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Top-Thema – Podcast

Arbeiten für einen Euro

Für nur 1,05 Euro pro Stunde arbeiten Asylbewerber am Bahnhof in Schwäbisch Gmünd. Das sorgte für große Aufregung und Empörung. Doch ein Gesetz in Deutschland verbietet ihnen, mehr Geld zu verdienen.‎

In der kleinen Stadt Schwäbisch Gmünd helfen Asylbewerber den Reisenden am Bahnhof beim Koffertragen. Sie haben sich freiwillig für diese Arbeit gemeldet. Doch sie bekommen nur 1,05 Euro pro Stunde. Darüber haben sich viele Menschen im Internet und in der Zeitung empört. Sie sehen darin einen Fall von Rassismus. Der Oberbürgermeister Richard Arnold sagt jedoch, dass damit die Integration der Flüchtlinge unterstützt werden sollte.

Arnold hatte die Idee, dass die Asylbewerber durch diese Arbeit mit den Bürgern in Kontakt kommen könnten: „Meine Intention ist es, dass alle, die in Schwäbisch Gmünd leben, dazugehören. Und unsere Flüchtlinge gehören auch dazu“, sagt er. Der niedrige Stundenlohn ist vorgeschrieben. Denn Asylsuchende, die nach Deutschland kommen, haben ein Jahr lang Arbeitsverbot. In dieser Zeit dürfen sie nicht mehr als 1,05 Euro pro Stunde verdienen – so steht es im sogenannten Asylbewerberleistungsgesetz.

Bernd Mesovic von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl fordert, dass dieses Gesetz abgeschafft wird. Er findet es diskriminierend. Außerdem betont er, dass man niemanden so lange hinhalten darf. Mesovic sagt: „Das menschliche Leben lässt sich nicht parken.“ Er meint, man sollte Asylsuchenden integrative Maßnahmen anbieten, durch die sie ihre Qualifikationen nicht verlieren.

Mesovic sieht außerdem die Gefahr, dass normal bezahlte Arbeitsplätze mit günstigen Asylbewerbern besetzt werden. Er sagt: „Gleichberechtigte Bedingungen bedeutet, dass man auch die gleiche Bezahlung bekommt.“ Die empörten Reaktionen über die Aktion in Schwäbisch Gmünd haben jedenfalls sofort zu Konsequenzen geführt: Die Deutsche Bahn kündigte an, sich aus dem Projekt zurückzuziehen und die Aktion zu beenden.


Glossar

für etwas sorgen
– zu etwas führen

Empörung (f., nur Singular) – die starke Wut; der starke Ärger über etwas

freiwillig – aus eigenem Willen; weil man etwas selbst entschieden hat

sich über etwas empören – sehr wütend über etwas sein

Rassismus (m., nur im Singular) – die Ansicht, dass bestimmte Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihres Glaubens besser sind als andere

Integration (f., nur Singular) – die Bildung einer Gemeinschaft mit Menschen verschiedener Kulturen und Herkunftsländer

in Kontakt mit jemandem kommen – jemanden kennenlernen

Intention, -en (f.) – die Absicht; das Ziel

dazu|gehören – ein Teil von etwas sein

Stundenlohn, -löhne (m.) – die Höhe des Gehalts, das man pro Stunde bekommt

vor|geschrieben – hier: durch ein Gesetz oder eine Regel bestimmt

etwas ab|schaffen – hier: etwas ungültig machen

diskriminierend – so, dass Menschen (z. B. wegen Hautfarbe, Religion, usw.) schlecht behandelt werden

jemanden hin|halten – jemanden warten lassen

integrative Maßnahme – hier: eine Beschäftigungsmöglichkeit, die zur → Integration von jemandem führen soll

Qualifikation, -en (f.) – hier: die Fähigkeiten, die man bei der beruflichen Ausbildung erlernt hat

einen Arbeitsplatz mit jemandem besetzen – jemanden für einen Job anstellen

sich aus etwas zurück|ziehen – hier: aufhören, sich an etwas zu beteiligen


Fragen zum Text:

1. Was sagt das im Text genannte Gesetz
nicht aus? „Asylbewerber …“
a) dürfen viele Monate nicht arbeiten.
b) dürfen für eine Arbeit nicht mehr als 1,05 Euro pro Stunde verdienen.
c) sollen mit den Bürgern in Kontakt kommen.

2. Welcher Meinung ist Bernd Mesovic?
a) Er findet das Gesetz nicht sinnvoll, weil es die normal bezahlten Bürger diskriminiert.
b) Er findet, dass Asylbewerber durch das Gesetz benachteiligt werden.
c) Er findet die Arbeit für wenig Geld sinnvoll, weil so die Qualifikationen der Flüchtlinge verbessert werden.

3. Was sollte laut Oberbürgermeister Arnold mit der Aktion erreicht werden?
a) Arbeitsplätze sollten günstig besetzt werden.
b) Es sollte den Asylbewerbern erleichtert werden, sich zu integrieren.
c) Die Qualifikationen der Asylbewerber sollten gefördert werden.

4. Wie lautet dieser Satz im Aktiv? „Dieses Gesetz muss abgeschafft werden.“
a) Man muss dieses Gesetz abschaffen.
b) Man wird dieses Gesetz abschaffen müssen.
c) Man hat dieses Gesetz abgeschafft.

5. Wie lautet dieser Satz im Passiv? „Die Asylbewerber helfen Reisenden beim Koffertragen.“
a) Reisenden wird beim Koffertragen von Asylbewerbern geholfen.
b) Reisende werden den Asylbewerbern beim Koffertragen helfen.
c) Reisenden wurde beim Koffertragen von Asylbewerbern geholfen.


Arbeitsauftrag
Wie sieht die Situation von Flüchtlingen in eurem Land aus? Haben sie genug Möglichkeiten, sich zu integrieren? Wie könnte man ihre Situation verbessern?


Autor/Autorin: Greta Hamann/Benjamin Wirtz
Redaktion: Ingo Pickel

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