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Fußball

Arjen Robben: Tulpen-Torero mit Killerinstinkt

Er ist einer der Stars von Bondscoach Bert van Marwijk in den Niederlanden und spielt seit 2009 für Bayern München: Arjen Robben. Rasante Dribblings und seine Torgefährlichkeit machen ihn nicht selten zum Matchwinner.

Arjen Robben freut sich über ein Tor (Foto: AP)

Arjen Robben will auch bei der WM jubeln

"Rechts an der Außenlinie Robben, Robben vorbei an zwei. Jetzt könnte er reingehen in den 16-Meter-Raum!" Auch der Radio-Reporter gerät angesichts der spektakulären Aktion schier aus dem Häuschen: "Da ist Robben, immer noch Robben. Robben schießt - Tooooooor!!!“ Wenn ihr Oranje-Import im heimischen Stadion so unnachahmlich trifft, pflegen die Münchner Bayern mit dem Lied "Tulpen aus Amsterdam" über Lautsprecher zu gratulieren. Doch diesmal überwog lähmendes Entsetzen – denn es lief die Verlängerung in der Arena "Auf Schalke“, als Arjen Robben im Halbfinale des DFB-Pokals einmal mehr den Unterschied ausmachte.

"Das macht Spaß, wenn die Bälle rein gehen, aber das ist nicht das Wichtigste. Natürlich hab' ich das Tor gemacht, aber ich denke, wir haben wie eine Mannschaft gespielt", gibt sich der Schütze zum entscheidenden 1:0 gewohnt bescheiden. "Alle haben sehr gut gespielt, wir haben gekämpft. Das war das Wichtigste.“ Doch Kampf alleine taugt wenig gegen einen erst 26jährigen Flügel-Flitzer mit schütterem Haar, dessen Qualitäten auch Gegenspielern Respekt abnötigen. "Er zieht zwei Männer auf sich und er ist sehr schwer zu halten, wenn er am Ball ist", erklärt Schalkes Nationalspieler Heiko Westermann. "Bei meiner Grätsche habe ich alles riskiert, aber in dem Moment war ich vielleicht eine halbe Sekunde zu langsam.“

Pfeilschneller Hosen-Träger

Arjen Robben trägt gern lange graue Unterhosen (Foto: AP)

Das Beinkleid des Herrn Robben

Ein Schicksal, dass seine Bewacher teilen seit Robbens Jugendtagen in Bedum, in der Provinz Groningen gelegen: Pfeilschnell, beidfüssig und mit einer brillanten Schusstechnik gesegnet – von daher auf der linken wie rechten Angriffsseite und im Mittelfeld einsetzbar. Mit Eindhoven in den Niederlanden, bei Chelsea in England und Real Madrid in Spanien sammelte Robben bereits nationale Titel in drei Ländern, bevor er im letzten August für 25 Millionen Euro zu den Bayern stieß. Wobei die traditionell hektische Einkaufspolitik der "Königlichen" aus Madrid, die für ein Überangebot an Starstürmern gesorgt hatte, den Wechsel wohl erst möglich machte.

"Bei Arjen wissen wir ja, dass er ein Weltklassespieler ist. Und er kann in jeder Phase eines Spiels oder jeder Sekunde ein Spiel entscheiden", preist Münchens Präsident Uli Hoeneß einen in jeder Hinsicht lukrativen Deal. "Und wir sind sehr glücklich, dass wir ihn haben.“ Der Hochgelobte bestritt bereits mit 19 Jahren sein erstes A-Länderspiel für die Niederlande, rund 50 sind es bis zur WM geworden. Und auch in der Bundesliga legte Robben gleich einen Blitzstart hin: Schon bei der Premiere für die Bayern gegen Wolfsburg warf der eingewechselte Star mit zwei Treffern die Tormaschine an.

Im Winter sorgten dann auch seine langen hellgrauen Unterhosen zunächst für Gesprächsstoff. "Die sind sicher nicht so schön, aber für mich sind sie wichtig", kommentierte Robben amüsiert. "Die ersten drei Spiele haben sie mir auch ein bisschen Glück gebracht!" Da wollte auch Bayern-Trainer Louis van Gaal gleich zeigen, dass er Spaß versteht: "Er wird jetzt sicher eine rote Unterhose bekommen. Und ich glaube, dass das für ihn nichts ausmachen wird.“ Wobei der Münchner Coach damit lediglich den strengen DFB-Regeln entsprach, die eine farbliche Anpassung der Beinkleider ans jeweilige Trikot vorschreiben.

Turbo-Dribbler will kein Freiwild sein

Der deutsche Meister Robben hofft auf WM-Tore für die Niederlande (Foto: AP)

Robben - Garant für besonders schöne Tore

Derweil glänzt sein Landsmann auch bei ruhenden Bällen als Vorbereiter und Vollstrecker: Freistöße oder Elfmeter, die er eiskalt zu verwandeln pflegt, zählen ebenfalls zum Standard-Repertoire des Arjen Robben. Stoppen kann ihn offenbar nur seine Verletzungsanfälligkeit, die etwa in der ersten Saison bei Chelsea 2004/2005 für eine längere Zwangspause sorgte. Manchmal sind die Tritte überforderter Bewacher auch eher unbeabsichtigt - entsprechend gereizt reagierte der Turbo-Dribbler allerdings, als ihn Kollege Philipp Lahm beim Trainingsspielchen von hinten umgrätschte. Erst Stunden später machte er wieder gute Miene zum bösen Spiel: "Bei 'Fünf gegen Fünf' gibt es immer viel Körperkontakt, aber das war gar nichts! Später habe ich ihn umarmt, denn wir sind Kollegen und Freunde hier und müssen alles zusammen machen.“

"Was mein Mund nicht sagen kann, sagen Tulpen aus Amsterdam", heißt es schließlich auch beim schon erwähnten Liedgut aus seiner Heimat. Doch Arjen Robben hat erst jüngst bewiesen, dass er nicht nur durch die Blume zu uns spricht. Als sich halb Fußball-Deutschland über den Platzverweis gegen Franck Ribéry im ersten Champions-League-Halbfinale gegen Lyon mokierte, hatte er den Mut zur Widerrede: "Die Entscheidung geht in Ordnung. Franck und ich werden auch oft genug gefoult. Da bist Du froh, wenn der Schiedsrichter Dich beschützt!"

Autor: Lutz Kulling
Redaktion: Joachim Falkenhagen

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