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Amerika

Argentinien hofft auf ein Wirtschaftswunder

Vor seinem offiziellen Amtsantritt setzt Präsident Mauricio Macri Zeichen: Mit einem Kabinett aus Bankern und Managern will er nach zwölf Jahren Abschottung des Landes zur freien Marktwirtschaft zurückkehren.

Mit dem neuen Kabinett will Argentiniens neuer Präsident Mauricio Macri sein Land aus der Wirtschaftskrise führen. "Wir werden einen Epochenwechsel erleben. Die Tyrannei des autoritären Populismus ist vorbei", erklärte der designierte argentinische Finanzminister Alfonso Prat-Gay vor der einheimischen Presse.

Prat-Gay, der ehemalige Präsident der argentinischen Zentralbank, ist nicht nur mit dem argentinischen Bankensektor, sondern auch mit der amerikanischen

Finanzbranche

bestens vertraut. Der 50-jährige Wirtschaftswissenschaftler arbeitete in den 90er Jahren als Strategiedirektor bei der US-Bank J. P. Morgan.

Die Botschaft des künftigen Finanzministers dürfte auf den internationalen Finanzmärkten gut ankommen. Bei den immer noch zahlreichen Anhängern der ehemaligen Präsidentin Cristina Kirchner hingegen wird sie eher Schaudern auslösen.

Auf der Suche nach Investoren

Argentiniens designierter Finanzminister Alfonso Prat-Gay - Foto: Getty Images/AFP/E. Abramovich

Banker mit Beziehungen: Alfonso Prat-Gay soll das Finanzressort übernehmen

Die Nähe zur US-Finanzbranche könnte sich künftig als hilfreich erweisen. Schließlich ist der Streit Argentiniens mit amerikanischen Hedgefonds - von Ex-Präsidentin Cristina Kirchner als "Geier-Fonds" abgestempelt - noch immer nicht beigelegt. Seit der Verkündung der technischen Zahlungsunfähigkeit im Juli 2014 hat Argentinien praktisch keinen Zugang mehr zum internationalen Kapitalmarkt.

Spaniens Außenminister José Manuel García-Margallo feierte den Sieg der Konservativen in Buenos Aires wie seinen eigenen. Bereits eine Woche nach dem

Wahlsieg Macris

am 22. November reiste er nach Buenos Aires, um seinem politischen Parteifreund persönlich zu gratulieren.

Euphorie in Madrid

Eine Geste, deren Bedeutung sich erst dann richtig erschließt, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass seit 2007 kein spanischer Außenminister mehr in offizieller Mission nach Buenos Aires gereist ist. Und dies, obwohl über 400.000 spanische Staatsbürger in Argentinien leben und Spanien der zweitgrößte ausländische Investor mit einem Volumen von insgesamt 13 Milliarden Dollar im Land ist.

Argentiniens Ex-Präsidentin Cristina Fernandez - REUTERS/Marcos Brindicci

Ende einer Ära: Ex-Präsidentin Cristina Kirchner tritt ab

Doch der Übergang in die von Mauricio Macri ausgerufene

"neue Epoche",

die mit der Amtseinführung am 10. Dezember beginnt, dürfte nicht ohne Reibungen verlaufen. Die wirtschaftlichen Erblasten aus der Ära Kirchner (2003 bis 2015) sind enorm: Jährliche Teuerungsraten von über 20 Prozent, wachsende Staatsverschuldung und wirtschaftliche Stagnation.

Die wirtschaftliche Wiederbelebung ist dem neuen Präsidenten Mauricio Macri so wichtig, dass er damit gleich sechs Ministerien beauftragt hat: Finanzen, Energie, Modernisierung, Landwirtschaft, Verkehr und Produktion. Die Posten wurden mit Führungskräften aus der Wirtschaft und langjährigen Vertrauten des Präsidenten besetzt.

Stippvisite in Brasilia

So holte sich Macri neben Alfonso Prat-Gay unter anderem den ehemaligen Vorstandvorsitzenden von "Shell Argentina", Juan José Aranguren, als Energieminister ins Kabinett. Zum neuen Chef der argentinischen Zentralbank ernannte er den ehemaligen Chefökonom des Mineralölkonzerns "YPF".

Macris langjähriger Weggefährte Andrés Ibarra avancierte zum Minister für Modernisierung. Auch er hat seine Managementfähigkeiten bereits unter Beweis gestellt. Als Macri 1995 zum Präsidenten des berühmten argentinischen Sportvereins Atlético Boca Juniors gewählt wurde, trieb er in Macris Auftrag die Sanierung des Clubs voran.

Macris Flucht nach vorn zeigte sich auch in der Stippvisite ins Nachbarland Brasilien noch vor seinem Amtsantritt. In einer gemeinsamen Erklärung mit Staatschefin Dilma Rousseff Anfang Dezember verpflichtete er sich, die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen dem südamerikanischen Markt Mercosur und der EU wieder in Gang zu bringen.

Genau dies hatte Argentiniens ehemalige Präsidentin Cristina Kirchner bewusst verhindert. Sie befürchtete durch ein Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken den Ausverkauf der argentinischen Wirtschaft.

Rolle rückwärts?

Symbolbild Wirtschaftskrise Argentinien 2001 - Foto: Leo Pikon/AFP/Getty Images

Proteste gegen hohe Arbeitslosigkeit: Steht Argentinien vor einer "neuen Epoche"?

Viele Argentinier teilen diese Angst. Sie befürchten eine Rückkehr zur neoliberalen Politik unter dem ehemaligen Wirtschaftsminister Domingo Cavallo. Unter seiner Führung musste das Land 2001 seine Zahlungsunfähigkeit eingestehen.

Der Zusammenbruch der Wirtschaft hat sich wie ein nationales Trauma in das kollektive Gedächtnis Argentiniens eingebrannt. Wirtschaftswissenschaftler Sergio Arelovich von der nationalen Universität Rosário kritisiert deshalb den großen Vertrauensvorschuss für Macris Regierung. Die vagen Ankündigungen über den Abbau von Devisenbeschränkungen, Subventionen und Zöllen hätten lediglich zu Gerüchten und Verwirrung geführt.

"Das einzige, was wir sicher wissen, ist die Wahl von Mauricio Marci zum Präsidenten", stellt Arelovich in einem Leitartikel für die argentinische Zeitung "Pagina 12" klar. "Alles andere ist Spekulation."

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