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Wirtschaft

Argentinien hat den Kredit verspielt

Guillermo Nielsen reist durch die Welt. Der argentinische Staatssekretär spricht mit Gläubigern über die Umgestaltung argentinischer Schulden. Privatanleger müssen viel Geld abschreiben.

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Internationale Anleger bezahlen Argentiniens Pleite

Braucht ein Staat Geld, kann er Staatsanleihen mit einem festen Zinssatz ausgeben. Dabei hängt die Höhe des Zinses von der Höhe des Risikos ab. Das Risiko bei Staatsanleihen: Der Staat könnte nicht mehr in der Lage sein, seine Schulden zu bezahlen. Im schlimmsten Fall heißt das: Der Anleger bekommt weder sein angelegtes Geld zurück noch die Zinsen. Dazwischen gibt es viele Varianten, meist Umschuldungen. Um die bemüht sich derzeit die Regierung in Buenos Aires.

Während man für deutsche Staatsanleihen nur 2 bis 3 Prozent Zinsen bekommt, locken Schwellenländer mit wesentlich höheren Zinsen. Dazu gehören beispielsweise Brasilien und Mexiko. Argentinien war einst der Star unter den Schwellenländern. Doch seit zwei Jahren ist Argentinien Pleite. Heute sind argentinische Staatsanleihen nur noch einen Bruchteil ihres Nennwertes wert.

Hilfe von außen ist nicht garantiert

Weltbank Logo

Hoffnung zahlungsunfähiger Staaten: Weltbank

Wer Anleihen eines Staates gekauft hat, der droht zahlungsunfähig zu werden, kann hoffen, dass beispielsweise der IWF oder die Weltbank dem betreffenden Staat Kredite gewähren. Mit dem Geld können dann Zins- und Tilgungszahlungen beglichen werden. Zum Teil werden solche Kredite auch gewährt, damit ein zahlungsunfähiges Land nicht andere Staaten mit in den Abwärts-Sog zieht. Auch der betroffene Staat hat ein Interesse die Privatanleger zu bezahlen, da er auch in Zukunft Geld vom Kapitalmarkt braucht und seine Bonität sicherstellen will.

Ein Handvoll Rubeln

Rubelkrise: Der Rubel verliert massiv an Wert

Eine solche Situation gab es 1998 in Russland. Damals führte die Rubelkrise dazu, dass Anleihen, die 2003 fällig wurden, nur noch etwa die Hälfte wert waren. Dank westlicher Hilfe konnte sich Russland wieder erholen und der Wert der Anleihen stieg.
Darauf haben auch die Gläubiger mit argentinischen Staatsanleihen gehofft. Ohne Erfolg, meint Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: "Der IWF hat eine ziemlich schwache Lösung gefunden. Er hat sich mit Argentinien auf einen sehr geringen Haushaltsüberschuss geeinigt, der sehr wenig Spielraum für die Rückzahlung an Privatanleger lässt."

Der Fall Argentinien: Herber Kapitalschnitt

Ende 2001 erklärte sich Argentinien für zahlungsunfähig. Seitdem bezahlt Argentinien keine Zinsen mehr auf Anleihen. Auch Tilgungszahlungen wurden ausgesetzt. Die Staatsanleihen haben inzwischen mehr als zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt. Bereits im September hatte der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna einen Plan zur Umstrukturierung der argentinischen Schulden vorgelegt. Private Anleiheschulden sollten in neue Titel umgewandelt werden. Allerdings würden die privaten Gläubiger nach diesem Plan nur ein Viertel des Nennwertes der Anleihen zurückbekommen und geringere Zinsen akzeptieren. Das liefe nach Petra Krüll auf einen effektiven Verlust von über 90 Prozent hinaus.

Damit steht die vom Volumen her größte Umschuldung der Geschichte bevor. Noch nie war ein Staat so pleite, wie es Argentinien heute ist. 94,3 Milliarden Dollar an Außenständen werden umgeschichtet, die Hälfte der gesamten Schulden des Landes, wie Finanzsstaatssekretär Guillermo Nielson vorrechnet.

Argentinien setzt auf Zeit

Börse fällt in Frankfurt

Anleger fürchten um versprochene Zinsen

Weltweit sind Anleger betroffen - allein etwa 30.000 deutsche Anleger halten rund 5 Prozent der gesamten Anleihenschulden des Landes, also rund 4,4 Milliarden Dollar. Mit all ihnen muss die Regierung einig werden. Bislang setzt Argentinien auf Verzögerung. "Jeder Tag, den Argentinien das Geld nicht zurückzahlen ist bares Geld für Argentinien" sagt Petra Krüll. Laut Argentinien kann eine Einigung mit den Gläubigern Mitte 2004 erzielt werden.

Um eine stärkere Position bei den Verhandlungen zu haben, haben die Gläubiger Interessengemeinschaften gegründet, darunter die Argentine Bond Restructuring Agency und die Interessengemeinschaft Argentinien, kurz ABRA.

Gericht oder Verhandllungslösung?

Anleger, die nicht auf eine Einigung warten wollen, bleibt der Gang vors Gericht. Japanische Gläubiger haben bereits versucht, Land im südargentinischen Patagonien als Sicherheit beschlagnahmen zu lassen. Deutsche Gläubiger können vor Gericht einen Titel gegen Argentinien erwerben. Nur: Um den Titel einzulösen, muss der Gläubiger frei verfügbares argentinisches Staatseigentum finden, dass er pfänden kann.

Immerhin hat der argentinische Staatspräsident einen Besuch in Deutschland abgesagt mit der Begründung: Er wolle nicht, dass sein Flugzeug gepfändet würde. "Wir haben uns entschieden über Verhandlungen mit Argentinien eine Lösung zu finden," erklärt Petra Krüll. "Ein Titel ist keine Lösung für tausende von Anlegern – soviel frei bewegliches Staatseigentum gibt es nicht."

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