1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Arktischer Rat bespricht Klimawandel

11. Mai 2017

Die Erderwärmung schlägt in der Arktis viel härter zu, als das in gemäßigten Klimabereichen derzeit vorstellbar ist. Über Möglichkeiten, das einzudämmen, beraten die acht Staaten des Arktischen Rates in Alaska.

https://p.dw.com/p/2coKk
Spitzbergen - Arktisches Eis
Wissenschaftler vor dem Kongsfjord-Gletscher auf der Insel Spitzbergen im Arktischen OzeanBild: picture alliance/dpa/J. Büttner

Während die Welt im Kampf gegen den Klimawandel um die Einhaltung des sogenannten Zwei-Grad-Zieles kämpft, ist in der Arktis die Temperatur bereits deutlich stärker geklettert. Im Januar 2017 haben die Forscher einen Anstieg von fünf Grad im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 128 Jahre gemessen.

Hoffen auf Trump

Die vom Klimawandel hart getroffenen Menschen in der Arktis-Region hoffen auf eine kontinuierliche Klimapolitik der USA. Der Kampf gegen den Klimawandel müsse auch eine Priorität in der Administration von Präsident Donald Trump bleiben, forderten Klimaschützer vor Beginn des Ministertreffens des Arktischen Rates in Fairbanks im US-Bundesstaat Alaska. Ob ihre Hoffnung eine realistische Chance auf Verwirklichung hat, ist fraglich. Die USA überlegen, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das fast 200 Länder mittragen, auszusteigen. Zudem hat sich Trump vor kurzem für eine Ausweitung der Ölförderung in der Arktis ausgesprochen.

Arktis - Eisbär schwimmt
Das Wasser steht den Eisbären im wahrsten Sinne des Wortes bis zum HalsBild: picture-alliance/dpa/H. Bäsemann

Lebensgrundlage zerstört

Die indigenen Völker rund um den Nordpol befürchten die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage. Seit Tausenden Jahren ernähren sie sich von dem, was die Natur und vor allem das Meer ihnen bietet. Diese alte Verbindung zwischen Mensch und Natur drohe zu zerbrechen, warnen Vertreter der Indigenen. Der Klimawandel bringe die natürlichen Abläufe durcheinander. Der schwindende Permafrost lässt etwa über Jahrhunderte im Eis eingeschlossene Bakterien ins Meerwasser und damit in die Nahrungskette geraten. Die Folge sind Krankheiten. Die Jagd ist vielerorts nicht mehr möglich, weil Jäger und Gejagte ins dünne Meereis einbrechen. Lebensmittel müssen vielfach mühsam und teuer mit Flugzeugen zu den Menschen gebracht werden.

Nordpolarregion 2030 im Sommer eisfrei

In der Region nördlich des Polarkreises lag laut Berechnungen von Experten die Durchschnittstemperatur im Januar 2017 um fünf Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010. Mehrere Studien haben belegt, dass das Eis der Arktis schneller schmilzt als zunächst befürchtet. Schon 2030 könnte die Nordpolarregion im Sommer eisfrei sein.

Zu den Achter-Außenministerberatungen reisten auch US-Außenminister Rex Tillerson und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow nach Fairbanks. Der Arktische Rat ist das einzige multilaterale Gremium, das sich ausschließlich mit der Arktis befasst. Ihm gehören die Anrainerstaaten USA, Kanada, Russland, Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island an. Die Außenminister treffen sich alle zwei Jahre. Die Beschlüsse des politischen Gremiums sind jedoch nicht rechtsverbindlich. Deutschland gehört zu den zwölf ständigen Beobachterstaaten.

Deutschlands Grüne warnen

Sie forderten mehr Engagement für die Arktis. Auch die Bundesregierung müsse für ein vorläufiges Verbot der Rohstoffförderung in Schutzzonen der Arktis werben und ihre Anstrengungen im Klimaschutz verstärken, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter anlässlich des Treffens in Fairbanks. "Das ist ein ökologisches Desaster und geht uns alle an: Ein steigender Meeresspiegel wäre auch für uns bedrohlich."

Eisfläche nimmt dramatisch ab

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hat die Bundesregierung alarmierende Fakten zur Arktis zusammengetragen. So ist etwa die Fläche des Meereises innerhalb der vergangenen 20 Jahre um 1,21 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen - das ist mehr als dreimal die Fläche von Deutschland. Der Anteil von mindestens vier Jahre altem und damit dickerem und stabilerem Eis ist seit 1985 von 16 auf 1,2 Prozent gesunken, der Anteil des dünneren, fragileren einjährigen Meereises dagegen von 55 auf 78 Prozent gestiegen.

qu/uh (dpa, rtr, APE)