternehmen ist in den letzten drei bis vier Jahren wenig verändert worden, denn für sie interessiert sich kaum noch jemand. Interesse besteht auf Seiten Russlands an der Erdgasleitung Iran-Armenien, die derzeit in Bau ist.

Im Gespräch mit der Deutschen Welle sagte der Chefredakteur des armenischen Wirtschaftsblattes "Basis", Aschot Aramjan: "Wenn die neue Pipeline auch an Russland geht, dann wird man sie kaum als eine Alternative zur Nord-Pipeline bezeichnen können, über die russisches Erdgas über Georgien nach Armenien fließt."

Armenisches AKW positives Beispiel

Aramjan zufolge hätten die Behörden alle Probleme, die sich in den an Ausländer verkauften Unternehmen und Wirtschaftsbereichen angestaut hätten, allein nicht bewältigen können. "Jetzt laufen sie wie geschmiert", betonte er. Als positives Beispiel führte der Chefredakteur des armenischen Wirtschaftsblattes "Basis" das armenische Atomkraftwerk an. Es habe Zeiten gegeben, in denen das einzige Atomkraftwerk der Region, das 40 Prozent des Stroms in Armenien produziere, wegen chronischer Schulden bei den russischen Atombrennstoff-Lieferanten gezwungen war, für drei bis vier Monate im Jahr seinen Betrieb einzustellen. Jetzt garantiere RAO EES die Brennstoff-Lieferungen. Experten vor Ort gehen davon aus, dass die armenische Regierung eine neue Vereinbarung anstreben wird, sobald der Vertrag ausläuft.

Aschot Gasasjan, Jerewan
DW-RADIO/Russisch, 27.9.2006, Fokus Ost-Südost

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