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Fußball

Arena folgt auf Klinsmann als US-Nationalcoach

Der neue Trainer der US-Kicker ist der Vor-Vorgänger von Jürgen Klinsmann. Der Deutsche war am Montag nach schwachen Ergebnissen in der WM-Qualifikation vom Verband entlassen worden.

Nun also wieder Bruce Arena. Der 65-Jährige soll das Amt des US-Nationaltrainers am 1. Dezember antreten. Arena hatte die US-Auswahl bereits von 1998 bis 2006 betreut und ist derzeit noch Trainer bei LA Galaxy. "Wenn wir zur jetzigen Zeit die möglichen Kandidaten für das Amt des Männer-Auswahltrainers begutachtet haben, dann stand Bruce an der Spitze der Liste", sagte Verbands-Chef Sunil Gulati in Chicago. Das Ziel für den Trainer und sein Team ist klar: die achte WM-Teilnahme in Folge beim Turnier in Russland 2018.

    
Tags zuvor endete für Jürgen Klinsmann das Trainer-Engagement in seiner Wahlheimat USA nach fünf Jahren ohne Sommermärchen.  "Wir haben eine schwierige Entscheidung getroffen. Wir möchten Jürgen für seine Arbeit und Hingabe in den vergangenen fünf Jahren danken", sagte Gulati. Die Form und Entwicklung der Mannschaft habe zu der Überzeugung geführt, einen neuen Weg einschlagen zu müssen.  

Die USA hatten in der Qualifikation für die Fußball-WM zuletzt durch Niederlagen gegen den Erzrivalen Mexiko (1:2) sowie in Costa Rica (0:4) einen schweren Rückschlag erlitten. Das Team ist Schlusslicht in der entscheidenden Qualifikationsrunde Nord- und Mittelamerikas.

Fünf Jahre mit Höhen und Tiefen

Klinsmann war seit 2011 im Amt und hatte die US-Boys unter anderem ins Achtelfinale der WM 2014 geführt. 2013 hatte der 52 Jahre alte Klinsmann mit den USA vor heimischem Publikum den CONCACAF Gold Cup gewonnen, im Vorjahr scheiterte das Team bei der Kontinentalmeisterschaft jedoch im Halbfinale an Jamaika. Bei der Copa America im Sommer waren die USA erst im Halbfinale an Vize-Weltmeister Argentinien ausgeschieden.

Nach über fünf gemeinsamen Jahren mit Höhen und Tiefen sah sich der Verband angesichts des zuletzt desolaten Auftretens in der WM-Qualifikation zum Handeln gezwungen. Die Befürchtung, das Turnier beim einstigen Klassenfeind zu verpassen, ist groß - noch nie hatten die USA die ersten beiden Partien einer WM-Qualifikation verloren.

Copa America 2016 Jürgen Klinsmann Trainer USA (Getty Images/S. Halleran)

Ahnte Jürgen Klinsmann im Juni dieses Jahr schon, dass er entlassen werden würde?

Die Anzeichen auf die bevorstehende Trennung hatten sich zuletzt verdichtetet, die Mechanismen des Geschäfts begannen zu greifen. Medien wie die Sports Illustrated ("Es ist Zeit zu gehen") oder USA Today ("Diesmal kann sich Klinsmann nicht rausreden") schossen sich auf den Schwaben ein. Und auch Verbands-Chef Gulati verzichtete auf ein Treuebekenntnis.

Bis zuletzt gelassen auf Trennungsgerüchte reagiert

Gegen die zunehmende Kritik an seiner Arbeit hatte sich Klinsmann noch vor wenigen Tagen öffentlich gewehrt. "Fakt ist, dass wir jüngst zwei Spiele verloren haben. Fußball ist emotional, doch viele Leute ziehen voreilige Schlüsse, ohne Ahnung vom Innenleben der Mannschaft oder vom Fußball zu haben", sagte Klinsmann im Gespräch mit der New York Times.  Auf die Trennungsgerüchte hatte er gelassen reagiert. "Ich habe keine Angst. Ich glaube weiterhin, dass wir die notwendigen Punkte für die Qualifikation sammeln", so Klinsmann. Die Mannschaft befinde sich in einer Übergangsphase, "wir müssen noch immer junge Spieler integrieren, Führungsfiguren finden." Es gebe viele Herausforderungen. Zugleich räumte Klinsmann aber auch Fehler ein: "Ich habe nicht gesagt, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe."

Doch letztlich retteten den Deutschen, der seine Zelte bereits vor Jahren in Kalifornien aufgeschlagen hatte, weder seine Visionen für den US-Fußball, der Spielplan noch der Modus. Mexiko (WM-Achtelfinalist) und Costa Rica (WM-Viertelfinalist) waren auf dem Papier die schwersten Gegner für die US-Amerikaner, die seit 1990 bei jeder Endrunde dabei waren. Auch dass sich zudem die ersten Drei der Sechser-Gruppe direkt für Russland qualifizieren, nützte Klinsmann nichts.

Systemkonfusion auf dem Platz

Klinsmann, Anfang November zum fünften Ehrenspielführer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ernannt, hatte sich zuletzt auffällig viele taktische Fehler ankreiden müssen. Nach seinem Fauxpas gegen Mexiko, als er im ungewohnten 3-5-2-System begann und nach einer halben Stunde alles über den Haufen warf, stellte er gegen Costa Rica wieder auf 4-4-2 um - was ebenfalls nicht funktionierte.

Große Verdienste um US-Fußball

Vor seinem US-Engagement hatte Klinsmann das deutsche Nationalteam während der"Sommermärchen-WM" 2006 im eigenen Land trainiert und in der Saison 2008/2009 den FC Bayern München. Die Bayern hatten sich kurz vor Ablauf der Spielzeit im April 2009 wieder von Klinsmann getrennt - damals ebenfalls wegen ausbleibender Erfolge.

Juergen Klinsmann neuer Trainer der US-Nationalmannschaft Flash-Galerie (dapd)

Vor fünf Jahren galt Klinsmann (r.) noch als Retter des US-Fußballs - hier mit Verbandboss Gulati bei seiner Vorstellung

Klinsmanns Verdienste für den Fußball im Land des American Football, Baseball und Basketball sind vor allem außerhalb des Platzes groß. Unter seiner Regie stieg das Ansehen des "Soccer" stetig, die WM 2014 verfolgten etwa mehr Fans als jemals zuvor in den USA. Mit ehrgeizigen Zielen sollte 2018 in Russland eine vergleichbare Euphorie entfacht werden. "Unser Ansporn ist ein WM-Halbfinale. Das wird uns viel Schweiß kosten, es wird jede Menge Arbeit", sagte Klinsmann. Seine Aufgabe ist es nun nicht mehr.

mas/jk/se (dpa, sid)

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