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Sprachbar

Arm dran

Reich ist, wer viel Geld hat, arm, wer keines oder sehr wenig hat. Aber nicht nur das: arm sein hat viel mehr Facetten. Zur Definition genügt die finanzielle Messlatte allein nicht – außer vielleicht beim "Armen Ritter".

Wie ein Häuflein Elend sitzt sie am Küchentisch und heult seit Stunden. Meine Freundin Leonie ist wirklich bedauernswert, denn die Ärmste hat einfach kein Glück mit den Männern. Das arme Ding kann einem echt Leid tun.Doch wie soll ich da jetzt Trost spenden?

Von armen Hascherln und armen Würstchen

Eine Frau tröstet eine andere, weinende Frau

"Armes Hascherl!"

„Du armes Hascherl!“ versuche ich Leonie mit dem üblichen Spruch für Leute, für die man Mitleid empfindet, aufzuheitern. Als ich klein war, wirkte dieser Satz aus dem Mund meiner Großmutter wie ein Wunderheilmittel gegen sämtliche Wehwehchen. Bei Leonie scheine ich keinen großen Erfolg zu haben.

Gleichbedeutend mit dem aus dem südostdeutschen Sprachraum stammenden armen Hascherl, das vorwiegend für Frauen und Kinder verwendet wird, sind übrigens der arme Kerl, der arme Tropf, der arme Teufel und sogardas arme Schwein. Sie alle bezeichnen Personen, die in irgendeiner Weise bemitleidenswert – arm dransind. Wesentlich schlechter kommt das arme Würstchen weg. Es wird nicht ernst genommen, gilt gar als unbedeutend.

Herkunft und Bedeutung von arm

Titelfoto des Le petit Journal mit einer Dorfszene aus China während einer Hungersnot.

Wahrlich ärmliche Verhältnisse...

Bislang haben wir das Adjektiv arm im Kontext einer mentalen Verfassung kennengelernt. Ganz zu Recht, denn das ihm zugrunde liegende germanische arma bedeutet in der Tat „vereinsamt, verlassen, unglücklich“. Aus dem Adjektiv arm – mit der Steigerung ärmer, am ärmsten – leitet sich das Nomen Armut ab, das wiederum als Grundlage für zahlreiche zusammengesetzte Substantive fungiert.

Definiert wird Armut hauptsächlich als Mangel an lebenswichtigen Gütern wie Nahrung, Kleidung und Behausung. Jemand ist also arm an materiellen Dingen. Im metaphorischen, übertragenen Sinne kann damit aber gleichwohl ein allgemeiner Mangel ausgedrückt werden, etwa an Emotionen. Geläufig sind zudem auch die Modifikationen ärmlich und armselig sowie die Präfixableitung verarmt.

Armseliger Stümper und die Ärmsten der Armen

Ein Slum am Wasser in Manila

Die Ärmsten der Armen drängen sich in Armenvierteln

„Was für ein armseliger Stümper!“ stößt Leonie plötzlich laut aus und meint damit Alexander, der ihr durch sein erbärmliches Verhalten den ganzen Kummer beschert hat. Schluss machen per SMS zeugt wirklich von stillosem, dürftigem, kümmerlichem, unfähigem, stümperhaftem Benehmen. Damit hat Alexander bewiesen, dass er nichts taugt, dass er sich die Blöße seines geistigen Unvermögens gegeben und sich somit selbst ein Armutszeugnis ausgestellt hat.

Ein Armutszeugnis wird auch mancher Regierung ausgestellt, die wenig gegen die materielle Armut in ihrem Land unternimmt, die der Armutsbekämpfung nicht den richtigen Platz einräumt. Weltweit leben fast ein Drittel aller Stadtbewohner in ärmlichen Verhältnissen in Armenvierteln, auch Slums genannt. Auf dem Land ist es oft nicht besser. Dort liefern nährstoffarme Bödenoftmals ertragsarme Ernten.Dazu kommen die Folgen von Globalisierung und Klimawandel, Bevölkerungswachstum und bewaffneten Konflikten, die die Ärmsten der Armen, also diejenigen, die außer ihrem eigenen Leben kaum mehr etwas haben, auch um dieses Leben noch kämpfen lässt.

Armutsgrenze, Kinder- und Altersarmut

Zwei Kinder laufen Hand in Hand über Geröll

Gemeinsam auf der Suche nach etwas Essbarem

Wer unterhalb der Armutsgrenze – in absoluter Armut lebt –, hat die Weltbank offiziell festgelegt: nämlich, wer mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auskommen muss. Diese Menschen sind ständig vom Hungertod bedroht. Sie sind bettelarmbeziehungsweise bitterarm, wobei beide Adjektive klar machen, worum es geht: In bettelarm steckt das Wort Bettler, in bitterarm das Wort bitter.

Aber Armut ist schon lange kein Phänomen der sogenannten Dritten Welt mehr. Auch einer reichen Industrienation wie Deutschland kann – vor allem in Zeiten der Krise – die Verarmung drohen. In Sachen Kinderarmut etwa schneidet die Bundesrepublik schlechter ab, als viele ihrer Nachbarländer. Und auch die Zeiten, in denen Rentner ihren wohlverdienten Ruhestand genießen konnten, sind längst vorbei. Denn viele von ihnen sind gezwungen, sich mit Minijobs über Wasser zu halten, um der Altersarmut zu entgehen.

Freiwillig gewählte Armut

Bettler und reiche Frau mit Einkaufstaschen

"Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr..."

Bei so viel Armut in der Welt freiwillig auf Wohlstand verzichten? Verrückt, wer so etwas macht, möchte man meinen. Aber ein Leben in freiwilliger Armut gibt es. In religiösen und philosophischen Kontexten gilt es als besonders tugendhaft.

Man denke nur an Jesus Christus und das Gleichnis vom Nadelöhr, in dem Armut„als zwingende Heilsvoraussetzung“ interpretiert wird. Im Neuen Testament sagt Jesus: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Auch Franz von Assisi tat es Jesus gleich und trat einem Bettelorden bei. Seither lebte er sprichwörtlich so arm wie eine Kirchenmaus. Die Redewendung geht darauf zurück, dass es in Kirchen bekanntlich keine Speisekammern gibt und Kirchenmäuse daher ein sehr ärmliches Dasein führen.

Armer Ritter

Doch wie geht es eigentlich der armen Leonie? Sie sieht immer noch schlecht aus, ist ganz blass um die Nase, kreideweiß, schier blutarm. Mein letzter Versuch, sie auf andere Gedanken zu bringen: Armer Ritter. Nein, nicht schon wieder ein neuer Kerl! Ganz harmlos! Der „Arme Ritter“ ist eigentlich ein sogenanntes Arme- Leute-Essen, etwas das leicht zuzubereiten ist und wenig Geld kostet, dafür aber sehr lecker schmeckt. Es handelt sich um eine in Milch eingeweichte Weißbrotscheibe, die in Butter ausgebraten wird. Gewisse Gefahren lauern da höchstens für die schlanke Linie, denn der goldbraune Ehrenmann ist weder kalorienarm, noch fettarm und badet obendrein am liebsten in dicker Vanillesoße. Aber das spielt jetzt wirklich keine Rolle. Der „Arme Ritter“ zaubert endlich wieder ein bisschen Freude in Leonies Gesicht.






Fragen zum Text

Der Bezeichnung armes Hascherl entspricht nicht die Bezeichnung …
1. armer Beutel.
2. armer Tropf.
3. armer Teufel.

Diese Region ist arm … Rohstoffen.
1. von
2. auf
3. an

Jemand, der materiell sehr arm ist, ist nicht …
1. bitterarm.
2. arm, wie eine Kirchemaus.
3. nährstoffarm.


Arbeitsauftrag
Suche dir eine der beiden Fragestellungen aus und verfasse dazu einen Text von maximal zwei DINA4-Seiten. Begründe deine Meinung ausführlich. Diskutiere sie anschließend mit deinen Freunden, deinen Eltern oder deiner Lerngruppe.

1. Kennst du in deinem Bekannten-, oder Freundeskreis ein „armes Schwein“, einen „armen Tropf“, ein „armes Hascherl“, einen „armen Teufel“ oder jemanden, der „arm dran“ ist? Warum ist diese Person deiner Meinung nach so? Was hat zu ihrem Zustand geführt?

2. Gibt es in deinem Land viele Menschen, die in großer Armut leben, vielleicht sogar unterhalb der Armutsgrenze? Was tut deine Regierung dafür, dass es ihnen besser geht? Welche Maßnahmen zur Armutsbekämpfung würdest du ergreifen?

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