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Deutschland

ARD: 60 Jahre erfolgreich in Deutschland

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland feiert Geburtstag. Seit nunmehr 60 Jahren sendet die ARD ihr Programm. Ist diese Form des Rundfunks noch zeitgemäß?

Die Tagesschau vvon 1965 mit Karl-Heinz Koepke (Foto: AP)

Die "Tagesschau" von 1965 mit Karl-Heinz Koepke

Ehemaliges Logo der ARD (Quelle: Wikipedia)

Ehemaliges Logo der ARD

Am 5. Juni 1950 schlossen sich die Vertreter der einzelnen deutschen Landes-Rundfunkanstalten zusammen zu einer deutschlandweiten Rundfunkanstalt, der Allgemeinen Rundfunkanstalt Deutschlands, kurz: ARD. Ein Jahr zuvor war die Bundesrepublik Deutschland gegründet worden, die genau wie die ARD als Konsequenz aus dem untergegangenen nationalsozialistischen Staat föderal organisiert war.

Die alliierten Siegermächte hatten unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die gleichgeschalteten Radioprogramme aufgelöst. Nie wieder sollte in Deutschland Rundfunk betrieben werden, der von der Politik gegängelt, beeinflusst oder zu Propagandazwecken missbraucht werden konnte. "Die Radiostationen sollen unserer Auffassung und tiefsten Überzeugung nach nicht mehr Sprecher und Organ der jeweiligen Regierung sein. Sie sollen alle Schichten des Volkes vertreten und allen Gruppen und Parteien die Möglichkeit geben, ihre Meinung zu sagen." So sagte es Edmund Schächter, US-amerikanischer Kontrolloffizier in München, der damit Sinn und Zweck der Gründung der ARD aus Sicht der Alliierten zusammenfasste.

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Unabhängig und staatsfern?

Staatsferne und politische Unabhängigkeit sind bis heute die Markenzeichen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Tatsächlich gibt es viele Beispiele, die für das Gelingen dieser Staatsferne gelten können. Aber ebenso oft blieb es bei dem Vorsatz - und Politiker oder Parteien konnten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für ihre Zwecke nutzen.

Steht beispielsweise die Wahl zum Bundestag an, dürfen die Parteien Wahlwerbespots senden. Erklärt wird dies mit der Begründung, die Spots seien ein Beitrag zum Informationsauftrag der ARD. Sie sind aber auch reine Propaganda der Parteien. Um diesen Spagat zu gewährleisten, verkünden die ARD-Anstalten, dass sie für den Inhalt der Werbesendung nicht verantwortlich sind.

Der gleiche Zwiespalt tut sich auf, wenn Politiker, die im sogenannten Rundfunkrat sitzen, Einfluss auf die Wahl des Intendanten nehmen. Der Rundfunkrat wacht über den Haushalt der einzelnen Sender, bestimmt aber eben auch den Intendanten. Und es kommt nicht selten vor, dass der Intendant dann ein Mitglied der einflussreichsten Partei im Rundfunkrat ist.

Der zweite Sender

Logo ZDF Zweites Deutsches Fernsehen

Der föderale öffentlich-rechtliche Rundfunk wird auch 60 Jahre nach seiner Gründung nicht angetastet. Nach wie vor betreiben die Landesrundfunkanstalten ihre Programme eigenständig, sie werden durch ein staatlich geschütztes Gebühreneinzugssystem finanziert und sind vor staatlicher Einflussnahme weitgehend geschützt.

Das galt auch Ende der 1950er-Jahre, als der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer einen staatsnahen Propaganda-Sender mit der "Deutschland Fernseh GmbH" gründen wollte. Er scheiterte am 28. Februar 1961 vor dem Bundesverfassungsgericht, das den Bundesländern die alleinige Rundfunkkompetenz zusprach. Durch dieses Urteil gestärkt, beschlossen die Ministerpräsidenten zwei Monate später, eine zentrale gemeinnützige Fernsehanstalt des öffentlichen Rechts zu gründen. Das war die Geburtsstunde des Zweiten Deutschen Fernsehens, das am 1. April 1963 seinen Betrieb aufnahm.

Kulturelles Gedächtnis der Bundesrepublik

Inzwischen ist aus der ehemals kleinen ARD ein Medienriese geworden: Die neun Landesrundfunkanstalten haben rund 20.000 festangestellte und sehr viel mehr freie Mitarbeiter, sie veranstalten elf Fernsehprogramme, 55 Hörfunkprogramme, zahlreiche digitale Programmangebote und verfügen über 16 Orchester und acht Chöre. Das Gesamtbudget aller Anstalten beträgt pro Jahr rund 6,3 Milliarden Euro. Neben zahlreichen Inlandsstudios unterhält die ARD etwa 100 Hörfunk- und Fernsehkorrespondenten in 30 Ländern.

Die Tagesschau vom 29. April 1986: Reaktorunfall in Tschernobyl (Foto: ARD)

Die "Tagesschau" vom 29. April 1986: Reaktorunfall in Tschernobyl

In den 60 Jahren ihres Bestehens ist es der ARD gelungen, Zeichen zu setzen und Teil des Alltags der Menschen in Deutschland zu werden. Seit 1952 gibt es eine aktuelle Nachrichtensendung, die "Tagesschau", um 20.00 Uhr. Sie war bis zum Aufkommen des privaten Fernsehens in den 80er-Jahren eine echte Institution in Deutschland. Jeder sah sie, der von sich behaupten wollte, gut informiert zu sein. Noch heute schalten sie zehn Millionen Zuschauer täglich ein.

Motiv aus dem Vorspann vom Tatort (Foto: WDR)

Motiv aus dem Vorspann vom "Tatort"

Mit der großen Familienshow am Samstag Abend, Sportübertragungen oder der sonntäglichen Krimireihe "Tatort" ist es der ARD gelungen, Sendungen mit hoher Quote, das heißt hohem Zuschaueranteil, zu produzieren und sich in der Konkurrenz zu den privaten Programmanbietern einen respektablen Platz zu erhalten.

Autor: Matthias von Hellfeld
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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