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Aktuell Europa

Arbeitslosigkeit in Spanien erreicht Rekordwert

In Spanien stieg die Arbeitslosenquote im ersten Quartal auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Die Quote schnellte auf 24,4 Prozent. Zuvor hatte die Ratingagentur S&P die Bonität des Landes um zwei Stufen herabgesetzt.

Nach Angaben der spanischen Statistikbehörde INE haben 374.000 Menschen in den ersten drei Monaten des Jahres ihre Anstellung verloren, im letzten Quartal des Vorjahres waren es 295.300. Damit sind in Spanien derzeit insgesamt rund 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Das ist der höchste Stand seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen in der heutigen Form im Jahr 1996.

Die Anzahl der Haushalte, deren Mitglieder alle ohne Job sind, nahm demnach um mehr als 153.000 auf 1,7 Millionen zu. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 23,8 Prozent gerechnet. Das unter der Schuldenkrise leidende Land hat damit die höchste Arbeitslosenquote in der Eurozone.

Die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy hatte im Februar per Dekret eine drastische Arbeitsmarktreform verabschiedet. Die von den großen Gewerkschaftsverbänden UGT und CCOO abgelehnte Reform erleichtert Entlassungen. Spaniens neue Regierung erhofft sich dadurch mittelfristig die Schaffung neuer Jobs. Die Gewerkschaften sind dagegen überzeugt, dass infolge der Reform noch mehr Arbeitsplätze vernichtet würden.

Bonität Spaniens um zwei Stufen gesenkt

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Rating für Spanien dramatisch gesenkt

Am Donnerstagabend hatte die Ratingagentur Standard & Poor's Spanien nur noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit bescheinigt. S&P senkte die Bonität des von der Schuldenkrise in Mitleidenschaft gezogenen Landes gleich um zwei Stufen von "A" auf "BBB+". Zudem ist der Ausblick negativ. Das heißt, es droht eine weitere Herabstufung.

Die Haushaltslage Spaniens dürfte sich vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme des Euro-Staates verschlechtern, begründete S&P in New York den Schritt. Außerdem nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass Madrid den angeschlagenen Banken des Landes zusätzliche finanzielle Unterstützung gewähren müsse. Das wiederum berge das Risiko, dass die Verschuldung weiter ansteigen könne, hieß es.

Banco Popular verzeichnet deutlichen Gewinneinbruch

Die Renditen von spanischen Staatsanleihen sind nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit deutlich gestiegen. Für zehnjährige Anleihen legte die Rendite am Freitag um 0,14 Prozentpunkte auf 5,931 Prozent zu.

Wie zum Beweis hat die spanische "Banco Popular" im ersten Quartal einen Gewinnrückgang um 46 Prozent auf 100 Millionen Euro verzeichnet. Eine hohe Risikovorsorge für faule Kredite riss den Angaben zufolge das Geschäft des mittelgroßen Geldinstitutes nach unten.

Wachsende Sorgen um die viertgrößte Euro-Wirtschaft

Spanien hat zugesichert, sein Haushaltsdefizit von 8,5 Prozent Ende 2011 auf 5,3 Prozent in diesem Jahr zu senken. 2013 soll dann die EU-Defizitgrenze von drei Prozent erreicht werden. Allerdings ist das südeuropäische Land vor kurzem erneut in die Rezession abgerutscht. Nach Angaben der Zentralbank schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, als das Minus bereits bei 0,3 Prozent gelegen hatte.

Die viertgrößte Euro-Wirtschaft bereitet den Finanzmärkten seit geraumer Zeit zunehmende Kopfschmerzen. Vor allem der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hatte zuletzt Sorgen geschürt, das Land müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach der Herabstufung durch S&P wird zudem befürchtet, dass die Geldinstitute des Landes die wachsenden Kreditausfälle nicht mehr allein stemmen können und weitere staatliche Hilfen benötigen.

GD/sti (dpa, dapd, dpa, rtr)

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