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Kultur

"Arbeiter-Hotline" in Israel gefragt

Arbeitskräfte aus Fernost oder Osteuropa haben es laut Nichtregierungsorganisationen in Israel oft schwer. Die Organisation "Kavla Oved" hat alle Hände voll zu tun.

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"Kavla Oved" hilft ausländischen Arbeitern

Ein israelischer Kibbuz mitten in der Wüste, umgeben von Ackerland. Im Speisesaal bohnert ein thailändischer Arbeiter mit einer großen Maschine den Fliesenfußboden. Als die Mitarbeiterin von "Kavla Oved" ihn auf Thailändisch anspricht, geht er kurz hinaus, um seine Kollegen zu holen. Inzwischen breitet Yael auf einem der Speisetische Fragebögen und Infobroschüren aus. Zwei Stunden hat sie gebraucht von Tel Aviv bis hierher, um thailändische Arbeiter über ihre Rechte in Israel zu informieren.

Erzieherun in Israel

Auch im Kibbuz arbeiten oft Ausländer. Aber nicht immer sind sie sozial abgesichert

"Es gibt Arbeiter, die unter fairen oder sogar guten Arbeitsbedingungen arbeiten. Sie bekommen mehr gezahlt als das Mindestgehalt, sie sind sozial abgesichert", erklärt Reut Barak, Finanzkoordinatorin von "Kavla Oved". "Aber es gibt Arbeiter, die unter wirklich inhumanen Umständen leben müssen. Ihre Behausungen haben keine Fenster, sie können nirgendwo in der Nähe Essen kaufen und haben keine Kochgelegenheit, sie haben keine Bäder, sie leben in Wohnwagen."

Abhängig vom Arbeitgeber

Um diese Arbeitskräfte aus fernen Ländern kümmert sich die Nichtregierungsorganisation "Kavla Oved", das bedeutet so viel wie "Arbeiter-Hotline". Die 13 Festangestellten und etwa 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun. Glaubt man ihren Berichten, so steht es schlecht um die Situation von ausländischen Arbeitern in Israel: Palästinenser, Chinesen, Thailänder, Philippinos, Inder, Afrikaner, Osteuropäer - insgesamt etwa 250.000 oder ungefähr 25 Prozent aller Arbeitskräfte in Israel.

Ein Glasbläser in Israel bei der Arbeit

Ausländische Arbeiter sind per Vertrag an ihren Chef gebunden - kündigen sie, droht die Abschiebung

"Wenn ausländische Arbeiter nach Israel kommen wollen, dann brauchen sie zuerst eine Arbeitserlaubnis", sagt Reut Barak. "Die bekommen sie von dem jeweiligen Arbeitgeber." Aber diese Arbeitserlaubnis mache sie abhängig von ihrem Chef: "Wenn sie aufhören, für ihn zu arbeiten, gelten sie als illegal und können wieder abgeschoben werden." Im Landwirtschaftssektor zum Beispiel würden ausländische Arbeiter in den ersten drei Monaten auch überhaupt nicht bezahlt.

Besonders hart: die Sprachbarriere

Bevor sie nach Israel kämen, müssten ausländische Arbeiter zwischen 3000 und 12.000 US-Dollar an die Vermittler in ihren Heimatländern zahlen - was übrigens illegale Schleuserei sei, schimpft Reut Barak. "Wenn sie hier ankommen, müssen sie zuallererst die Schulden begleichen, mit deren Hilfe sie diese Summe bezahlt haben."

Besonders prekär ist laut Reut Barak die Situation der thailändischen und chinesischen Arbeiter, denn diese sprächen weder Englisch noch Hebräisch oder zumindest Russisch, was vielen Israelis geläufig ist. Entsprechend schlecht kämen sie mit Arbeitgebern und Behörden zurecht. Und entsprechend wichtig ist der Besuch von Yael bei den thailändischen Arbeitern im Kibbuz.

Erste Siege nach harter Arbeit

Palästinensische Arbeiter am Bau

Palästinensische Arbeiter auf einer Baustelle der jüdischen Siedlung in Efrat auf der Westbank

Laut Reut Barak hat sich die Situation der ausländischen Arbeiter in Israel in den vergangenen zwei Jahren dramatisch verschlechtert, seit die israelische Regierung beschlossen habe, härter gegen "illegale" Migranten vorzugehen.

Einiges hat Kavla Oved in Jahren harter Arbeit trotzdem schon erreicht: "In der Vergangenheit war es absolut unmöglich, für einen ausländischen Arbeiter eine neue Arbeitserlaubnis für einen anderen Arbeitgeber zu bekommen", erzählt Reut Barak. "Aber wir haben uns sowohl bei der Regierung als auch in Verwaltungsgerichten dafür eingesetzt."

Mittlerweile sei es möglich, beispielsweise für eine Pflegekraft, deren Arbeitgeber stirbt, innerhalb von 30 Tagen einen neuen Job zu finden. Aber so ganz optimal sei das nicht, betont die Finanzkoordinatorin: "Natürlich reicht ein Monat oft überhaupt nicht aus, da müssen sich die Arbeiter dann mit dem erstbesten Angebot zufrieden geben, das sie finden."

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