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Wirtschaft

Argentinien gibt den Peso frei

Neuer Rettungsversuch für die argentinische Wirtschaft: Die Regierung wertet den Peso ab und legt ein Notstandsprogramm auf.

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Die argentinische Währung ist seit Wochen unter Druck.

Als Schritt zur Bewältigung der schweren Wirtschaftskrise hat die neue argentinische Regierung die Landeswährung Peso drastisch abgewertet. Die Regierung gab am Sonntagabend die Abwertung des Peso um fast 30 Prozent bekannt, wenige Stunden nachdem der Kongress Sondervollmachten für den neuen Präsidenten Eduardo Duhalde zugestimmt hatte. Damit gab die Regierung die seit 1991 geltende paritätische Bindung der argentinischen Währung an den US-Dollar auf. Außerdem soll eine neues wirtschaftspolitisches Notstandsprogramm aufgelegt werden, um die Lage im Land zu stablisieren.

Ein Dollar = 1,40 Pesos

Ein US-Dollar koste künftig 1,40 Pesos, teilte Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov in Buenos Aires mit. Dieser Kurs gilt für den Außenhandel und andere Kapitaltransaktionen. Daneben gibt es einen freien Peso-Kurs, der sich nach Angebot und Nachfrage richtet und für den Devisenumtausch von Privatleuten gilt. Es wird erwartet, dass dieser Kurs noch sinken wird, wenn die Banken am Mittwoch nach zweitägiger staatlich angeordneter Pause wieder geöffnet werden. Remes Lenicov betonte, der zweigeteilte Wechselkurs werde die Wirtschaft befreien und die Voraussetzungen für neues Wachstum schaffen.

Neue Strategie der Regierung

"Dies ist ein Kurswechsel", sagte Remes Lenicov nach mehr als zehnjähriger Eins-zu-Eins-Bindung des Pesos an den Dollar. "Der alte Weg führte nirgendwohin." Die neue Regierung werde sich aber nicht abschotten, sondern wolle sich weiterhin dem Ausland öffnen und wettbewerbsfähiger werden.

Haushaltsplan für Ende Januar geplant

Bis zum 20. Januar will die Regierung einen Haushalt für das Finanzjahr 2002 vorlegen, dessen Leitlinien eine Fortsetzung der Sparpolitik und das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben sein sollen. Damit will Argentinien die Unterstützung des Internationalen Währungsf onds (IWF) für ein Umschuldungsabkommen erzielen. Weil der Staat faktisch zahlungsunfähig ist, wurde die Bedienung der Auslandsschulden von insgesamt 141 Milliarden Dollar ausgesetzt.

Kurz vor der Entscheidung hatte nach dem Abgeordnetenhaus auch der Senat dem Notstandsprogramm des neuen argentinischen Präsidenten zugestimmt. Damit kann Duhalde in den nächsten zwei Jahren mit weit reichenden Sondervollmachten in der Wirtschaftspolitik regieren, ohne die Zustimmung des Parlaments einholen zu müssen.

Firmen drohen Milliarden-Abschreibungen

Die Peso-Abwertung bedeutet für ausländische Unternehmen, dass sie mehrere Milliarden Dollar an Investitionen in Argentinien abschreiben müssen. Betroffen sind vor allem spanische und französische Konzerne. Präsidentensprecher Eduardo Amadeo kündigte an, dass die Regierung in Kürze in einen 'ernsthaften Dialog' mit den ausländischen Investoren eintreten werde.

Argentinien steckt seit fast vier Jahren in einer Rezession und hatte Ende des vergangenen Jahres die Zahlung seiner Auslandsschulden eingestellt. Nach heftigen Protesten der Bevölkerung gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung hatte kurz vor Weihnachten Präsident Fernando de la Rua seinen Amt niedergelegt.

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  • Datum 08.01.2002
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