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Amerika

Argentinien beharrt auf Falklands

99,8 Prozent der Bewohner der Falkland-Inseln haben entschieden, dass sie britisch bleiben möchten. Trotz des klaren Ergebnisses will Argentinien das Falkland-Referendum nicht anerkennen.

Für den Fall, dass es irgendjemand immer noch nicht verstanden haben sollte, legte Gavin Short noch einmal nach: "Frau Präsidentin Fernández de Kirchner, wir haben Ihnen eine Botschaft geschickt: Wir haben nicht das geringste Bedürfnis, von der Regierung in Buenos Aires geführt zu werden", teilte der Regionalpolitiker der Falkland-Inseln der Presse mit.

Angesichts des klaren Ergebnisses scheint Short's Hinweis eigentlich überflüssig. Argentiniens Regierung allerdings könnte eine Ausnahme bilden: Buenos Aires hat das Resultat des Referendums zur Kenntnis genommen. An der grundsätzlichen Haltung im Konflikt um die Inseln wird das aber nichts ändern. "Für uns ist das vollkommen irrelevant. Die Situation ist heute genauso, wie sie gestern war. Wir waren Zeugen eines weiteren Ablenkungsmanövers", tönte Alicia Castro, argentinische Botschafterin in London. Und im Interview mit einem heimatlichen Radiosender verlieh sie dann noch ihrer Hoffnung Ausdruck, dass Argentinien in nicht allzu ferner Zeit die Kontrolle über die Falklands übernehmen könne: "Wir arbeiten mit friedlichen und diplomatischen Mitteln daran", versicherte die Botschafterin.

Was Argentinien bleibt

Die Briten hatten die Falklandinseln 1833 besetzt. Viele der heutigen Bewohner sind Nachfahren britischer Siedler. Im zweimonatigen Falkland-Krieg, der mit der argentinischen Kapitulation am 14. Juni 1982 endete, starben fast 650 Argentinier und fast 260 Briten. Dennoch hat die Regierung in Buenos Aires ihre Ansprüche bis heute nicht aufgeben.

Ein Wähler, der einen Anzug mit dem Muster der britischen Flagge trägt, jubelt bei der Stimmabgabe (Foto: Reuters)

Klares Votum für Großbritannien!

Viele Mittel sind es allerdings nicht, die den Argentiniern bleiben: Das Ergebnis ist nicht nur ein schwerer außenpolitischer Schlag für die Regierung von Cristina Fernández de Kirchner. Es ist auch ein ausgesprochen nützliches Instrument für alle, die im Konflikt zwischen Argentinien und Großbritannien um die unwirtlichen Felsen im Südatlantik eine neutrale Position einnehmen: Nach dem Referendum wird kaum jemand die britische Souveränität über die Falklands anzweifeln können.

Und das kann dazu führen, dass die Stimmung in einigen Gremien der Vereinten Nationen gegen Argentinien kippt. Vor allem im "Komitee zur Entkolonialisierung" dürften die Dinge jetzt anders gesehen werden, nachdem die Bewohner der Inseln nicht nur deutlich für Großbritannien gestimmt, sondern auch klargestellt haben, dass sie sich keineswegs als britische Kolonie sehen. Und genau in diesem Komitee trägt Argentinien seine Klagen über den vermeintlichen Verlust der Inseln am liebsten vor.

Keine Hoffnung auf Entspannung

Immerhin kann sich Buenos Aires an einen Strohhalm klammern: Nicht wenige lateinamerikanische Staaten teilen die Position Argentiniens und werfen Großbritannien mehr oder weniger offen einen antiquierten Kolonialismus vor. Der argentinische Politologe Jorge Castro glaubt sogar, dass die Position seines Landes in diesem Konflikt so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr sei - trotz des Abstimmungsergebnisses: "Aktuell verlangt die ganze Region, angeführt von Brasilien, eine Einigung über den Souveränitätsanspruch von Argentinien", analysiert Castro.

Klar ist aber auch, dass sich die argentinische Regierung mit ihrer aggressiven Rhetorik keinen Gefallen tut. In dem vergifteten Klima zwischen Buenos Aires und London hat ein Dialog momentan keine Chance. Dabei könnten Gespräche, die nicht gleich die Souveränitätsfrage thematisieren, durchaus etwas bringen: Die Bewohner der Falklands erinnern in diesem Zusammenhang gerne an die 1990er Jahre, als sie mit den damaligen argentinischen Regierungen pragmatisch und produktiv Alltagsprobleme lösen konnten.

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