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Wirtschaft

Argentinien: Milliarden vom Kapitalmarkt

Argentinien ist nach Jahren zurück auf dem internationalen Kapitalmarkt und hat milliardenschwere Staatsanleihen angeboten. Die Anleger reißen sich darum.

Aus Sicht der Regierung in Buenos Aires kann diese erste Anleihe seit der Krise von 2001 als Erfolg gewertet werden: "Argentinien ist zurück", sagte Finanzminister Alfonso Prat-Gay in Washington. Kurz- und mittelfristige Anleihen aus seinem Haus im Wert von umgerechnet 13,3 Milliarden Euro sind seit Montag (18.04.2016) gestern im Angebot. Dafür hätte es Gebote im Wert von mehr als 59 Milliarden Euro gegeben, berichtete die argentinische Tageszeitung "La Nacion".

Für die zehnjährige Anleihe hat Argentinien einen Zinssatz zwischen sieben und acht Prozent in Aussicht gestellt. Der genaue Zins wird erst später festgelegt. In der Regel leihen sich südamerikanische Länder Kapital zu einem Zins von drei bis vier Prozent. Beobachter gehen aber davon aus, dass Argentinien bis zu neun Prozent bieten müsste.

Geld für die "Geierfonds"

Argentinien Ex-Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner

Ex-Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner

Mit dem geliehenen Geld aus diesen Anleihen will Argentinien nun US-Hedgefonds auszahlen, mit dem die Regierung seit Jahren im Streit liegt. Argentinien hatte sich über Jahre beharrlich geweigert, die von der ehemaligen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner als "Aasgeier" und "Finanzterroristen" bezeichneten Hedgefonds zu bezahlen. Kirchner warf ihnen vor, nach der Krise von 2001 Anleihen zu Schleuderpreisen aufgekauft zu haben, als sie quasi schon wertlos waren, sie aber zum Nennwert einlösen zu wollen.

Ein New Yorker Gericht hatte den Hedgefonds um die New Yorker Investmentfirmen NML Capital und Aurelius Recht gegeben. Mit der Weigerung zu zahlen, galt Argentinien in der Folge als technisch zahlungsunfähig und konnte nicht mehr auf die internationalen Kapitalmärkte zurück greifen.

Wende unter Macri

Argentinischer Präsident Mauricio Macri

Der argentinische Staatschef Mauricio Macri

Die neue konservative Regierung des im letzten Jahr gewählten Präsidenten Mauricio Macri zielte von Anfang an auf eine schnelle Einigung mit den Gläubigern. Kritiker des Präsidenten sagen, die Kosten für die Anleihen würden nun letztlich arme Familien im Land zu tragen haben, weil öffentliche Ausgaben für den Schuldendienst gekürzt werden müssten.

Der Internationale Währungsfonds IWF begrüßte die Rückkehr Argentiniens an die Finanzmärkte: "Das ist ein großer Schritt vorwärts", sagte Agustin Carsten, der beim IWF für die Geld- und Finanzpolitik zuständig ist. Allerdings warnt auch Carstens, das Land stehe vor harten Einschnitten, um die öffentlichen Finanzen und die Wirtschaft zu stabilisieren.

"Kurzfristig werden einige Maßnahmen schwer zu verdauen sein", so Carstens. Der IWF schätzt, dass die argentinische Wirtschaft in diesem Jahr um ein Prozent schrumpfen wird und im nächsten Jahr um knapp drei Prozent wachsen könnte. Die argentinische Regierung ist da optimistischer und geht von einem Nullwachstum für das laufende Jahr aus.

ar/hb (rtr, dpa, afp)

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