1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Arbeit zum Mitnehmen

Beim spanischen Telekommunikationsunternehmen "Telefónica” muss ein Großteil der Angestellten nur dann ins Büro, wenn er will. Statt Arbeitszeitvorgaben bekommen die Mitarbeiter Zielvorgaben - so wie Marta Benedicto.

Zwei junge Männer sitzen im mit einem Laptop auf einer Bank an der Alster in Hamburg (Jens Schierenbeck/dpa)

Auch hier könnte ein Arbeitsplatz eines "Telefónica"-Mitarbeits sein

Marta Benedicto betritt mit ihrem Rollköfferchen das nagelneue, verglaste Madrider Hauptquartier des Konzerns "Telefónica". Die Frau Anfang vierzig lässt sich an einem der freien Arbeitsplätze im hellen Großraumbüro nieder, kramt ihren Laptop und ihr Handy aus dem Koffer. Einen festen Arbeitsplatz hat Marta hier nicht - braucht sie auch gar nicht: Sie koordiniert für die Presseabteilung die hausinterne Unternehmenszeitschrift - von überall aus.

Arbeit zwischen Autowerkstatt und Kinderbetreuung

Blick auf die Telefónica-Zentrale in Madrid

Beim spanischen Telekom-Konzern Telefónica arbeitet jeder Dritte mobil

Etwa 30 Prozent aller "Telefónica"-Beschäftigten sind als "Mobile People" tätig. Ziel des Unternehmens ist es, dass in den nächsten Jahren 40 Prozent aller Angestellten flexibel arbeiten. Die Firma spart mit diesem Modell Betriebskosten, den Angestellten erleichtert es in der Regel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Marta ist dieses Mal ins Büro gekommen, weil eine Sitzung anberaumt sei, erklärt sie. Aber wenn sie einen Artikel schreiben und sich konzentrieren müsse, arbeite sie lieber zu Hause. "An manchen Tagen bin ich auch in der Druckerei, wenn es darum geht, die neue Ausgabe unserer Werkszeitschrift fertig zu stellen. Und als ich neulich in der Autowerkstatt war, habe ich einfach meinen Laptop rausgeholt und so die lange Wartezeit sinnvoll überbrückt. Im Grunde entscheide ich jeden Tag neu, wo ich am besten arbeite", sagt Marta Benedicto.

Sie hat sich vor vier Jahren für die mobile Arbeitsform entschieden, weil sie im Job aktiv bleiben und trotzdem Zeit für ihre Familie haben wollte. Die Firma hatte damals interessierten Angestellten das Modell der Telearbeit angeboten. Die Voraussetzung war, mindestens 40 Prozent der Arbeitszeit außerhalb des Büros zu verbringen. Marta kam das sehr entgegen.

Selbstdisziplin ist Voraussetzung

Spanien ist eines der Länder mit den längsten und unproduktivsten Arbeitszeiten in Europa. Angestellte kommen leicht auf zehn Stunden pro Tag. Vor sieben Uhr abends ist Marta früher kaum aus dem Büro gekommen. Als sie sich durch den Madrider Feierabendverkehr endlich nach Hause durchgeschlagen hatte, lagen die Kinder schon fast im Bett. Telearbeit ist für sie eine gute Alternative.

Das erfordere sehr viel Selbstdisziplin, erzählt Marta: "Du darfst dich natürlich nicht mit Haushaltskram verzetteln, sondern musst dich auf deinen Job konzentrieren." Aber zu Hause könne sie zwischendurch zum Beispiel mit ihren Kindern für eine Klassenarbeit lernen. "Wenn sie im Bett sind, mache ich in Ruhe meine Arbeit fertig. Das ist fantastisch, weil ich so eben alles unter einen Hut bringe", freut sich Marta.

Auch arbeiten, wenn es keiner sieht

Mutter mit Kind

Mehr Zeit mit den Kindern ist oft genanntes Argument für mobiles Arbeiten

Ihre Arbeit richtet sich nicht nach Zeit-, sondern nach Zielvorgaben. Heute arbeitet sie vielleicht nur vier Stunden, dafür morgen zehn oder zwölf - wie es eben am besten in ihren Zeitplan passt. Trotzdem muss Marta am Ende immer ein entsprechendes Ergebnis vorlegen. Das sei nicht immer leicht, berichtet sie mit einem kleinen Seufzen. Dazu brauche man nämlich einen Chef, der Vertrauen habe: "Für mich ist das der schwierigste Aspekt meiner Tätigkeit, denn die meisten Chefs sind eben andere Arbeitsformen gewöhnt, und wenn sie dich nicht dauernd im Büro sehen, macht sie das nervös."

Dabei glaubt Marta, dass die 'Mobile People' letztlich mehr arbeiteten als andere: "Ich sitze zum Beispiel auch oft an den Wochenenden am Schreibtisch, wenn ich ein Projekt abschließen muss. Aber das ist mir egal, denn dafür nehme ich mir dann einfach einen Tag in der Woche frei, um persönliche Dinge zu erledigen."

Für soziale Kontakte ins Büro

Auch zu der Sitzung im Büro hätte Marta nicht persönlich erscheinen müssen – sie hätte sich auch per Telefonkonferenz zuschalten lassen können. Als PR-Frau brauche sie aber den direkten Draht zu den anderen Mitarbeitern, findet Marta. Also geht sie jetzt noch schnell mit ein paar Kollegen einen Kaffee trinken. Denn auf die sozialen Kontakte im Büro will Marta auf keinen Fall verzichten. Aber auch nicht auf ihre Zeit - davon hat sie nun mehr: "Das fängt schon damit an, dass ich nicht jeden Tag mit dem Auto in die Stadt zur Arbeit fahren muss. Trotzdem habe ich ein festes Gehalt, dazu ein Büro, das ich jederzeit nutzen kann. Das heißt, im Grunde habe ich beides: traditionelles und flexibles Arbeiten", erzählt Marta.

Autorin: Cornelia Derichsweiler
Redaktion: Sandra Voglreiter

WWW-Links