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Deutschland

Arbeiter-Samariter - hilfsbereit seit 125 Jahren

Sie sind schnell am Unfallort, betreiben Krankenhäuser und Altenheime und gehören zu den größten sozialen Einrichtungen: Der Arbeiter-Samariter-Bund, kurz ASB genannt, hat eine bewegte Geschichte.

Ihre Hilfsangebote sind vielfältig und umfangreich - genau das will der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hervorheben mit einem Jubiläumsjahr zum 125-jährigen Bestehen. An dem sozialpolitischen Kongress zum Auftakt nahm auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel teil. Schließlich waren es damals Männer aus dem Arbeitermilieu, die 1888 den ASB gründeten. Bis heute fühlt sich die Sozialdemokratie mit dem Verband verbunden, auch wenn ASB-Bundesgeschäftsführer Christian Reuter betont: "Wir sind ein überparteilicher Verband!"

Kindergärten und Altenheime, Rettungsdienste und Sorgentelefon - der deutsche Arbeiter-Samariter-Bund ist auf vielen Gebieten aktiv. Aus dem sozialen Gefüge der Bundesrepublik ist er kaum wegzudenken. Mit über einer Million Mitgliedern und weit über 30.000 hauptamtlichen Angestellten ist dieser eingetragene Verein einer der größten Wohlfahrtsorganisationen Deutschlands. Und zugleich ein wichtiger Arbeitgeber.

Sanitätsübung (Foto: ASB)

Wie alles begann: eine Sanitätsübung

Gefährliche Arbeitswelt

Dabei begann die Geschichte des ASB ganz unscheinbar. Seine Gründung bildete eine Reaktion auf die teilweise verheerenden Arbeitsbedingungen im späten 19. Jahrhundert. Schwere Unfälle und Verletzungen waren zu dieser Zeit auf Baustellen und Fabriken an der Tagesordnung. Fachkundig ausgebildete Helfer, die die Verunglückten versorgen konnten, waren dagegen fast unbekannt. Um diesem Missstand abzuhelfen, fanden sich im Jahr 1888 sechs Zimmerleute in Berlin zusammen. Ihr Plan: Die Arbeiter in Eigeninitiative auszubilden, so dass sie sich im Notfall selbst um die Verletzten vor Ort kümmern konnten. Ein Arzt erklärte sich bereit, die Arbeiter in praktischer Erster Hilfe zu unterrichten - Blutungen zu stillen, Verbände zu legen, Verletzte richtig zu lagern.

Der erste "Lehrkursus für Arbeiter über die Erste Hilfe bei Unglücksfällen" war ein voller Erfolg. Über 100 Teilnehmer erschienen am Versammlungsort, einem Arbeiter-Lokal. Angesichts der großen Nachfrage gründete sich bald ein Verein, der weitere Erste-Hilfe-Kurse durchführte. In ganz Deutschland entstanden Samariter-Kolonnen, die beispielsweise auf Festen und Veranstaltungen Sanitätsdienste leisteten. "Hilfe zur Selbsthilfe" lautete das Motto damals wie heute.

Ein sozialpolitisches Schwergewicht

Aus den vielen lokalen Arbeiter-Samariter-Organisationen bildete sich 1909 ein Bundesverband. Die Idee der selbstorganisierten Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation setzte sich durch. Weder den Nationalsozialisten noch dem DDR-Regime war dieses Prinzip geheuer - sie unterbanden jeweils die Tätigkeit des Arbeiter-Samariter-Bundes. In Westdeutschland hingegen konnte der ASB bald nach 1945 seine Arbeit wieder aufnehmen.

ASB-Notarztwagen von 1978 (Foto: ASB)

Sanitäter im Einsatz: Notarztwagen von 1978

Heute ist er mit über 160 Altenheimen, mehr als 20 Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen und vielen tausend Einsätzen durch seine Rettungssanitäter eine der größten Wohlfahrts- und Sozialorganisationen Deutschlands. Auch die ursprüngliche Idee der sozialen und medizinischen Ausbildung - beispielsweise durch Erste-Hilfe-Kurse - wird bis heute betrieben. "Seit 125 Jahren versuchen wir Bürgerinnen und Bürger zur Selbsthilfe zu befähigen", betont Geschäftsführer Christian Reuter.

Der ASB in der Kritik

Allerdings gab es in der jüngsten Vergangenheit auch Kritik an der Organisation - vor allem am Verhalten bei der Spendeneinwerbung. Im Jahr 2010 monierte das ARD-Fernsehmagazin "Plusminus" den fragwürdigen Einsatz von Drückerkolonnen im Einsatz des ASB. Diese Werber hätten in ASB-Uniform - die eigentlich nur den Mitgliedern vorbehalten sind - Spendengelder und Mitgliedschaften an Haustüren und von Passanten für einen guten Zweck eingeworben. Zum Teil sogar mit unwahren Angaben, um so die Spendenbereitschaft zu erhöhen. "Wir nehmen jede Kritik ernst", meint dazu Christian Reuter und betont in Hinblick auf die vielen sozialen Einrichtungen des ASB: "Wir werben für etwas Gutes!"

ASB-Mitarbeiterin (Foto: ASB)

Viel Bürokratie, mitunter mäßige Bezahlung

Streit in Baden-Württemberg

Kritik kommt jedoch auch von anderer Seite. Im Bundesland Baden-Württemberg wurden Mitarbeiter in Tochtergesellschaften mit deutlich schlechteren Konditionen beschäftigt. Jürgen Lippl von der Gewerkschaft Verdi (Baden-Württemberg) erklärt: "Die Beschäftigten der Tochtergesellschaften waren tariflos und wurden deutlich unter dem Niveau der sonstigen ASB-Beschäftigen bezahlt." Aber Lippl betont auch: "Das ist ein Zustand, dem der ASB Baden-Württemberg jetzt ein Ende setzen wird."

In seinem Jubiläumsjahr steht der ASB also unter Zugzwang. "Wir stehen heute unter einem enormen Kostendruck. Wir müssen im Wettbewerb bestehen, auch in Konkurrenz zu privaten Anbietern", führt ASB-Geschäftsführer Reuter aus. Letztendlich prognostiziert er dem ASB aber eine erfolgreiche Zukunft, ganz unabhängig von den reinen Zahlen: "Menschen dafür zu begeistern und zu befähigen, anderen Menschen zu helfen, das ist das Band, das diesen Verbund über 125 Jahre zusammengehalten hat."