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Testseite Politik

Arbeiter, Blut und Winkelemente - der lange Weg zum "Tag der Arbeit"

In vielen Staaten ist der 1. Mai ein Feiertag, auch in Deutschland. Der Weg zum "Tag der Arbeit" war mit harten Auseinandersetzungen verbunden.

Demonstranten stehen am 1. Mai 2008, in Berlin während der Maikundge-bung des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor dem Brandenburger Tor. (Foto: AP)

Maikundgebung des DGB 2008 vor dem Brandenburger Tor

Demonstration auf dem Haymarket in Chicago am 4. Mai 1886

Demonstration auf dem Haymarket in Chicago am 4. Mai 1886

Am Abend des 1. Mai 1886 versammelten sich einige Tausend Arbeiter auf dem Haymarket in Chicago. Sie forderten die Einführung des Achtstundentags und verbesserte Arbeitsbedingungen. Einerseits waren sie in euphorischer Stimmung, obwohl sie Auseinandersetzungen mit der Polizei befürchteten. Vor wenigen Tagen war es gelungen, die Mehrheit der Arbeiter einer Fabrik für landwirtschaftliche Geräte gegen die Betriebsleitung und den Zwölfstundentag mit einem Lohn von drei Dollar zu solidarisieren. Andererseits hatte die Reaktion der Arbeitgeber aber gezeigt, dass der Kampf für die Durchsetzung ihrer Ziele noch sehr hart werden würde.

Bombe in Chicago

Die Fabrikleitung hatte mit Aussperrungen geantwortet, aber es meldeten sich nicht genügend Einwanderer, um die frei gewordenen Stellen zu besetzen. Eine Zeitungs-Kampagne heizte die Stimmung weiter auf, so dass aus dem Streik eine teilweise gewalttätige Auseinandersetzung mit der Polizei wurde.

Am 4. Mai 1886 eskalierte die Situation weiter. Durch eine Bombe wurden sieben Polizisten getötet und viele Demonstranten verletzt. Anschließend entwickelte sich eine Straßenschlacht mit der Polizei, die in einem regelrechten Feuergefecht mündete. 20 Arbeiter starben mehr als 200 Personen wurden verletzt. Die Organisatoren des Streiks und der Demonstrationen wurden ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt. Nach kurzem Prozess wurden vier von ihnen zum Tode verurteilt und kurze Zeit später hingerichtet.

"Festtag der Arbeiter aller Länder"

Vier Jahre später gelang der Durchbruch: 1890 wurde zum ersten Mal der 1. Mai zum internationalen Kampftag der Arbeiterbewegung ausgerufen. Ein Jahr später beim Brüsseler Kongress der Zweiten Internationalen wurde 1891 aus dem Protest- ein "Festtag der Arbeiter aller Länder, an dem die Arbeiter die Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen."

Wladimir Iljitsch Lenin während der zentralen Feier zum 1. Mai 1919 in Moskau (dpa)

Der Begründer der Sowjetunion, Wladimir Iljitsch Lenin während der Feier zum 1. Mai 1919 in Moskau

Unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution wurde der 1. Mai in Deutschland 1919 für ein Jahr zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Auf eine weitergehende Regelung konnte sich die erste Regierung der Weimarer Republik nicht einigen. Doch die Forderung, einen "Tag der Arbeit" gesetzlich zu verankern blieb erhalten und wurde vor allem von der SPD und den Gewerkschaften getragen.

Auch die Kommunisten waren für einen solchen Tag, aber eine gemeinsame politische Kampagne zur Durchsetzung dieser Forderung lehnten sie ab. Zu sehr hatte sich die KPD Ende der 1920er Jahre schon auf die SPD als den hauptsächlichen politischen Gegner eingeschossen.

1.Mai 1929: Berliner Polizisten führen verhaftete Demonstranten ab. (AKG)

Verhaftete Demonstranten werden am 1.Mai 1929 abgeführt.

Der Konflikt zwischen den beiden Parteien eskalierte am 1. Mai 1929. Dieser Tag ging als "Blutmai" in die Geschichte ein. Beide Seiten machten sich für die schweren Auseinandersetzungen verantwortlich, bei denen in Berlin 28 Menschen ums Leben kommen. An jenem 1. Mai wurde das Zerwürfnis zwischen SPD und KPD besonders deutlich.

Missbrauch durch die Nazis

In der Ostberliner Karl-Marx-Allee gehen am 1. Mai 1986 tausende Menschen mit Fahnen und Transparenten bei der zentralen Maidemonstration an der Ehrentribüne vorbei. (Peter Zimmermann dpa) Report+++

Immer gleiches Ritual: Vorbeimarsch an der Ehrentribüne. DDR-Maikundgebung am 1. Mai 1986.

Gesetzlicher Feiertag wurde der 1. Mai unter Hitler: Im Jahr 1933 hob die nationalsozialistische Regierung diesen Tag aus propagandistischen Gründen zum "Feiertag der nationalen Arbeit". Genau einen Tag später wurden in Deutschland die Gewerkschaften verboten, deren Vermögen eingezogen und den Mitgliedern jegliche gewerkschaftliche Betätigung außerhalb der neuen, nationalsozialistischen Gewerkschaft namens "Deutsche Arbeitsfront" untersagt.

Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 wurde der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag mit Kundgebungen und Umzügen begangen. Dabei spielte bis 1989 die deutsche Teilung und das Bekenntnis zur westlichen Welt eine besondere Rolle. Der DGB-Chef Ludwig Rosenberg sprach am 1. Mai 1969 zu Berliner Arbeitern. Dieser Tag sei "wieder einmal ein Tag der freien Bürger dieser Stadt". Die Forderungen der Arbeiterbewegungen seien der eine Teil dieser Demonstration. Die Maifeierlichkeiten seien in Berlin eine "Kundgebung des Willens der Menschen dieser Stadt, ihre Freiheit, ihre Selbstbestimmung, ihre Zugehörigkeit zur freien Welt und ihren Willen zur Selbstbehauptung zu erkennen."

Winkelemente der Werktätigen

Nationalsozialistische Maifeier auf dem Marktplatz von Naumburg am 1. Mai 1933 (Else Hege)

Nationalsozialistische Maifeier in Naumburg am 1.Mai 1933.

In der DDR war der 1. Mai der "Internationale Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus". Er wurde als Rednertribühne für Partei- und Staatsgrößen genutzt. Die Teilnahme an den Demonstrationen war zur Pflicht verkommen. Die DDR-Massenorganisationen sorgten dafür, dass genügend mit "Winkelementen" ausgestattete Menschen an den pompösen Tribünen vorbeizogen. Das DDR-Fernsehen übertrug das ermüdende Spektakel live und in voller Länge.

Heutzutage wird in Deutschland der 1.Mai immer noch mit Kundgebungen und Demonstrationen von Gerkschaften gefeiert - wobei der Feiertag in Berlin inzwischen eher berüchtigt ist. Vor allem im Stadtteil Kreuzberg kommt es seit den 1980er Jahren immer wieder zu schweren Krawallen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Autor: Matthias von Hellfeld

Redaktion: Oliver Samson