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Kultur

Architektur im Dienst der Kunst

Der Name Guggenheim steht nicht nur für Kunst, sondern auch für imposante Museumsbauten. Um sie dreht sich die Ausstellung "The Guggenheim Architecture" in Bonn.

Frank Lloyd Wright im September 1945 vor dem Modell für das Guggenheim in New York

Frank Lloyd Wright im September 1945 vor dem Modell für das Guggenheim in New York

Auch wer sich im Grunde nicht für moderne Kunst interessiert, der kennt spätestens seit dem spektakulären Museumsbau im spanischen Bilbao den Namen Guggenheim - eine US-amerikanische Stiftung, die nicht nur eine der größten Sammlungen für moderne Kunst verwaltet, sondern auch Museumsbauten entwirft. Diese Museumsbauten sind Thema der Ausstellung "The Guggenheim Architecture", die seit Dienstag (26.9.) in Bonn zu sehen ist.

Kunst will gut aufgehoben sein: Andy Warhol in der Bundeskunsthalle in Bonn

Guggenheim Museum in Bilbao

Das Anliegen der Ausstellung ist, Zusammenhänge zwischen Kunst und Architektur deutlich zu machen: Architektur im Dienst der Kunst, die selbst schon ein Kunstwerk darstellt. 23 Projekte, realisierte und nicht verwirklichte, werden anhand von Modellen, Skizzen und Videoclips in der Bundeskunsthalle vorgestellt.

Guggenheim hat noch viel vor

Ufos für die Kunst? Das Guggenheim Museum in Guadalajara

Ufos für die Kunst? Das Guggenheim Museum in Guadalajara

Der Direktor der Stiftung, Thomas Krens, träumt von einem weltweiten Guggenheim-Kunstnetz: "Die Stiftung ist in vieler Hinsicht eine Holding-Gesellschaft für die fünf Projekte, die wir jetzt haben. Sie ist auch die Instanz, die Machbarkeits-Studien für zukünftige Projekte entwickelt und analysiert."

Denn Bilbao soll erst der Anfang für das weltweite Netz gewesen sein. Es gibt Pläne für Museumsbauten in Rio de Janeiro, in Tokio, in Guadalajara und Singapur: Große Architekten treten in Wettbewerben gegeneinander an. Architekten wie Frank O. Gehry, Jean Nouvel, Zaha Hadid oder Rem Koolhaas haben im Auftrag von Guggenheim Skizzen und Modelle entworfen, die jetzt in der Bonner Ausstellung zu sehen sind. Glaspaläste konkurrieren mit Stahlkonstruktionen, überdimensionale Turmgebilde mit versteckten unterirdischen Hallen und Gängen. Nur fünf Projekte von rund zwei Duzend Vorschlägen wurden allerdings bislang verwirklicht. Bürgerproteste oder die knappen Kassen der Kommunen sorgten für das Aus mancher Baupläne.

In Bilbao hingegen hat sich die Investition gelohnt: Der Ort lebt mit und von der Kunst, weiß die Bonner Kuratorin Susanne Kleine aus Erfahrung zu berichten: "Es ist nicht nur ein Museum, in dem einfach Kunst ausgestellt wird, sondern es ist eine Skulptur in der Stadtlandschaft. Dieses Phänomen hat das Verständnis der Stadt enorm verändert."

Adäquates Gefäß für Kunst

In der spanischen Industriestadt realisierte der amerikanische Stararchitekt Frank O. Gehry den imposanten Museumskomplex: Ineinander verschachtelte Bauelemente stechen durch geschwungene metall-glänzenden Fassaden hervor. Die Attraktion ist die Hülle, weniger der Inhalt. "Eine verschlafene Industriestadt wie Bilbao wird zum Tempel der Kunst. Das ist der Gedanke, den Hilla Rebay am Anfang mal hatte, dass man diese Tempel schafft", erklärt Kleine.

Guggenheim: Ten Arquitectos

Guggenheim: Ten Arquitectos

Die Deutsche Baroness Hilla von Rebay hatte den Großindustriellen Solomon Guggenheim in den 1930er-Jahren künstlerisch beraten. Sie überzeugte ihn nicht nur, abstrakte Kunst zu sammeln, sondern für diese Kunst auch ein adäquates Gebäude in New York zu errichten: das berühmte Guggenheim-Museum in der Fifth Avenue.

Erkennungsmerkmal ist der spiralförmig angelegte weiße Rundbau. Ein Novum für die Zeit war das, betont Wenzel Jacob, Leiter der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn: "Amerikas Architektur zur damaligen Zeit war geprägt von funktionalen Bauten, das heißt: quadratisch, praktisch, gut und eine maximale Ausschöpfung des Quadratmeters. Niemand wäre auf die Idee gekommen, eine Spirale zu bauen."

Neue Ansichten

1940 präsentierte Frank Lloyd Wright erstmals sein Modell, das in der Bonner Ausstellung zu sehen ist. Realisiert wurde das Gebäude aber erst 1959, so dass Solomon Guggenheim selbst sein Museum nicht mehr erleben konnte.

Sein Bau gab damals den Anstoß, über Architektur für Kunst nachzudenken: "Er eröffnete die weltweite Diskussionen darüber, wie die öffentliche Hand mit öffentlichen Plätzen umgehen könnte," weiß der Museumsleiter zu berichten. "Bebaut man sie mit einem Profanbau, mit einem Kaufhaus, oder behält man diese Plätze in der Hand und zeigt das wertvollste was eine Kommune, eine Stadt hat, nämlich ihre Kunst und ihre Kultur?"

Guggenheim New York: Kunstvolle Runbdbauten statt funktionale Gebäude

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Wenn sich eine Kommune für ein Guggenheim-Museum entscheidet, trägt sie sowohl die Kosten des Baus, als auch die laufenden Kosten für die Guggenheim Foundation, die das neue Museum bestückt. Der Name Guggenheim bleibt somit in aller Munde und das weltweit.

Die Methoden von Stiftungs-Direktor Thomas Krens sind allerdings nicht unumstritten, denn er schreckt vor wenig zurück: Er ließ schon mal eine Motorradshow durch das Guggenheim-Museen touren.

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