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Nahost

Armee schießt aus Helikoptern auf Menge

Die syrische Armee geht weiter mit aller Härte gegen Regimegegner vor. Nach einem Medienbericht feuerten Soldaten aus Hubschraubern auf Demonstranten. Die USA wollen eine UN-Resolution gegen Damaskus unterstützen.

Standbild aus einem Amateurvideo: Die Stadt Dschisr al-Schogur ist wie leergefegt (Foto: dapd)

Standbild aus einem Amateurvideo: Die Stadt Dschisr al-Schogur ist wie leergefegt

Unter Berufung auf Augenzeugen berichtete der US-Fernsehsender CNN am Freitag (Ortszeit, 10.06.2011), die syrische Armee schieße in der Stadt Maaret al-Numan im Norden des Landes mit automatischen Waffen aus Helikoptern auf Anhänger der Opposition, die nach den Freitagsgebeten zu Protesten auf die Straße gegangen seien.

Im ganzen Land demonstrierten wieder Tausende Menschen gegen das Regime von Staatspräsident Baschar al-Assad und forderten dessen Rücktritt. Bei dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Oppositionelle wurden am Freitag mindestens 22 Menschen getötet.

Millitäroffensive gegen Regimegegner

Ein Panzer der syrischen Armee (Foto: pa/dpa)

Die syrische Armee geht seit Monaten gehen die Opposition vor, auch mit Panzern

Panzer der syrischen Streitkräfte rückten auch in die nordsyrische Kleinstadt Dschisr al-Schogur an der Grenze zur Türkei ein. Die meisten der 45.000 Bewohner seien vor den Truppen geflohen, berichteten Augenzeugen. Mehr als 3000 Syrer flüchteten in das Nachbarland Türkei.

Anfang der Woche waren in Dschisr al-Schogur nach Angaben staatlicher Medien 120 Soldaten und Polizisten getötet worden. Das Regime machte dafür Extremisten verantwortlich. Regimegegner aus dem Bezirk berichteten jedoch, die Soldaten und Polizisten seien von Angehörigen der Sicherheitskräfte erschossen worden, weil sie den Schießbefehl auf Zivilpersonen verweigert und ihre Uniformen abgelegt hätten.

USA wollen Syrien-Resolution unterstützen

Angesichts des immer brutaleren Vorgehens gegen die syrische Zivilbevölkerung kündigten die USA an, im UN-Sicherheitsrat eine Resolution gegen das Assad-Regime unterstützen zu wollen. In einer Erklärung des Weißen Hauses in Washington wurde der "abscheuliche Einsatz von Gewalt" in Syrien scharf verurteilt. Dies müsse umgehend beendet werden.

In dem Resolutionsentwurf, der von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Portugal in den Weltsicherheitsrat eingebracht worden war, soll die Führung in Damaskus wegen systematischer Menschenrechtsverletzungen bei ihrem Vorgehen gegen Regimekritiker verurteilt werden. Russland und China stellen sich aber weiter gegen das Vorhaben, sie wollen die Resolution notfalls mit einem Veto stoppen. Nach Einschätzung von Diplomaten dürfte der Entwurf nächste Woche zur Abstimmung gebracht werden.

Damaskus warnt UN vor Einmischung

Syriens Präsident Baschar Assad (Foto: pa/dpa)

Assad warnt die UN vor Einmischung in innere Angelegenheiten

Syrien warnte die Vereinten Nationen vor einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. Die Annahme einer kritischen Resolution durch den Sicherheitsrat würde die Situation im Land nur verschärfen, weil dann "Extremisten und Terroristen" ermuntert würden, Syrien weiter zu destabilisieren, schrieb der syrische Außenminister Walid al-Mualam in einem Medien vorliegenden Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Mualam sprach von "mörderischen und zerstörischen Banden", die das Land ins Chaos stürzen wollten.

Der UN-Generalsekretär zeigte sich tief besorgt und betonte, militärische Gewalt gegen Zivilisten sei nicht akzeptabel. Er rief das Regime in Damaskus zu wirklichen Reformen auf. Nach Angaben eines UN-Sprechers hatte Ban vergeblich versucht, mit Assad über die Lage zu beraten. Assad weigere sich, weitere Telefonate mit Ban zu führen. Es habe geheißen, der Präsident sei nicht zu erreichen.

Auch der türkische Präsident Abdullah Gül warnte Damaskus vor weiterer Gewalt gegen Regimekritiker. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan warf der syrischen Führung in ungewöhnlich scharfer Form Gräueltaten an Zivilisten vor.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, rtr, afp, dapd)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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