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Fokus Osteuropa

Armenien: Erdgas-Preiserhöhung in Kraft

Für Armenien gilt seit dem 1. April eine Verdoppelung der Preise für russisches Erdgas. Erwartet werden nun auch höhere Strompreise und Transportkosten sowie Auswirkungen auf die soziale Lage der Bevölkerung.

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Gasprom-Sitz in Moskau: Übergangsregelungen laufen aus

Am 1. April lief der dreimonatige Aufschub ab, den Gasprom Jerewan gewährt hatte. Nun muss Armenien pro 1000 Kubikmeter Erdgas nicht mehr 55, sondern 110 US-Dollar zahlen. Zuvor hatte der Vorsitzende des russisch-armenischen interparlamentarischen Ausschusses für Zusammenarbeit, Waan Owanesjan, davor gewarnt, die Erhöhung der Gaspreise könnte in der armenischen Gesellschaft zu zunehmender anti-russischer Stimmung führen. Die armenische Bevölkerung wird das Erdgas ab dem 10. April nach neuen Tarifen bezahlen müssen. Für die gewöhnlichen Endverbraucher werden die Tarife um 52,5 Prozent angehoben.

Steigende Strompreise?

Für Unternehmen, vor allem des Energiesektors, sollen die Tarife sogar um mehr als 85 Prozent heraufgesetzt werden. Die zuständige armenische Regulierungskommission konnte der Gesellschaft ArmRosgasprom, die als einzige russisches Erdgas nach Armenien liefert, die Preiserhöhung für die Endverbraucher nicht untersagen. Aber ob sie der Preiserhöhung, die für Stromproduzenten gelten soll, zustimmt, ist noch offen.

Die Stromwerke haben unterdessen die Regulierungskommission aufgefordert, die Tarife zu überprüfen. Wegen der Gaspreiserhöhung müssten sie die Stromtarife um fast das Doppelte anheben. Die Aktiengesellschaft „Stromnetz Armeniens“ teilte ihrerseits mit, dass auch sie eine Tariferhöhung für Stromlieferungen an die Endverbraucher beantragen werde, wenn die Kommission beschließen sollte, die Tarife für die Stromproduktion anzuheben.

Höhere Transportkosten

Inzwischen ist bereits eine Preiserhöhung bei Baumaterial und im Transportwesen zu beobachten. Man müsse kein Ökonom sein, um voraussagen zu können, wie sich diese Kettenreaktion auf die soziale Lage der Menschen des Landes auswirken werde, sagte im Gespräch mit der Deutschen Welle der Chefredakteur des wichtigsten Wirtschaftsblatts Armeniens, „Basis“, Aschot Aramjan. Das Finanzministerium müsse zahlreiche grundlegende Änderungen am Staatshaushalt vornehmen, meint er.

Preisverhandlungen dauern an

Die Pressestellen des armenischen Energieministeriums und der Gesellschaft ArmRosgasprom bestätigten, die neuen Tarife seien Realität. Sie erklärten aber gleichzeitig, Gasprom-Vertreter und die armenische Seite würden über den Preis für russisches Erdgas weiter verhandeln. Die armenische Öffentlichkeit stellt sich heute vor allem folgende Frage: Wie sollen die Folgen der Tariferhöhung für die Bevölkerung und die Wirtschaft des Landes gemildert werden?

Aschot Gasasjan, Jerewan

DW-RADIO/Russisch, 1.4.2006, Fokus Ost-Südost