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Aktuell Asien

Arbeiter fordern Hinrichtung von Fabrikbesitzern

Erst nach und nach wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar: Offenbar sind bei dem Hauseinsturz in Bangladesch mehr als 500 Menschen umgekommen. Der Besitzer steht vor Gericht, Demonstranten verlangen seinen Tod.

Zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, hat sich die Wut über den Einsturz eines Fabrikgebäudes Bahn gebrochen: Zehntausende Arbeiter strömten auf die Straßen der Hauptstadt Dhaka und forderten die Hinrichtung der Fabrikbesitzer. "Hängt die Mörder, hängt die Fabrikbesitzer", riefen sie und zogen mit roten Bannern und Fahnen durch Dhaka. Die Arbeiter seien aufgebracht über den "Mord" an ihren Kollegen, sagte Kamrul Anam, ein Anführer einer Textilarbeitergewerkschaft. "Wir wollen die härtest mögliche Bestrafung für die Verantwortlichen dieser Tragödie."

Ein Mann steht in den Resten des eingestürzten Rana Plaza (Foto: Reuters)

Nach dem Hauseinsturz sind inzwischen 413 Leichen geborgen worden.

Arbeiter hatten nach dem Unglück berichtet, das Gebäude sei nach der Entdeckung von Rissen am Vortag evakuiert worden, doch hätten die Manager sie zur Rückkehr gezwungen. Bisher wurden sieben Menschen, darunter der Besitzer des Gebäudes und mehrere Ingenieure, wegen fahrlässiger Tötung festgenommen. Bei Protesten gab es wiederholt gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei.

Wirtschaftsbranche Nummer eins

Viele der rund 4500 Textilfabriken des Landes sind seit vergangenem Mittwoch aus Protest gegen die oft mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen und schlechten Arbeitsbedingungen geschlossen. Für die Textilindustrie, die der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes ist, ist dies ein harter Schlag. Ministerpräsidentin Sheikh Hasina kritisierte Angriffe auf Fabriken und rief die Angestellten auf, zur Arbeit zurückzukehren. Die Arbeiter sollten einen "kühlen Kopf" bewahren und die Fabriken am Laufen halten, sonst riskierten sie, ihren Job zu verlieren, sagte Hasina vor dem Parlament.

Geschäftspartner EU ist "besorgt"

Die Europäische Union (EU) hat sich unterdessen besorgt über die Arbeitsbedingungen in dem südasiatischen Land geäußert. In einer Erklärung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und EU-Handelskommissar Karel de Gucht werden die Behörden in Bangladesch aufgefordert, für die sofortige Einhaltung von internationalen Standards in den Fabriken zu sorgen.

Video ansehen 01:09

Bangladesch: Festnahmen nach Hauseinsturz (27.04.2013)

Die EU als größter Handelspartner Bangladeschs bot ihre Hilfe bei der Umsetzung dieser Standards an. Die europäischen und internationalen Textilunternehmen wurden ihrerseits aufgerufen, für bessere Arbeitsbedingungen in ihren Betrieben in Bangladesch zu sorgen.

Seit dem Einsturz des achtstöckigen Gebäudes nahe Dhaka vor einer Woche wurden nach offiziellen Angaben 413 Leichen geborgen. Zudem würden noch immer 149 Menschen vermisst, sagte Armeegeneral Chowdhury Hassan. Mehr als 2400 Menschen wurden verletzt, als das "Rana Plaza", in dem fünf Textilfabriken sowie Geschäfte und eine Bankfiliale untergebracht waren, in sich zusammenfiel.

pg/SC (dpa, afpe)

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