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Amerika

Argentinien trauert um Nestor Kirchner

Der ehemalige Präsident (2003 - 2007) war am Mittwoch morgen nach einem Herzinfarkt gestorben. Unter Kirchner hatte sich Argentinien von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2001 nachhaltig erholt.

Menschen in Buenos Aires halten ein Plakat mit einem Foto des verstorbenen Ex-Präsidenten Nestor Kirchner und seiner Frau, der jetzigen Präsidentin Cristina Fernandez (Foto: DW/V. Eglau)

Applaus für einen Toten – am Mittwochabend im Zentrum von Buenos Aires. Eine riesige Menschenmenge kam dort zusammen, um Nestor Kirchner zu würdigen: den argentinischen Expräsidenten und Chef der Peronistischen Partei, der am Morgen an seinem Wohnort El Calafate einem Herzinfarkt erlegen war.

Ex-Präsident Kirchner ist am Mittwoch morgen an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben (Foto: AP)

Ex-Präsident Kirchner ist am Mittwoch morgen an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben

Die Trauerkundgebung auf der Plaza de Mayo vor dem Regierungsgebäude geriet zur politischen Demonstration. Einige versammelten sich spontan, andere als Mitglieder von peronistischen Partei-Organisationen. Nestor Kirchner sei ein sehr guter Präsident gewesen, so Guillermo, 37 Jahre alt. "Ich bin gekommen, um Nestor Kirchner Respekt zu erweisen. Er war seinen Ideen treu, und hatte die Kraft, politische Hindernisse zu überwinden. Ich fand gut, dass er als Präsident die Lohnverhandlungen zwischen Beschäftigten und Unternehmensleitungen wieder eingeführt hat, und dass er die Weichen dafür gestellt hat, Diktaturverbrecher hinter Gitter zu bringen."

Schmerzlicher Verlust für Argentinien

Mit Nestor Kirchners plötzlichem Tod im Alter von sechzig Jahren ist der mächtigste und wohl auch umstrittenste Mann von der politischen Bühne Argentiniens verschwunden. Und die amtierende Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hat ihren langjährigen Ehemann und politischen Weggefährten verloren. Beide hatten sich Anfang der siebziger Jahre als Jura-Studenten an der Universität von La Plata kennengelernt. "Als ich vom Tode Nestor Kirchners hörte, habe ich zuerst an den Schmerz seiner Frau Cristina gedacht, die nicht nur ihre persönliche Trauer bewältigen, sondern auch die Regierung führen muss. Das ist ein sehr schwerer Moment für die Präsidentin", glaubt Hector, Besitzer eines Zeitungskiosks in Buenos Aires.

Menschen mit argentinischen Flaggen trauern um den verstorbenen ex-Präsidenten Kirchner (Foto: DW/V. Eglau)

"Hoch leben Néstor" Die Menschen kamen auf der Straße zusammen um gemeinsam um den verstorbenen Kirchner zu trauern

Nestor Kirchner war vor sieben Jahren ins Präsidentenamt gewählt worden, als Argentinien noch unter den Nachwehen der dramatischen Finanz- und Wirtschaftskrise litt, die das Land in den Jahren 2001 und 2002 erschüttert hatte. Unter Kirchners Regierung stabilisierte sich die Wirtschaft und schlug einen konstanten Wachstumskurs ein, mit jährlichen Steigerungen von acht bis neun Prozent. Eine der wichtigsten Handlungen seiner Amtszeit war die Aufhebung jener Gesetze, die die juristische Verfolgung der zwischen 1976 und 83 verübten Verbrechen der Militärdiktatur verhindert hatten. Politische Freunde und Gegner würdigten den Verstorbenen als einen Vollblutpolitiker und Kämpfer, der unermüdlich für seine politischen Ziele gearbeitet habe. Der oppositionelle Kongressabgeordnete Francisco de Narvaez, Peronist aber nicht Kirchnerist, sagte: "Ich glaube, nach dem Tod von Nestor Kirchner wird die argentinische Politik nicht mehr dieselbe sein wie vorher. Er hat die politische Dynamik stark geprägt."

Die Kirchner-Dynastie an der Macht

2007 hatte Kirchner auf eine erneute Kandidatur für das Präsidentenamt verzichtet, seine Frau Cristina ging ins Rennen und gewann die Wahl. Tatsächlich wurden sie und ihr Mann als Präsidenten-Team wahrgenommen, das die Regierungsgeschäfte gemeinsam führte. Nestor Kirchner war außerdem Peronisten-Chef, Kongress-Abgeordneter und seit letztem Mai auch Generalsekretär der Union südamerikanischer Nationen, UNASUR. Er galt als rastlos, als hyperaktiv. Bei vielen Argentiniern, so auch bei Hector aus Buenos Aires, stieß der konfrontative Stil des Politikers auf Ablehnung. "Mir hat nicht gefallen, wie Nestor Kirchner Politik gemacht hat. Ich war mit seinem aggressiven Vorgehen nicht einverstanden. Er hätte mehr Konsensbereitschaft zeigen können."

In Argentinien finden 2011 Präsidentschaftswahlen statt, und eine erneute Kandidatur Nestor Kirchners war erwartet worden, obgleich seine gesundheitlichen Probleme ein Hindernis zu sein schienen. Zweimal bereits war er in diesem Jahr wegen verstopfter Arterien operiert worden. Nach Kirchners Tod wird die Opposition nun wahrscheinlich verstärkt Morgenluft wittern. Noch ist nicht abzusehen, wie der Rest der Amtszeit von Cristina Kirchner verlaufen wird und ob sie noch einmal antreten könnte. Nach Ansicht des politischen Experten Rosendo Fraga hat die Präsidentin jetzt die Chance, aus dem Schatten ihres Mannes zu treten. Nestor Kirchner habe bis zuletzt keinen Zweifel an seiner Macht gelassen. Doch nun könne Cristina die Macht aus sich selbst heraus ausüben.

Autorin: Victoria Eglau
Redaktion: Mirjam Gehrke