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Wirtschaft

Arbeitslosigkeit 2015 auf 24-Jahres-Tief

Wenig Arbeitslose und so viele Beschäftigte wie noch nie - so sah der Arbeitsmarkt 2015 aus. Und 2016? Die Entwicklung hängt davon ab, wie sich die Zahl der Flüchtlinge auswirkt. Experten sind sich uneinig.

Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Jahres-Durchschnitt 2,795 Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Das seien 104.000 weniger gewesen als 2014, teilte die Behörde am Dienstag in Nürnberg mit. Noch weniger Erwerbslose gab es zuletzt 1991 mit durchschnittlich 2,6 Millionen. Durch die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt mit Höchstständen bei Erwerbstätigkeit und Beschäftigung beendete die BA das vergangene Jahr mit einem Überschuss von rund 3,7 Milliarden Euro.

Einbruch im Dezember

Im Dezember stieg die Arbeitslosenzahl wie für die Jahreszeit üblich um 48.000 auf 2,681 Millionen. Die Arbeitslosenquote betrug 6,1 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Arbeitslosigkeit auch im Dezember weiter zurück. Saisonbereinigt gab es laut BA 14.000 Erwerbslose weniger. Banken-Volkswirte hatten einen Rückgang um 6000 erwartet. "Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt hält auch zum Jahresende an", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. "Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember allein aus jahreszeitlichen Gründen gestiegen."

"Die Situation schaut weiter gut aus", erklärte der BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Dass es im Dezember wieder mehr Arbeitslose gebe, hat nach Ansicht von Experten vor allem saisonale Gründe. So verlieren etwa Saisonkräfte in der Gastronomie, aber auch in der Landwirtschaft, in Gärtnereien und dem Landschaftsbau in der kalten und dunklen Jahreszeit häufig ihre Stelle. Der milde Dezember habe aber verhindert, dass der Anstieg höher ausfiel.

Uneinigkeit über Auswirkungen der Flüchtlinge 2016

Unterschiedlich sieht dagegen der Ausblick für 2016 aus. Unstrittig ist dabei der von allen Experten erwartete Anstieg der Arbeitslosigkeit im neuen Jahr. Die Prognosen klaffen dabei aber weit auseinander. Während etwa Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld lediglich mit einem Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 40.000 im Jahresschnitt rechnet, geht Kipar von rund 100.000 mehr Erwerbslosen aus. "Ich glaube, dass der Flüchtlingseffekt bereits zur Jahresmitte 2016 durchschlägt. Trotzdem wird der Effekt nicht allzu groß sein", schränkt er ein.

Trotz allem ist nach Einschätzung der Bank-Ökonomen der deutsche Arbeitsmarkt weiter robust. Das zeige sich schon an dem im Jahr 2016 erwarteten Anstieg der Erwerbstätigenzahlen. "Wenn ich mir die fundamentale Lage anschaue, ist der Arbeitsmarkt weiterhin in einer guten Verfassung", betont Deutsche Bank-Volkswirt Heiko Peters. Der erwartete erste Anstieg der Jahresarbeitslosigkeit seit 2013 gehe ausschließlich auf das Konto des Flüchtlingseffekts. Ohne diesen würde die Erwerbslosigkeit 2016 erneut sinken, betonen die Fachleute.

2015 so viele Erwerbstätige wie noch nie

Im Jahr 2015 hatte sich der deutsche Arbeitsmarkt in Top-Form gezeigt - und auch jüngste Daten zur Arbeitskräfte-Nachfrage deuten vorerst auf eine Fortsetzung der Entwicklung hin. So gab es in Deutschland im abgelaufenen Jahr so viele Erwerbstätige wie noch nie. Fast 43 Millionen Menschen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik waren im Jahresschnitt 2015 erwerbstätig, teilte das Statistische Bundesamt mit. Nach vorläufigen Angaben der Wiesbadener Behörde vom Montag lag die Zahl damit um 324.000 oder 0,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Auf ein Rekordniveau kletterte Ende 2015 auch die Nachfrage nach Beschäftigten. Im Dezember gab es in deutschen Betrieben und Behörden so viele freie Stellen wie selten zuvor, berichtet die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag bei der Veröffentlichung ihres Stellenindex BA-X. Der Indikator kletterte um einen Punkt auf 206 Zähler - den höchsten Wert seit der Einführung des Stellenbarometers 2004.

ul/iw (rtr, dpa)