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Aktuell Amerika

Argentinien einigt sich mit US-Gläubigern

Der "Schuldenstreit" lähmt die ganze Nation. Argentiniens Fehde mit US-Hedgefonds dauert seit 14 Jahren an, und schneidet das Land von den internationalen Kapitalmärkten ab. Doch bald soll alles anders werden.

Argentinien hat sich mit weiteren US-Gläubigern geeinigt. Wie der gerichtlich bestellte Vermittler Daniel Pollack bekannt gab, hat sich das südamerikanische Land mit einer Gruppe von Sammelklägern geeinigt habe. Es geht um die Rückzahlung alter Anleiheschulden, die aus der Staatspleite von Ende 2001 stammen. Die Gläubiger sollen den Nennwert der strittigen Anleihen vollständig erstattet bekommen und zudem 50 Prozent der ursprünglichen Zinsen erhalten. Allerdings handelt es sich in diesem Fall um eine vergleichsweise geringe Zahlung - zuletzt hatten sich die Forderungen auf knapp 70 Millionen Dollar belaufen.

Daniel Pollack Porträt Mediator

Daniel Pollack, der Vermittler zwischen Gläubigern und Argentiniens Regierung

Vor wenigen Tagen hatte Argentinien sechs Großgläubigern, mit denen es ebenfalls seit Jahren im Clinch liegt, 6,5 Milliarden Dollar in bar geboten. Allerdings haben nur zwei dieser Kläger die Offerte akzeptiert. Die wichtigsten - die New Yorker Hedgefonds NML Capital und Aurelius - sind nicht darunter.

Feldzug gegen die "Geierfonds"

Als Argentinien Ende 2001 pleite ging, waren auch seine Staatsanleihen nichts mehr wert. Doch US-Hedgefonds hatten Schuldtitel im Nennwert von neun Milliarden Dollar zu Schleuderpreisen aufgekauft – und auf der vollen Rückzahlung bestanden. Während 93 Prozent der Gläubiger damals die Umschuldungsangebote Argentiniens annahmen, zogen die Fonds vor Gericht.

Ein US-Bezirksrichter urteilte 2014 gegen Argentinien und verfügte, das Land müsse diese Schulden erst begleichen, bevor es andere Staatsanleihen bedienen könne. Der Fall wird in New York verhandelt, weil die Papiere einst unter US-Recht ausgegeben wurden, um sie an den Finanzmärkten attraktiver zu machen.

Argentiniens ehemalige Präsidentin Cristina Kirchner hatte öffentlich einen Feldzug gegen die "Geierfonds" gestartet. Dabei wurde sie von einem Großteil der argentinischen Bevölkerung unterstützt. Der neue konservative Präsident Mauricio Macri plädierte hingegen schon im Wahlkampf für neue Verhandlungen mit den Hedgefonds. Der ungelöste Schuldenstreit halte Investoren ab, argumentierte er.

"Technisch zahlungsunfähig"

Tatsächlich ist das zweitgrößte Land Südamerikas durch den Zahlungs-Boykott weitgehend von den internationalen Geldströmen abgeschnitten. Außerdem war Argentinien, obwohl es über Devisenreserven verfügt, nach dem Urteil des US-Richters als technisch zahlungsunfähig eingestuft worden, was die Kreditwürdigkeit des Landes noch weiter ramponiert hat. Eine Einigung mit den Investoren könnte Argentinien helfen, wieder Zugang zu den internationalen Kreditmärkten zu bekommen.

Argentinien benötigt dringend Geld, um seine marode Infrastruktur zu sanieren. Zudem wären geringere Finanzierungskosten eine willkommene Hilfe für Unternehmen und Regionen in der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas.

Macris Regierung hatte ihr Angebot unter die Bedingung gestellt, dass der Bezirksrichter das Verbot des Schuldendienstes bei anderen Gläubigern aufhebt. Allerdings haben nur zwei dieser Kläger die Offerte akzeptiert. Die wichtigsten - die New Yorker Hedgefonds NML Capital und Aurelius - sind nicht darunter. Die beiden Gläubiger haben bislang alle Umschuldungsangebote aus Buenos Aires abgelehnt. Die Regierung braucht ohnehin noch die Zustimmung des Parlaments.

Die Hedgefonds müssten Abstriche von mehr als 25 Prozent an den ursprünglichen Forderungen von insgesamt mehr als neun Milliarden Dollar machen. Die übrigen 93 Prozent der Gläubiger hatten über 70 Prozent abschreiben müssen.

rb/jj (dpa, epd, rtr)

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