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THEMEN

Arbeiten in der Fremde für das Wohl der Daheimgebliebenen

So fern und doch so nah: Viele Migranten unterstützen ihre Familien in der Heimat. In den Empfängerländern sind die Geldsendungen oft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Doch Überweisungsfirmen kassieren hohe Gebühren.

Polnische Männer stehen wartend an einer Straßenecke in London, Quelle: AP

Seit 2004 sind an die 300.000 polnische Arbeitskräfte nach London gekommen

Das Ausmaß ist gewaltig. In Moldawien machen die Rücküberweisungen 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Tadschikistan und Bosnien-Herzegowina 20 Prozent, in Serbien und Montenegro und in Albanien mehr als 15 Prozent. Auch die absoluten Dollar-Beträge können sich sehen lassen: 2005 flossen fast eine Milliarde Dollar nach Moldawien und fast zwei Milliarden nach Bosnien-Herzegowina.

Doch vermutlich sind die tatsächlichen Summen noch höher. "Es ist eine Tatsache, dass eine große Zahl von Rückzahlungen - wie hoch sie genau ist, wissen wir nicht - durch so genannte informelle Kanäle fließt, die nur sehr schwer von offizieller Seite erfasst werden können", erklärt Bryce Quillin, Autor einer Studie der Weltbank, die sich mit dem Thema beschäftigt hat.

Auf informellem Weg ans Ziel

Das heißt, diese Geldsendungen in die Heimat werden nicht über die Bank abgewickelt, sondern über Freunde und Familienmitglieder oder werden von den Migranten selbst wieder mit zurückgebracht. Das Ausmaß dieses Geldflusses schätzt die Weltbank auf zusätzliche 50 Prozent der offiziellen Summe.

Zwei Männer auf einem Feld tragen Kisten, gefüllt mit Kohlrabis, Quelle: AP

Harte Arbeit auf dem Land: Osteuropäische Saisonarbeiter bei der Ernte

Für die Migranten gebe es mehrere Gründe, sagt Bryce Quillin, die informellen Wege zu nutzen. Eine große Zahl der Auswanderer gehe illegal in ein anderes Land und habe deshalb keinen Zugang zu formalen Finanzkanälen. Anderen fehle der Zugang zu Banken, weil sie beispielsweise als Saisonarbeiter in ländlichen Gegenden arbeiten.

Die informellen Transaktionen sind aber oft auch preiswerter, gelangen an entlegenere Orte im Zielland und werden in der Muttersprache abgewickelt. Der Nachteil: Gegen Missbrauch kann sich niemand schützen. Die Weltbank fordert deshalb den Ausbau der offiziellen Überweisungswege.

Motive der Migranten haben sich verändert

Der typische Migrant, der zur Zeit seine Heimat in Osteuropa oder in einem Land der ehemaligen Sowjetunion verlässt, so erklärt Quillin, ist jung, gut gebildet, möglicherweise verheiratet, hat aber noch keine Kinder. Früher sei das Motiv der Auswanderung die Rückkehr in die ehemalige ethnische oder kulturelle Heimat gewesen – oder die Flucht aus Konfliktgebieten. Heutzutage sei es jedoch meist das Streben nach besseren Lebensbedingungen.

Quillin beobachtet im Wesentlichen zwei große Migrationsbewegungen in der ehemaligen Sowjetzone. "Zum einen sehen wir eine große Bewegung von Osteuropa nach Westeuropa, und darunter auch eine große Abwanderung nach Südeuropa, also Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Außerdem sehen wir eine große Bewegung vom Süden in den Norden – von den armen Ländern der GUS, also Kirgisien, Tadschikistan, Usbekistan und dem Südkaukasus, nach Russland, Kasachstan und die Ukraine."

Bunte Euro-Geldscheine, Quelle: AP

Gut ein Fünftel ihres Verdienstes schicken die Migranten ihren Familien

Der durchschnittliche Betrag, den die Emigranten nach Hause überweisen, beträgt 500 Dollar im Monat – und entspricht in etwa 20 Prozent ihres Einkommens. In der Heimat trägt das Geld dann wesentlich zum Überleben oder zum zusätzlichen Wohlstand der Familie bei. Der Großteil des Einkommens wird für den täglichen Bedarf ausgegeben. Untersuchungen ergeben, dass 35 Prozent der Rücküberweisungen für Lebensmittel und andere Grundbedürfnisse verwendet werden.

Verluste durch Gebühren

Dabei könnte der Anteil, der die Menschen in der Heimat erreicht, noch höher sein. Elf Prozent der Summe der Rücküberweisungen, schätzt die Weltbank, gehen durch die hohen Überweisungsgebühren verloren, wenn das Geld auf dem legalen Weg in die Heimat geschickt wird. Es wäre also durchaus im öffentlichen Interesse, sagt Bryce Quillin, wenn diese Gebühren gesenkt werden könnten. In einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion hat es tatsächlich Bemühungen in diese Richtung gegeben. "In zwei Ländern, in der Ukraine und Russland, wurden Gesetze geschaffen, um die monopolistischen Absprachen zwischen Geld-Überweisungsfirmen und Banken aufzubrechen", erklärt Quillin. "Dadurch gab es mehr Wettbewerb im Markt für Geldüberweisungen, und die Kosten sind nach unten gegangen."

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