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Kultur

"Archäologie ist ein bisschen wie moderne Chirurgie"

In der Bundeskunsthalle Bonn tauchen Ägyptens versunkene Schätze wieder auf. Richard Fuchs hat mit dem Unterwasser-Archäologen Franck Goddio gesprochen, der nicht nur das antike Alexandria entdeckt hat.

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Franck Goddio, französischer Unterwasserarchäologe

DW-WORLD.de: Nach hunderten von Tauchgängen zu versunkenen Städten und Schiffswracks dürfte ihr Wohnzimmer wie ein Abenteuerspielplatz aussehen ... ?

Goddio: Na ja, es ist kein ganz so großes Abenteuer. Ich habe einen Job, und den führe ich mit meinem Team professionell aus. Wir planen jede Mission sehr genau und trainieren hart. Und bevor es losgehen kann, gibt es zunächst einmal viel Papierkram zu erledigen.

Sie haben ein Mathematik-Studium hinter sich und haben als Finanzberater für die Vereinten Nationen gearbeitet. Wie passt das zur Archäologie?

Tatsächlich hilft das dabei. Nach zehn Jahren Finanzberatung habe ich ein Jahr Auszeit genommen. In diesem Jahr untersuchte ich, was bis dahin in der Unterwasser-Archäologie schon umgesetzt wurde. Mir fiel auf, dass ein privates Institut fehlte, das Regierungen und anderen Institutionen zuarbeiten kann.

Dieses Institut haben sie 1985 in Paris eröffnet. War Ihnen von Anfang an klar, dass das ein Erfolg wird?

Ja, na ja, vielleicht war ich anfangs ein wenig naiv. Als ich mit der Suche nach dem versunkenen Teil Alexandrias begann, da gab es noch nicht einmal die technischen Instrumente, die man für so eine Mission braucht.

Letztlich haben sie das antike Alexandria dann aber doch ans Tageslicht gebracht.

Für Alexandria hat sich das aber über Jahre hingezogen, weil wir erst eine geophysikalische Untersuchung machen mussten. Nach vier langen Jahren hatten wir eine detaillierte Karte, die uns zeigte, wo etwas unter dem Schlick verborgen ist. Es ist ein bisschen wie moderne Chirurgie. Man benutzt einen Scanner, um danach, wenn man weiß wo man suchen soll, die Operation genau an der richtigen Stelle beginnen zu können.

Fasziniert Sie Ihre Arbeit eigentlich noch immer?

Da ist viel harte Arbeit dabei. Über Monate und Monate fährt man mit dem Boot Linien im Hafen, im Schlepptau Instrumente, die Daten registrieren. Am Ende hat man ein klares elektronisches Bild. Wenn die Karte vollständig ist sieht man, dass da etwas verborgen sein könnte. Erst dann wird es wirklich spannend.

Ihre Arbeit hat dennoch nicht gerade viel mit den Abenteuern eines Indiana Jones gemeinsam?

Überhaupt nicht. Im Gegenteil, mein Job ist es sogar, Abenteuer zu verhindern.

Wenn Sie die antiken Kunstschätze nach oben holen, dann werden die auf dem Schiffsdeck von der Mannschaft in bunte Plastik-Eimer einsortiert. Bedeuten die unterschiedlichen Farben etwas?

Die Farben haben eigentlich nichts zu sagen. Aber man braucht diese Eimer, um die Kunstschätze zu entsalzen. Wenn die nach 2000 Jahren am Meeresgrund nach oben geholt werden, dann geht das nicht ohne das Salz sorgsam abzusaugen. Für kleine Gegenstände braucht man dafür wenige Tage. Für eine große Statue, wie die des Gottes Hapi (über fünf Meter große Steinskulptur des ägyptischen Fruchtbarkeits-Gottes, Anm. der Redaktion) kann das schon einmal 18 Monate dauern.

Was passiert, wenn man Stein-Skulpturen nicht entsalzt?

Der Stein würde sich nach und nach zersetzen. Es gibt chemische Reaktionen die den Stein angreifen, bis er sich ganz auflöst.

Die aktuelle Ausstellung in Bonn zeigt 500 Kunstschätze, die Sie wieder ans Tageslicht geholt haben. Mit welchem Gefühl sollte der Besucher die Ausstellung verlassen?

Wir haben alle Gegenstände direkt nebeneinander gefunden. Sie waren über mehr als 1000 Jahre am selben Ort und ergänzten einander. Diese Gegenstände haben miteinander gelebt. In der Ausstellung kann man sehen, dass sie auch miteinander kommunizieren.

Wem gehören die antiken Kunstschätze Alexandrias?

Sie gehören dem Staat Ägypten. Alle Kunstschätze, die gerade in Bonn ausgestellt werden, sollen eines Tages in einem eigens für sie gebauten Museum ausgestellt werden - in Alexandria.

Franck Goddio ist seit über 25 Jahren professioneller Unterwasser-Archäologe. Bereits 1985 eröffnete er ein unabhängiges Institut für Unterwasser-Archäologie in Paris. Seine Arbeit wird von der privaten Hilti-Stiftung finanziert.

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