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Fokus Osteuropa

Armenien überarbeitet Bauplan für AKW

Trotz Erdbeben-Gefahr setzt Armenien weiter auf die Atomkraft. Deshalb stellt die Regierung den Ausbau seines Atomkraftwerks nicht grundsätzlich in Frage. Allerdings sollen die Sicherheitssysteme überarbeitet werden.

Atommüllfässer (Foto: dpa)

Atomstrom kommt in Armenien auf einen Anteil von 50 Prozent

Der Bau eines neuen Reaktors im armenischen Atomkraftwerk Mezamor, dem einzigen in der Kaukasus-Region, sollte Ende dieses Jahres beginnen. Aber das Unglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat zu Änderungen im Zeitplan geführt. Nach Angaben der armenischen Atomaufsichtsbehörde sollen die Baupläne nachgebessert werden. Man wolle sich noch stärker auf die Sicherheit des AKW konzentrieren.

Portrait des armenischen Abgeordneten Ara Nranjan (Foto: DW)

Ara Nranjan: Der neue Reaktor wird sicher sein

Eigentlich sollte der Reaktor in fünf bis sechs Jahren ans Netz gehen. Wie lange sich nun die Fertigstellung verzögern wird, weiß niemand. "Auf jeden Fall muss man sich Zeit nehmen, um in Zukunft solche Situationen wie in Japan mit solch schlimmen Folgen auszuschließen", sagte der armenische Parlamentsabgeordnete Ara Nranjan der Deutschen Welle. Nranjan ist Mitglied des Wirtschaftsausschusses. Er ist überzeugt, das neue AKW in Armenien werde viel sicherer sein als das in Fukushima.

Abhängigkeit von Atomstrom

In Mezamor, etwa 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Jerewan, gibt es bereits eine Atomanlage. Sie wurde 1976 in Betrieb genommen. Nach einem verheerenden Erdbeben wurden beide Blöcke des Kraftwerks 1989 vorläufig abgeschaltet. Mezamor-2 wurde nach Modernisierungsmaßnahmen mit russischer Beteiligung 1996 wegen starken Energiemangels in Armenien wieder in Betrieb genommen. Der Reaktorblock Mezamor-1 ist aber bis heute abgeschaltet.

Die Anlage gilt als technisch veraltet. Deshalb hat die Regierung in Jerewan Ende 2009 beschlossen, einen neuen Reaktor zu bauen. Für das Projekt ließ die Regierung eine armenisch-russische Aktiengesellschaft gründen, die das Bauprojekt umsetzen soll. Laut vorläufigen Schätzungen werden sich die Kosten für den Reaktor russischen Typs auf vier bis fünf Milliarden Dollar belaufen. Da Mezamor 50 Prozent des gesamten Strombedarfs des Landes deckt, soll der bestehende Reaktor erst vom Netz genommen werden, wenn der neue in Betrieb geht.

Hohes Erdbeben-Risiko

Landkarte Armeniens (Grafik: DW)

Armenien gilt als stark erdbebengefährdet

Internationale Organisationen und auch die EU fordern aber seit Jahren eine Stillegung der gesamten Anlage, da es in einer stark erdbebengefährdeten Region liegt. Armenische Experten hingegen behaupten, das AKW entspräche allen Sicherheitsanforderungen der Internationalen Atomenergiebehörde. Ein Unglück wie in Fukushima sei in Mezamor wegen der erhöhten Sicherheitsstandards unmöglich, betont die armenische Atomaufsichtsbehörde.

Demnach würden die Reaktoren bereits bei einem Erdbeben der Stärke sechs automatisch abgeschaltet. Auch ein Erdbeben der Stärke sieben würde die Anlage unbeschadet überstehen. Bei einem Erdbeben der Stärke acht könnten zwar gewisse Schäden auftreten, diese würden sich aber nicht auf die Sicherheit des AKW auswirken. Das Sicherheitssystem des neuen Reaktors in Mezamor solle sogar auf ein Erdbeben der Stärke neun ausgerichtet werden. Aschot Martirosjan, Leiter der Atomaufsichtsbehörde sagte, in den vergangenen 18 Jahren seien fast 120 Millionen Dollar in die Sicherheit des AKW investiert worden. Weitere 20 Millionen sollen in den nächsten Jahren ausgegeben werden.

Autor: Aschot Gasasjan / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

Geografische und weitere Informationen über Armenien

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