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Politik

Argentiniens First Lady zieht siegesgewiss in die Präsidentenwahl

Die Frau des argentinischen Präsidenten könnte bald dessen Nachfolgerin werden. Laut Umfragen liegt sie in der Wählergunst vorn. Nur die Inflation und ihre Siegesgewissheit könnten ihr am Wahltag noch im Weg stehen.

Christina Kirchner beim Bad in der Menge (Quelle: AP)

Argentinischer Wahlkampf: Christina Kirchner badet in der Menge

Als sich Argentiniens First Lady Cristina Kirchner am 11. September in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel traf, ließ sie kaum Zweifel daran, dass es sich schon um eine Art vorgezogenen Staatsbesuch handelte. Meinungsforschungsinstitute geben der neuen "Evita" und ihrer Einschätzung zwar Recht, denn Umfragen sahen die Frau des peronistischen Amtsinhabers Nestor Kirchner wenige Tage vor der Präsidentenwahl am 28. Oktober bei 43 Prozent der Wälerstimmen. Aber die Stimmung hat sich angesichts von Korruptionsaffären, anziehender Inflation und einer gewissen Arroganz der Macht zuletzt verschlechtert.


Die zersplitterte Opposition ist allerdings nicht in der Lage, aus den Schwächen der Favoritin Kapital zu schlagen. 13 Kandidaten treten gegen sie an, aber selbst die stärksten unter ihnen liegen in jüngsten Umfragen weit hinter Kirchner. In einer Umfrage vom Donnerstag entfielen auf Kirchners schärfste Konkurrentin, die Mitte-links-Kandidatin Elisa Carrio, 23 Prozent. Der frühere Wirtschaftsminister Roberto Lavagna kam mit 16 Prozent auf Platz drei.

Keine Schonzeit für "Königin Christina"


Christina Kirchner mit Parasol im Konfettiregen (Quelle: AP)

Königin Christina - zu siegesgewiss?

Dennoch hält sich die Freude vieler der 40 Millionen Argentinier über die wohl erste gewählte Staatschefin ihres Landes in Grenzen. Zu siegessicher tritt die meist stark geschminkte Senatorin auf. "Königin Cristina" wird sie deshalb schon genannt. Die Macht des Staatsapparates hinter ihrer Kandidatur, die wirtschaftlichen Erfolge ihres Mannes und die Schwäche der Herausforderer lassen einen wirklichen Wahlkampf überflüssig erscheinen. Journalisten werden mit vorgefertigten Erklärungen abgespeist, Interviews oder Pressekonferenzen gibt es bei ihr ebenso wenig wie bei ihrem Mann.


Unterdessen gibt es erhebliche Zeifel, ob die Kandidatin die zersplitterten Peronisten und zugleich das notorisch krisenanfällige argentinische Staatsschiff wird auf Kurs halten können. "Nestor hinterlässt seiner Frau ein Bündel schwerer Probleme, und ich bin mir überhaupt nicht sicher, dass sie damit fertig werden wird", warnt etwa der Journalist Jorge Lanata. Die sonst bei Amtsneulingen beliebte Ausrede mit dem "schweren Erbe der Vorgängerregierung" wird Frau Kirchner verschlossen bleiben, und eine Schonzeit wird es auch nicht geben.

Inflation als große Herausforderung


Nahaufnahme eines gestikulierenden Mannes (Quelle: AP)

Ehemann und amtierender Präsident Nestor Kirchner ist populär

Beobachter überraschte, dass der populäre Nestor Kirchner seiner Frau den Vortritt ließ – er hätte erneut antreten dürfen. Nach der massiven Krise 2001/2002 kam er 2003 ins Amt, hob die staatlichen Pensionen an und brachte Prozesse wegen Verbrechen während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 voran. Fernandez, die ihren Aufstieg von der patagonischen Provinz aus stets im Tandem mit dem Präsidenten schaffte, kündigte für den Fall ihres Wahlsieges die Stärkung demokratischer Institutionen an, darunter Gerichte, der Kongress und Regulierungsbehörden.

Zuletzt brachte sie auch eine Sozialpartnerschaft zur Senkung der Inflation ins Spiel: Konzerne sollten sich auf eine Beschränkung ihrer Gewinne verständigen und Arbeitnehmervertreter bei den Löhnen Zugeständnisse machen, um die galoppierende Teuerung einzudämmen.

Die Teuerungsrate wird dieses Jahr wohl nur nach den offiziellen Angaben des Statistikamtes unter zehn Prozent bleiben. Unabhängige Analysten sehen die Inflation zwischen 15 und 25 Prozent. Für die Argentinier, die in den 80er Jahren leidvolle Erfahrungen mit der Hyperinflation machten, ist dies Grund für tiefe Besorgnis. (rri)

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