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Wirtschaft

Arbeitslosenzahl auf tiefstem Stand seit 1991

Erwerbslosenzahlen so niedrig wie selten zuvor - der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich auch im Juni robust. Trotz des britischen Brexit-Votums sind die Aussichten weiterhin gut.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren gesunken. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren in diesem Monat 2,614 Millionen Erwerbslose registriert, wie die Behörde am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Dies seien 50.000 weniger gewesen als im Mai und 97.000 weniger als vor einem Jahr.

Noch weniger Arbeitslose gab es zuletzt im Juni 1991, als gut 2,4 Millionen ohne Beschäftigung waren. "Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung habe kräftig zugenommen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei hoch.

Auch unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Arbeitslosigkeit zurück. Saisonbereinigt verzeichnete die BA im Vergleich zum Mai 6000 Erwerbslose weniger. Banken-Volkswirte hatten eine Abnahme um 5000 erwartet.

Personalbedarf bei Dienstleistern

Viele Unternehmen, vor allem in Dienstleistungsbranchen, suchten weiter nach Mitarbeitern, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage. Zudem habe der Arbeitsmarkt von den Nachwehen des alljährlichen Frühjahrsaufschwungs profitiert, berichteten die Ökonomen.

Die Volkswirte gehen mehrheitlich davon aus, dass der geplante EU-Austritt Großbritanniens einen Schatten auf den deutschen Jobmarkt werfen könnte. Gerade in der von Großbritannien abhängigen Exportindustrie könnten künftig geplante Stellen unbesetzt bleiben und damit den seit Jahren anhaltenden Beschäftigungsaufbau bremsen, erklärten die Ökonomen.

Brexit-Votum negatives Signal

"Das ist für die deutsche Konjunktur ein klar negatives Signal", meinte etwa DZ-Bank Volkswirt Michael Holstein. Wie stark sich der Brexit auf den Arbeitsmarkt auswirken werde, hänge davon ab, ob er sich in Großbritannien zur Wirtschaftskrise auswachsen und wie stark darunter die deutsche Wirtschaft leiden werde. Für Rolf Schneider von der Allianz hat der Brexit eine "konjunkturdämpfende Wirkung". Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld glaubt dagegen: "Prinzipiell wird die deutsche Wirtschaft den Brexit wegstecken".

Derzeit zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt - gemessen am großen Stellenangebot - nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit allerdings noch robust. Vor allem mit dem Flüchtlingsmanagement entstünden weiter neue Stellen, unter anderem in öffentlichen Verwaltungen, bei Sicherheitsdiensten, Bauunternehmen und Sprachschulen, berichtete die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch.

Zahle der offenen Stellen so hoch wie nie

Insgesamt sei der Anstieg der Arbeitskräftenachfrage aber vorerst zum Stillstand gekommen. Der monatlich von der BA ermittelte Stellenindex BA-X verharrte im Juni mit 216 Punkten auf dem Niveau vom Mai, berichtete die Nürnberger Behörde. Damit liege die Zahl der offenen Stellen aber weiter so hoch wie nie seit Einführung des Indikators vor elf Jahren. Die Bundesbehörde führt dies unter anderem auf die gute wirtschaftliche Lage zurück.

ul/wen (rtr, dpa)

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