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Amerika

Argentiniens First Lady wird Präsidentin

Ihr Sieg war erwartet worden: In Argentinien löst die Präsidentengattin Cristina Fernández de Kirchner demnächst ihren Mann ab. Im ersten Wahlgang ist sie zur neuen Präsidentin des Landes gewählt worden.

Cristina Kirchner zeigt das Victory-Zeichen auf ihrer Wahlparty am Sonntag (Quelle: AP)

Grund zu feiern: Die Cristina Kirchner übernimmt bald die Macht von ihrem Mann

Die Ehefrau des amtierenden Präsidenten Néstor Kirchner und Kandidatin der peronistischen Regierungspartei hat bei der Wahl am Sonntag (28.10.2007) knapp 44 Prozent der Stimmen erhalten. "Wir haben deutlich gewonnen", sagte sie bei ihrem ersten Auftritt nach der Wahl. Abgeschlagen auf Platz zwei landete die Mitte-Links-Kandidatin Elisa Carrió mit knapp 22 Prozent. Auf Platz drei kam nach dem vorläufigen Ergebnis der frühere Wirtschaftsminister Roberto Lavagna mit rund 19 Prozent. Die First Lady und Senatorin der Provinz Buenos Aires war als klare Favoritin ins Rennen gegangen. Bei einem Stimmenanteil von über 40 Prozent und einem Abstand von zehn Prozent zum Zweitplatzierten ist eine Stichwahl nicht erforderlich.

Nicht die erste Präsidentin

Stimmzettel in einem Wahllokal südlich von Buenos Aires am Sonntag (Quelle: AP)

Die Präsidentengattin hatte bei der Wahl die besten Chancen

Die 54-jährige Cristina Kirchner ist die erste gewählte Präsidentin Argentiniens und weltweit die erste Frau, die ihrem Mann durch demokratische Wahlen im Amt nach folgt. Die erste Frau im argentinischen Präsidentenamt ist sie allerdings nicht: Nach dem Tod von Juan Domingo Perón 1974 war seine Witwe Isabel als Staatschefin vereidigt worden. Zwei Jahre später wurde sie allerdings vom Militär gestürzt.

Cristina Kirchner übernimmt das Präsidentenamt am 10. Dezember von ihren Ehemann. Sie hatte bereits vor der Wahl angekündigt, die Politik ihres Mannes fortsetzen zu wollen. In Argentinien wächst die Wirtschaft seit Kirchners Amtsantritt im Mai 2003 regelmäßig um rund neun Prozent. Die Arbeitslosenquote sank nach offiziellen Angaben in den vergangenen vier Jahren von 25 Prozent auf knapp unter neun Prozent. Der Anteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze ging von rund 45 Prozent auf knapp ein Viertel zurück.

A woman walks by a campaign billboard for Argentina's presidential candidate and first lady Cristina Fernandez de Kirchner in Buenos Aires, Saturday, Oct. 27, 2007. Fernandez is projected by most pollsters to win without a second round in tomorrow's presidential elections. (AP Photo/Marcelo Hernandez)

Zwar profitierte Kirchner im Wahlkampf vom Amt ihres Mannes - doch bei ihren Gegnern ist sie selbst gefürchtet

Die zersplitterte Opposition betonte im Wahlkampf, die wirtschaftliche Erholung Argentiniens sei vor allem mit einer günstigen Konjunktur der Weltwirtschaft zu erklären. Die alten Leiden der Abhängigkeit des Landes von Rohstoffexporten, der Vetternwirtschaft und Korruption, der schwerfälligen Verwaltung und der Rechtsunsicherheit hätten sich unter Kirchner nur noch verschärft.

Scharfzüngig und aufbrausend

Kirchner profitierte zwar von den wirtschaftspolitischen Erfolgen ihres Mannes und vom Einsatz des Staatsapparates für ihren Wahlkampf. Jedoch gilt sie selbst als erfahrene Politikerin, zudem wird ihr ein unbedingter Wille zur Macht nachgesagt. Bei ihren politischen Gegnern und auch bei Mitarbeitern ist sie wegen ihrer Scharfzüngigkeit und ihrer manchmal aufbrausenden Art gefürchtet. Als ihre Hauptaufgaben bezeichnete Kirchner die Festigung der Demokratie, weiteres Wirtschaftswachstum und die Überwindung der krassen sozialen Unterschiede.

Neben der Präsidentschaftswahl stimmte die Bevölkerung auch über 130 Mandate im Abgeordnetenhaus und ein Drittel der Senatssitze ab. Nach dem vorläufigen Ergebnis konnten Kirchners Peronisten ihre bereits bestehende Mehrheit in beiden Häusern ausbauen und 16 der 24 Senatssitze für sich entscheiden. Alle zwei Jahre werden ein Drittel der 72 Senatorenposten und die Hälfte der Abgeordneten neu gewählt. In acht Provinzen standen zudem die Gouverneure zur Wahl. In der wichtigsten und bevölkerungsreichsten Provinz Buenos Aires gewann der noch amtierende Vizepräsident Daniel Scioli die Wahl zum Gouverneur

Warten an den Urnen

Landesweit waren 27 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. In dem südamerikanischen Land herrscht Wahlpflicht. Die Opposition beklagte jedoch zahlreiche Unregelmäßigkeiten während des Urnenganges. So waren viele Wahllokale verspätet geöffnet worden und in einigen Wahllokalen fehlten die Stimmzettel für die Kandidaten der Opposition. Wegen der langen Wartezeiten mussten in der Hauptstadt kurzfristig die Öffnungszeiten der Wahllokale um eine Stunde verlängert werden. (mg)

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