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Top-Thema – Podcast

Arbeit unter Angst

Die Arbeit als Menschenrechtler in Tschetschenien ist gefährlich. Immer wieder werden Aktivisten ermordet. Nun haben einige Mitarbeiter Angst um ihr Leben und geben ihre Arbeit auf.‎

Ein Mann hält ein Foto von Natalja Estemirowa in der Hand

Trauer über den Mord an Natalja Estemirowa

Die Ermordungen von Anna Politkovskaja und Natalja Estemirowa sind nur zwei Beispiele dafür, wie gefährlich die Situation für Menschenrechtler in Russland ist. Im Ausland werden diese Taten verurteilt und die Toten betrauert. In Russland aber finden viele Politiker nur verletzende Worte: Natalja Estemirowa habe nie Ehre, Würde und Gewissen gehabt und habe nur Quatsch geredet. So kommentierte beispielsweise Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow den Tod der Aktivistin.

Ekaterina Sokirjanskaja, eine frühere Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation "Memorial" kritisiert den Präsidenten scharf. Nach ihren Berichten ist er regelmäßig mit "Memorial" im Konflikt gewesen und hat die Arbeit der Organisation stark behindert.

Nach dem Tod von Natalja Estemirowa hat "Memorial" die Arbeit eingestellt. Die Mitarbeiter machen Kadyrow mitverantwortlich für den Tod der Aktivistin. Der Präsident habe Natalja offen bedroht, erzählt Sokirjanskaja. Er habe ihr gesagt, dass er schlechte Leute immer getötet hat und töten wird. Dass die Organisation dieses Gespräch damals geheim gehalten hat, war ein großer Fehler, meint Sokirjanskaja.

Auch andere Menschenrechtler haben nun Angst, nach Tschetschenien zu reisen, zum Beispiel Elena Wilenskaja von der St. Petersburger Organisation "The House of Peace and Nonviolence". Früher arbeitete sie regelmäßig in Tschetschenien, fühlt sich dort aber nicht mehr sicher. "Ich bin einfach ein sterblicher schwacher Mensch", erzählt sie. Ihre Arbeit als Menschenrechtlerin ist ihr wichtig, aber ihr Leben möchte sie dafür nicht opfern.

Glossar

Menschenrechtler/in, der/die – eine Person, die für die Rechte der Menschen arbeitet

Tschetschenien (ohne Artikel) – eine selbstständige Republik in Südrussland

Aktivist/in, der/die – eine Person, die viel dafür tut, ein bestimmtes (politisches) Ziel zu erreichen

etwas verurteilen – etwas als schlecht bezeichnen; offen seine Unzufriedenheit mit etwas ausdrücken

etwas betrauern – offen zeigen, dass man traurig über etwas ist

verletzend – so, dass etwas eine Person beleidigt oder enttäuscht

habe – Konjunktiv I von "hat" → indirekte Rede

Würde, die – der Wert eines Mensches

Quatsch, der – umgangssprachlich: etwas, das keinen Sinn macht

etwas kommentieren – seine Meinung zu etwas sagen

scharf – hier: sehr stark

etwas einstellen – etwas beenden; mit etwas aufhören

jemanden bedrohen – jemandem Angst machen

etwas geheim halten – über etwas nicht sprechen

etwas opfern – etwas für eine Sache aufgeben


Fragen zum Text

1. Die tschetschenische Menschenrechtsorganisation "Memorial" hat ihre Arbeit beendet, weil …

a) sie keine Erlaubnis vom Präsidenten hatte.

b) niemand mehr ihre Hilfe brauchte.

c) ihre Mitarbeiter sich bedroht fühlten.

2. Welcher Satz ist falsch: "Die Ermordungen von Anna Politkovskaja und Natalja Estemirowa

a) werden im Ausland betrauert."

b) sind in Russland zwei Beispiele von vielen."

c) beeinflussen nicht die Arbeit anderer Menschenrechtler."

3. Elena Wilenskaja möchte nicht mehr nach Tschetschenien reisen, weil …

a) sie nicht genug Geld hat.

b) sie zu schwach für eine Reise ist.

c) sie Angst hat.

4. Wie kann man diesen Satz anders sagen: "Viele Aktivisten stellen ihre Arbeit ein."

a) Viele Aktivisten berichten oft von ihrer Arbeit.

b) Viele Aktivisten hören mit ihrer Arbeit auf.

c) Viele Aktivisten sind sehr stolz auf ihre Arbeit.

5. Ergänzen Sie mit dem richtigen Pronomen: "Viele Menschenrechtler fürchten … bei der Arbeit."

a) ihre

b) ihnen

c) sich

Arbeitsauftag:

Menschenrechtler werden in Tschetschenien dringend gebraucht. Auf der anderen Seite ist die Arbeit für die Aktivisten sehr gefährlich. Schreiben Sie einen kurzen Text, in dem Sie zum Beispiel folgende Fragen diskutieren:

- Lohnt sich die Arbeit der Menschenrechtsorganisationen in Tschetschenien?

- Sollten weitere Menschenrechtler in Tschetschenien eingesetzt werden oder ist das Risiko zu hoch?

- Könnten Sie sich vorstellen, selbst als Menschenrechtler in Tschetschenien aktiv zu werden?

Autor/in: Olga Sosnytska/Thomas Pütz

Redaktion: Shirin Kasraeian

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