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Asien

Arbeiten am Reaktor wieder aufgenommen

Die Arbeit in Japan geht weiter: Nach der Evakuierung des Geländes rund um das Atomkraftwerk Fukushima konnten die Techniker nun nach halbtägiger Pause ihre Reparaturen fortsetzen. Die Situation ist weiter kritisch.

Männer laufen auf dem Gelände des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima herum (Foto:Tokyo Electric Power)

Gefährliche, aber wichtige Arbeit vor Ort

Selbst die Experten wissen nicht, wie es in Japan weitergehen soll. Wie die Lage wirklich aussieht, ist schwer einzuschätzen. Noch immer arbeiten die Techniker unter Hochdruck an den Anlagen des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima. Nach einem halben Tag Zwangspause konnten sie am Donnerstag (24.03.2011) mit ihrer Arbeit fortfahren. Das berichtete der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tepco. Es sei kein schwarzer Rauch mehr aus dem Reaktor ausgetreten.

Die Techniker wollen nun das defekte Pump- und Kühlsystem von Reaktor 3 weiter reparieren und kühlen ihn bis dahin von außen mit Wasser. Am Mittwoch war erneut schwarzer Rauch über dem Reaktor aufgestiegen, in dem hochgefährliches Plutonium lagert. Aus Sicherheitsgründen evakuierten die Verantwortlichen das gesamte Gelände.

Erstmals empfahl nun der Kabinettssekretär Yukio Edano den Bewohnern, die in Windrichtung der Atomanlage im Umkreis von 30 Kilometern wohnen, nicht lange im Freien zu bleiben und die Türen und Fenster zu schließen.

Keiner weiß, wie die Situation wirklich ist

Ein Soldat füllt Wasser in eine Tüte ab (Foto: AP)

Allmählich wird sauberes Wasser knapp

Immer wieder wird die gesamte Region von Nachbeben erschüttert. Am Donnerstagmorgen registrierten die Behörden ein Erdbeben der Stärke 4,9 auf der Richterskala. Sie gaben jedoch keine Tsunami-Warnung. Berichte über Schäden gibt es bislang nicht.

Die Stadtverwaltung von Tokio rechnet mit einer Verschlechterung der Lage - sowohl hinsichtlich der Versorgung mit Lebensmitteln als auch der Strahlenwerte. In der Hauptstadt sollen am Donnerstag hunderttausende Flaschen Wasser an Haushalte mit Kleinkindern verteilt werden. Zuvor hatten die Behörden erhöhte Werte radioaktiver Strahlung im Leitungswasser gemessen. Edano rief die Bevölkerung dazu auf, nur das Nötigste an abgefülltem Trinkwasser zu kaufen. Es werde auch für die Tsunami-Opfer benötigt. Dort, in den betroffenen Gebieten, gebe es überhaupt kein Trinkwasser.

Der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz in Deutschland, Sebastian Pflugbeil, ist überzeugt, dass die Lage in Japan keineswegs entschärft ist. Der Zerfall des radioaktiven Materials gehe einfach weiter. "Wir sind in der Liga von Tschernobyl", sagte er. Die Strahlenbelastungen in Fukushima seien vergleichbar mit den Belastungen nach dem Unglück von Tschernobyl. "Faktisch geht das Problem in Japan erst los", sagte Pflugbeil.

Sicherheitsmänner mit Atemmasken in Japan (Foto: AP)

Die radioaktiven Partikel breiten sich aus - in Japan und auf der Welt

Die ersten radioaktiven Partikel sind auch in Europa angekommen. Allerdings seien diese keine Gefahr, sagte der Präsident des Bundeamtes für Strahlenschutz, Wolfram König. "Wegen der weiten Entfernung und der hohen Verdünnung werden wir in Europa und Deutschland aber nach allen bisherigen Erkenntnissen nur Spuren der Radioaktivität messen", sagte König.

Umdenken gefragt und erwünscht

Angesichts der Reaktorkatastrophe wollen weitere Länder die Sicherheit ihrer Atomkraftwerke erhöhen. In den USA leitete die Nuklearaufsicht nun eine Überprüfung auf zwei Ebenen ein. Man wolle ein Expertenteam gründen, das kurz- und langfristige Analysen aus den Erfahrungen in Japan erstellen sollen. Die Frage sei, was das dann für die 104 US-Atomreaktoren bedeute.

In Deutschlannd ruderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Thema Atomausstieg wieder etwas zurück. Dieser dürfe nicht übereilt geschehen, sondern es müsse ein "Ausstieg nach Augenmaß" sein. "Das Zeitalter der erneuerbaren Energien soll so schnell wie möglich kommen", sagte Merkel. Man müsse nur darauf achten, dass der Strom in Deutschland bezahlbar bleibe. Auf keinen Fall dürften deswegen Arbeitsplätze verloren gehen.

Autor: Nicole Scherschun (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Frank Wörner

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