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Fokus Osteuropa

Armenien sichert sich Erdgas aus dem Iran

Am 19. März wurde die Erdgasleitung Iran-Armenien von den Präsidenten beider Länder, Mahmud Ahmadinedschad und Robert Kotscharjan, feierlich eröffnet. Damit wird Jerewan unabhängiger von russischen Energielieferungen.

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Bevölkerung soll von neuen Gaslieferungen profitieren

Die Diversifizierung von Energiequellen und die Suche nach alternativen Lieferanten haben sich nicht nur westeuropäische Staaten als Aufgabe gesetzt, sondern auch die Republiken der ehemaligen Sowjetunion, darunter Armenien. Jerewan hat diesbezüglich schon einiges erreicht. Am Montag (19.3.) wurde die Erdgaspipeline Iran-Armenien feierlich eröffnet. Sie ist nur 141 Kilometer lang, aber in der armenischen Hauptstadt hofft man, die Leitung verlängern zu können: nach Georgien, weiter durch das Schwarze Meer und die Ukraine bis Westeuropa. Dann würde Armenien doppelt gewinnen – es würde nicht nur einen alternativen Erdgaslieferanten erhalten, sondern auch mit Transitgebühren seine Staatskasse füllen können.

Weitere Energieprojekte

Auf der Pressekonferenz nach der Eröffnung der Gasleitung würdigten Mahmud Ahmadinedschad und Robert Kotscharjan die bilaterale Zusammenarbeit. Die Staatschefs teilten mit, es seien weitere Abkommen im Energiebereich vereinbart worden, darunter der Bau eines großen Wasserkraftwerks am Grenzfluss Araks sowie eine dritte Stromleitung zwischen den Nachbarländern. Dort, wo heute eine Brücke stehe, über die im vergangenen Jahr mehr als 600.000 Tonnen Güter transportiert worden seien, sei noch vor 15 Jahren Stacheldraht gewesen, erklärte unter anderem der armenische Präsident. Ahmadinedschad betonte, er habe mit Kotscharjan über einen breiten Kreis von Fragen gesprochen, darunter über die weitere Zusammenarbeit im Erdöl- und Erdgasbereich, über Wasserressourcen und die Handelsbeziehungen.

Gas gegen Strom

Vorerst wird Armenien anderthalb Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr erhalten. In Zukunft soll die vom Iran gelieferte Menge um fast das Doppelte steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Armenien weitere 197 Kilometer Pipeline verlegen, von der iranisch-armenischen Grenze bis zum Ararat-Tal. Pro Kubikmeter iranischen Erdgases wird Armenien seinen Nachbarn drei Kilowatt Strom liefern. Ein entsprechender Vertrag wurde mit einer Laufzeit von 20 Jahren unterzeichnet.

ArmRosgasprom als Betreiber im Gespräch

Wie offizielle Vertreter der armenischen Delegation mitteilten, ist bisher noch nicht endgültig entschieden, welche Gesellschaft das Recht erhält, die neue Pipeline zu betreiben. Der Chef der Gesellschaft ArmRosgasprom, Karen Karapetjan, der an der Eröffnung der neuen Erdgasleitung teilnahm, bestätigte, dass sein Unternehmen ein entsprechendes Gesuch an die Regierung gerichtet habe, jedoch noch keine Antwort vorliege. Beobachter vor Ort gehen allerdings davon aus, dass ArmRosgasprom den Zuschlag für den Betrieb der Pipeline bekommen wird, denn auch beim Bau der Leitung war das Unternehmen federführend.

Im Notfall überlebenswichtig

Der armenische Politikwissenschaftler Sergej Schakarjanz sagte im Gespräch mit der Deutschen Welle, die Eröffnung der Gasleitung könnte vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Beziehungen zwischen dem Iran und den USA für Armenien gewisse negative Folgen haben. Aber die USA und die EU würden verstehen, dass Armenien von den wichtigsten regionalen Verkehrs- und Kommunikationsnetzen abgeschnitten sei und ohne die neue Pipeline, die eine Alternative zur russischen darstellt, im Notfall die Bevölkerung nicht mit Erdgas und Strom versorgen könnte.

Aschot Gasasjan, Jerewan
DW-RADIO/Russisch, 19.3.2007, Fokus Ost-Südost

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