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Asien

Armee rückt auf Taliban-Hochburg Kotkai vor

Die pakistanische Armee hat ihre Offensive gegen die Taliban in Süd-Waziristan fortgesetzt. Mehr als 100.000 Zivilpersonen sind infolge der Kämpfe auf der Flucht. Die USA sagen der Regierung Finanzhilfe zu.

Ein Laster vollgepackt mit Flüchtlingen und Gepäck (Foto: AP)

Flüchtlinge verlassen die Kampfgebiete in Waziristan

Am Montag (19.10.2009) hat die pakistanische Armee ihre Großoffensive gegen die Taliban in Süd-Waziristan mit Luftangriffen und Gefechten am Boden fortgesetzt. Dabei kamen auch Kampfflugzeuge zum Einsatz, die nach Geheimdienstangaben zahlreiche Stellungen der Taliban zerstört hätten. Insgesamt seien 30.000 Soldaten von drei Seiten in das Gebiet eingedrungen, hieß es.

Militärfahrzeuge mit Soldaten (Foto: AP)

Soldaten der pakistanischen Armee in Wazirstan

Bei der seit Samstag andauernden Offensive sind nach Angaben der pakistanischen Armee inzwischen 78 Taliban-Kämpfer getötet worden sowie neun Soldaten. Der Widerstand der Taliban sei gering gewesen.

Taliban-Sprecher Azam Tariq sagte dagegen, die Armee sei auf heftigen Widerstand gestoßen und der Krieg werde mit der Niederlage der pakistanischen Armee enden. Unabhängige Quellen gibt es nur wenige, da die Armee die Telefonverbindungen unterbrochen hat und die meisten Journalisten das Gebiet verlassen haben.

Einnahme von Taliban-Hochburg angekündigt

Nach Angaben der Armee stehen pakistanische Truppen inzwischen kurz vor der Einnahme von Kotkai. Die Stadt in Süd-Waziristan gilt als Basis des Taliban-Führers Hakimullah Mehsud, der sich dort mit anderen Taliban-Kommandanten aufhalten soll. Die Truppen hätten bereits in den Außenbezirken Stellung bezogen und bereiteten einen Angriff vor.

Mehsud gilt als Chef des Terrornetzwerks Tahreek-e-Taliban (TTP), das Verbindung zu El Kaida unterhält. Die TTP wird hinter einer Serie von Anschlägen vermutet, bei der 2300 Menschen getötet wurden. Angegriffen wurden auch internationale Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

Hunderttausende auf der Flucht

Flüchtlinge stehen in einer langen Schlange (Foto: AP)

Flüchtlinge in Dera Ismail Khan

Infolge der Kämpfe in Süd-Waziristan sind nach Angaben der Armee inzwischen 100.000 Menschen auf der Flucht. Die meisten suchten in den Nachbardistrikten Dera Ismail Khan und Tank Zuflucht. Die pakistanischen Behörden erwarten in den nächsten Tagen 200.000 weitere Flüchtlinge. Premierminister Yousaf Raza Gillani bat die internationale Gemeinschaft um Nothilfe.

Durch die sich ständig ändernde Sicherheitslage ist der direkte Zugang zu den Schutzsuchenden schwierig. Die UN-Hilfsorganisationen haben inzwischen in der Provinz Punjab, unweit von Dera Ismail Khan, eine Versorgungsbasis für die Flüchtlinge eingerichtet.

Weil die pakistanische Armee befürchtet, dass sich bewaffnete Taliban unter die Zivilisten mischen könnten, hat die Armee Kontrollpunkte errichtet. Die Kontrollpunkte erschweren die Flüchtlingsbewegungen zusätzlich, am Montag saßen immer noch 350.000 Zivilpersonen zwischen den Fronten fest.

John Kerry in Islamabad

Die Offensive stand auch im Mittelpunkt von Gesprächen, die US-General David Petraeus und US-Senator John Kerry am Montag in Islamabad mit dem Regierungschef Gillani und dem Stabschef der pakistanischen Armee, Ashfaq Kayani, führten.

Kerry warb in Pakistan für ein umstrittenes milliardenschweres Hilfspaket. Im Gegenzug für die Gelder soll sich Pakistan verpflichten, weiter gegen Aufständische in Süd-Waziristan vorzugehen. Die Grenzprovinz wird auch von den Taliban in Afghanistan als Rückzugsgebiet in ihrem Kampf gegen die US-Armee genutzt.

Autor: Martin Heidelberger (dpa/ap/afp)

Redaktion: Dirk Eckert

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