1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Argentinien und der IWF einigen sich

Argentinien hat die Notbremse gezogen und erstmals seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht bezahlt. Die Einigung mit dem IWF folgte auf den Fuß. Den Zeitgewinn kann Präsident Kirchner brauchen.

default

Absturz in die Armut: Straßenszene in Buenos Aires

Der argentinische Präsident Nestor Kirchner hat am Mittwochabend (10. September 2003) eine Einigung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über seine Schuldenzahlung erzielt. Zumindest in Grundzügen habe man ein Umschuldungsprogramm in Höhe von 21 Milliarden Dollar für die kommenden drei Jahre festgelegt, sagte Kirchner. Erst tags zuvor hatte Argentinien die Tilgung von 2,9 Milliarden Dollar Schulden beim IWF verstreichen lassen. Hätte Argentinien die fällige Summe an den IWF nach Washington überwiesen, so das Argument der argentinischen Regierung, hätte das fast ein Viertel der Devisenreserven des Landes aufgefressen. Damit befand sich Argentinien zum ersten Mal auch gegenüber dem IWF in Zahlungsverzug.

Schulden werden nun doch gezahlt

Von der Gesamtsumme der Vereinbarung entfallen etwa 12,5 Milliarden Dollar auf den IWF und der Rest auf die Weltbank, die Interamerikanische Entwicklungsbank und die im Club von Paris organisierten öffentlichen Gläubiger. Das Land hat insgesamt 103 Milliarden Dollar an öffentlichen Schulden. Die Ausstände bei privaten Gläubigern von knapp 80 Milliarden Dollar werden bereits seit Anfang 2002 nicht mehr zurückgezahlt. Der IWF äußerte sich zu der von Kirchner bekannt gegebenen Einigung zunächst nicht. Kirchner hatte sich bislang vor allem geweigert, einen Zeitplan für vom IWF geforderte Preissteigerungen im Bereich der öffentlichen Versorgung festzulegen. Nun soll Argentinien die ausstehenden knapp drei Milliarden Dollar Schulden in den kommenden zwei Wochen an den IWF zahlen, erst danach setzt das neu ausgehandelte Abkommen ein.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise vor mehr als zwei Jahren wird das einstmals reichste Land Lateinamerikas von einer heftigen Wirtschaftskrise geschüttelt. Arbeitslosigkeit und die drastische Abwertung der Landeswährung hat breite Teile der Bevölkerung, auch den Mittelstand, nahezu ruiniert. 60 Prozent der Bevölkerung leben derzeit unterhalb der Armutsgrenze.

Argentinien spielt keine große Rolle

An den weltweiten Kapitalmärkten spielen die Schuldenprobleme Argentiniens aktuell jedoch keine Rolle. "Im Moment interessiert den Devisenhandel viel mehr das Haushaltsdefizit der USA und die steigende Verschuldung wegen des Irakkriegs', erklärt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf. "Problematisch könnte es werden, wenn die Probleme sich auf andere Ländern Lateinamerikas ausdehnen, das würde die Märkte sicher nicht kalt lassen", fügt er hinzu.

Schätzungen der Weltbank zufolge sollen die argentinischen Auslandsschulden in diesem Jahr auf mehr als 175 Milliarden Dollar steigen. Nach einem deutlichen Einbruch im vergangenen Jahr rechnet der frühere IWF-Chefökonom Michael Mussa aber mit einem Anstieg der argentinischen Wirtschaftskraft um jeweils rund fünf Prozent in diesem und im kommenden Jahr. Das käme Präsident Kirchner natürlich gelegen. Die Vereinbarung mit dem IWF hängt vor allem von seinem wirtschaftlichen Erfolg ab. Doch nun hat Kirchner erstmal Zeit bekommen. (tko/kap)

Die Redaktion empfiehlt