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Deutschland

Arbeitslose in Deutschland schlecht gestellt

Die OECD bezeichnete die finanzielle Absicherung von Arbeitslosen in Deutschland im EU-Schnitt als "eher gering". Im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern sei die Absicherung aber durchschnittlich.

Jobbörse (Foto: dpa)

Arbeitslose in Deutschland bekommen weniger Geld als andere Europäer.

Deutsche Arbeitslose sind finanziell schlechter gestellt als ihre "Kollegen" in anderen EU-Ländern. Das teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag (18.02.2010) in Berlin mit.

Wenig Anreize für Hartz IV – Empfänger


Menschen ohne Beschäftigung (Foto: ZB)

Kein Anreiz, arbeiten zu gehen

Wie der Bericht gezeigt hat, helfen die Hartz-Reformen fast nicht, finanzielle Anreize für Langzeitarbeitslose zu schaffen, denn schon bei einem geringen Verdienst werden für sie relativ hohe Steuern und Sozialbeiträge fällig. Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener erhält nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit mit Hartz IV nur noch 36 Prozent seines früheren Nettolohns. Deutschland steht damit auf Platz 14 unter den 29 OECD-Ländern und damit nur knapp über dem OECD-Schnitt. Die höchsten Ersatzleistungen für Alleinstehende werden in den Niederlanden, Dänemark und Irland gezahlt.

Bei Langzeitarbeitslosen sind in Deutschland Singles oder kinderlose Paare im internationalen Vergleich schlechter gestellt als Alleinerziehende oder Familien mit Kindern. Während die Transfers für kinderlose Langzeitarbeitslose und Mehrverdienerhaushalte im Laufe der Hartz-Reformen deutlich zurückgegangen sind, gab es in den vergangen Jahren für Alleinerziehende und erwerbslose Paare mit Kindern kaum Veränderungen bei den Lohnersatzraten.

Mehr Geld mit Kindern

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (Foto: dpa)

Bundesverfassungsgericht-Urteil hat Diskussionen um Hartz IV angezündet

Ein Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern und nicht erwerbstätigem Ehepartner bekommt in Deutschland nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit 63 Prozent seines früheren Nettoeinkommens an Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Wohngeld. Das ist fast zehn Prozent mehr als der OECD-Schnitt von 55 Prozent. Auch ein Alleinerziehender mit zwei Kindern erhält unter gleichen Umständen 61 Prozent des letzten Verdienstes - im OECD-Schnitt sind es hingegen nur 49 Prozent.

Trotzdem ist das Armutsrisiko der Alleinerziehenden im internationalen Vergleich hoch."Das ist vor allem die Folge einer ausgesprochen geringen Erwerbsbeteiligung", sagte OECD-Experte Herwig Immervoll.

Während die Absicherung von Arbeitslosen in Deutschland unter den EU-Staaten eher niedrig ausfällt, ist sie im Vergleich mit den 29 OECD-Staaten, einschließlich die USA oder Japan, eher durchschnittlich, wie die Organisation mitteilte.

Armutsgrenze schwer zu überschreiten

Vater mit Kinderwagen (Foto: BilderBox)

Alleinerziehende mit Kindern kriegen mehr Geld

Mittlerweile überlegt die FDP, die Hartz-Regelsätze wegen der vom Verfassungsgericht geforderten Neuberechnung zu kürzen. "Wir wollen Aufstocken ermöglichen, mehr hinzu zu verdienen. Dabei wird auch darüber zu sprechen sein, ob man nicht im Gegenzug die Regelsätze absenken muss, damit Vollbeschäftigte besser dastehen als Teilzeitjobber", sagte der FDP-Wirtschaftspolitiker Martin Lindner.

Herwig Immervoll betonte, es sei in Deutschland vergleichsweise schwer, durch Erwerbsarbeit im Niedriglohnbereich über die Armutsgrenze zu gelangen und damit unabhängig von Hartz IV zu werden.

Autorin: Natalia Karbasova (rtr, afp, ap)
Redaktion: Hajo Felten

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