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Wirtschaft

Argentinien ist pleite

Die neue argentinische Regierung will ihre Auslandsschulden vorerst nicht mehr bezahlen. Die Gläubiger müssen einen Teil der Schulden abschreiben und niedrigere Zinsen für Anleihen hinnehmen.

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Argentinier protestieren gegen den harten Sparkurs der Regierung

Dies kündigte der am Sonntag (23.12.2001) gewählte Übergangspräsident Adolfo Rodríguez Saá unmittelbar nach seiner Vereidigung im Kongress an. Mit den Gläubigern wolle man Gespräche über eine Neustrukturierung der Auslandsschulden führen. Diese belaufen sich derzeit auf rund 135 Milliarden US-Dollar. Davon kommen rund 79 Milliarden aus dem Ausland. Eine Abwertung des im Verhältnis eins zu eins an den Dollar gebundenen Peso schloss Rodriguez weiterhin aus. Argentinien wolle stattdessen eine dritte Währung einführen. "Der argentinische Staat wird die Zahlungen auf seine Auslandsschulden einstellen und die dafür vorgesehenen Mittel für Pläne zur Schaffung von einer Million neuen Arbeitsplätzen einsetzen", sagte Rodríguez weiterhin. Vor allem die Anleihegläubiger sollen die Zeche zahlen. Die Rede war von Abschlägen von 30 bis 50 Prozent auf den Nennwert der Anleihen, die sich im Besitz privater Anleger befinden. Auch die Zinshöhe soll neu und damit niedriger festgelegt werden.
Die Abwertung des Peso lehnte Rodríguez Saá weiterhin ab, offenbar aus Furcht vor weiterer Gewalt in der Bevölkerung. "Eine Abwertung würde bedeuten, den Arbeitnehmern erneut in die Tasche zu fassen", sagte er. Durch den teuren Peso sind derzeit argentinische Exporte auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig. Womit eine dritte Währung gedeckt sein soll, verriet Saá zunächst nicht.

USA und IWF lehnten direkte Hilfe ab

US-Finanzminister Paul O'Neill hatte bereits im Vorfeld trotz der gewalttätigen Auswüchse der Krise in Argentinien und des Rücktritts von Präsident Fernando de la Rúa eine amerikanische Soforthilfe verweigert. Argentinien stehe nun vor schwierigen Aufgaben, denen es sich selbst stellen müsse, um seine Kreditwürdigkeit wieder zu erlangen, sagte er.
1995 hatte die US-Regierung unter Präsident Bill Clinton Mexiko in einer ähnlichen Lage mit einem Kredit von 20 Milliarden Dollar vor dem wirtschaftlichen Kollaps bewahrt. Die Washingtoner Regierung hatte Buenos Aires am Donnerstag (20.12.) aufgefordert, weiter mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenzuarbeiten.

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