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Deutschland

Armee der "Zivis"

Auf dem Balkan sind rund 3700 deutsche KFOR-Soldaten als Teil der internationalen Kosovo-Friedenstruppe stationiert. Überwachen, patrouillieren, beobachten - das sind ihre Hauptaufgaben. Nina Werkhäuser hat sie besucht.

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Der Panzer wird nur selten aus dem Hangar geholt

Simon Würtz hämmert in einem Tal im Süden des Kosovo ein neues Hufeisen zurecht. Seine Pferde und er haben den gleichen Arbeitgeber: die Bundeswehr. Simon Würtz ist Soldat bei der KFOR, und die zehn kleinen, zähen Bergpferde schleppen für ihn und seine Kameraden Essen und Geräte hoch auf den verschneiten Pass. Durch diesen Gebirgszug verläuft die Grenze zwischen Kosovo und Mazedonien, unübersichtliches Gelände, in dem die Bundeswehr Gebirgsjäger einsetzt. "Wir überwachen dort die Landesgrenze, um illegale Grenzübertritte zu verhindern und den Schmuggel von Waffen, Drogen und Zigaretten zu unterbinden", sagt Hauptmann Michael Krebs.

Wache schieben und zur Hand gehen

Kosovo

Die Gebirgsjäger der Bundeswehr fahren die Pässe auf Schiern ab. "Die Mehrheit derer, die wir festgenommen haben da oben, waren aus wirtschaftlichen Gründen unterwegs, das heißt, sie waren auf Arbeitssuche in Mazedonien, wollten nach Mazedonien oder kamen aus Mazedonien", erzählt Krebs. "Wir gehen davon aus, dass jetzt mit Wegtauen des Schnees in dem Bereich auch verstärkt wieder Übertritte stattfinden werden und auch Waffen oder ähnliches geschmuggelt werden wird."

Aber die Soldaten patrouillieren nicht nur, sie bauen auch wieder auf oder helfen dabei. Dieser Bereich nennt sich CIMIC, das englische Kürzel für zivil-militärische Zusammenarbeit. Die CIMIC-Bataillone kümmern sich um den Wiederaufbau von Häusern und Infrastruktur, sowohl in Bosnien als auch im Kosovo. Warum sie das tun, erklärt Oberstleutnant Peter Wozniak, einer der Sprecher der KFOR: "Was wir dort einbringen, hilft uns, Kontakte zur Bevölkerung zu schaffen, uns nicht als Besatzer darzustellen, sondern als Leute, die helfen wollen zur Selbsthilfe, zum Aufbau des Landes, zusammen mit der Bevölkerung, die als ein zeitlich begrenzter Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen werden."

Aufbauhilfe schafft Vertrauen

Die "zivile" Form des militärischen Einsatzes wird häufig kritisiert. Diese Arbeit sollte man den Hilfsorganisationen überlassen, die Bundeswehr sei schließlich eine Armee und kein charitativer Verein. Das Gegenargument eines KFOR-

Sicherheitszone Kosovo/Jugoslawien

Generals: "Wer Gutes tut, auf den schießt man nicht". Die KFOR will keine Besatzungsarmee sein, sondern sich Kontakte zur Bevölkerung erschließen. Und außerdem: Ohne Uniform und Autorität funktioniere vieles eben nicht. KFOR-Sprecher Peter Wozniak meint, die deutschen Soldaten seien durchaus für solche Aufgaben ausgebildet. "Wir haben Kompetenz. Wir haben viele Leute im Bereich der Bundeswehr, die von sich aus per se durch ihren militärischen Auftrag und durch ihre Ausbildung qualifiziert sind, solche Dinge entsprechend durchzuführen", sagt er. "Wir haben viele Offiziere, die ein Vollstudium haben, auch im Bereich der Wirtschaft, wir haben aber auch sehr viele Reservisten in den Programmen drin, die von ihrer zivilberuflichen Qualifikation prädestiniert sind, so etwas zu leiten."

Flüchtlinge in Sarajewo

In der Nähe von Sarajevo wird ein im Krieg zerstörtes Haus wieder aufgebaut, eines der vielen CIMIC-Projekte in Bosnien. Die Bauarbeiten erledigen einheimische Handwerker, aber SFOR-Soldaten koordinieren die Auftragsvergabe und die Verteilung des Geldes. Auch im Kosovo suchen CIMIC-Soldaten nach Geldgebern, um Häuser für Rückkehrer wieder herzurichten und sichern dann die Baustellen. "Wir müssen einfach vieles anschieben", sagt ein deutscher General im Kosovo. Aber das langfristige Ziel dabei sei, dass die KFOR am Ende nicht mehr gebraucht werde.

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