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Deutschland

"Arbeit gibt es genug" - Schüler testen Politikerparole

"Arbeit gibt es genug", sagen Politiker gerne, wenn sie laut über eine Beschäftigungspflicht für Arbeitslose nachdenken. Gibt es wirklich gernug Arbeit? Ein Schülerprojekt macht die Probe aufs Exempel.

Lukas Kays, Nicole Bordonaro und Johannes Wehling vom Team Ruck-Zuck-Dienstleistungen von A-Z (Foto: Catrin Möderler)

Lukas Kays, Nicole Bordonaro und Johannes Wehling

Sonntag Nachmittag, es schneit und die Straßen sind matschig. Die richtige Zeit, um zu Hause im Warmen zu entspannen. Aber für eine Gruppe der "Ruck-Zuck-Dienstleistungen" fängt jetzt die Arbeit an. 5000 Flyer für ein Restaurant müssen verteilt werden. Die Zehntklässler wissen, dass viel Arbeit auf sie zukommt. Zwei Kölner Stadtteile hat sich die Gruppe nach Stadtplan in Bezirke aufgeteilt. Jeweils zu zweit werden sie jetzt ausschwärmen und die Flyer in die Briefkästen werfen.

Die "Ruck-Zuck Dienstleistungen von A-Z" der 10. Klasse des Gymnasiums Rodenkirchen sind Teil einer bundesweiten Initiative. Seit 1994 sind Schülerinnen und Schüler aufgefordert, sich als Unternehmer zu versuchen. "Wirtschaft hautnah erleben" lautet das Motto dieses Projekts. Sein Name: JUNIOR - Schüler als Manager. Die Initiative wird organisiert vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium. Jeweils für ein Jahr werden die Projekte begleitet. Von der Marktanalyse über die Organisation bis zur Buchführung werden die Schülerinnen und Schüler in die Geheimnisse der Wirtschaft eingewiesen. Umsetzen müssen sie die Erkenntnisse dann selbständig.

Der Markt ist sehr groß

Offizieller Flyer der Ruck-Zuck-Dienstleistungen von A-Z (Schülerprojekt im Zuge der Initiative JUNIOR des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln). (Foto: Catrin Möderler)

Flyer des Schülerprojekts



Der 15-jährige Lukas ist im Ruck-Zuck Team für die eigene Homepage zuständig. "Ruck-Zuck Dienstleistungen von A-Z" ist professionell aufgestellt. Auf der kleinen, selbstgestalteten Internetseite finden sich das Dienstleistungs-Angebot und die Preise. Interessierte Kunden platzieren ihre Aufträge per e-mail oder sie wählen die Nummer des Firmenhandys. Über die Arbeitszeiten, Einnahmen und Auszahlungen wird sauber Buch geführt. Alles läuft rund. Aber Lukas weiß auch von Anfangsschwierigkeiten: "Wir haben zuerst angefangen mit einer Vermittlung. Und das lief irgendwie gar nicht. Wir haben auch festgestellt, dass es dafür überhaupt keinen Markt gab. Und das nächste, was uns dann halt direkt einfiel, waren Dienstleistungen. Das geht eigentlich, hat relativ wenige Ausgaben und ist relativ einfach zu erledigen."

Neben den offiziellen Organisatoren der Initiative JUNIOR kümmern sich auch Lehrer um die Projekte. An jeder teilnehmenden Schule stehen mehrere Lehrkräfte den Jungunternehmern mit Rat und Tat zur Seite. Für sie ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren Angeboten auch auf Interesse stoßen.

André Linnenbaum, Lehrer am Gymnasium Rodenkirchen. (Foto: Catrin Möderler)

André Linnenbaum


André Linnenbaum ist Lehrer am Gymnasium Rodenkirchen und Betreuer der dortigen JUNIOR Projekte. Er verweist auf die die Wirtschaftskrise: "Dann ist vielleicht manchmal weniger Arbeit da, als normal in einer Boomphase. Aber trotzdem ist es so, dass die Schüler über Dienstleistung, über Eigenarbeit, sehr viel Nachfrage produzieren. Also, zum Beispiel, dass sie sagen, wir erledigen Hausaufgaben, oder wir geben Nachhilfe. Und da ist nach wie vor der Markt sehr, sehr groß."

Sabine Montua (li), Susanne Kirsten (re), Mitarbeiterinnen des Projekts JUNIOR - Schüler als Manager. (Foto: Catrin Möderler)

Die Projektmitarbeiterinnen Sabine Montua (li.) und Susanne Kirsten (re.)


Vom Schülerprojekt zur Selbständigkeit

Susanne Kirsten betreut im Auftrag des Institus der deutschen Wirtschaft Köln die JUNIOR-Projekte in Nordrhein-Westfalen. Manchmal erweist sich sogar eines der Schülerunternehmen als so tragfähig, dass eine "richtige" Firma daraus wird, erzählt Frau Kirsten: "Wir haben tatsächlich schon einige Unternehmer, die sich selbständig gemacht haben und jetzt Angestellte haben. Wir haben einen Busunternehmer, mehrere Computerfirmen oder auch einen Event-Dienstleister. Den buchen wir selber jetzt ganz offiziell."

Auch wenn von einem Schüler-Projekt bis zu einer echten Lebensgrundlage ein weiter Weg ist: Lehrer André Linnenbaum ist überzeugt, dass die jugendlichen Unternehmerinnen und Unternehmer ein wertvolles Rüstzeug für ihre Zukunft bekommen. Er verrät sein Fazit: "Ich glaube, dass die Schüler erwachsener werden durch diesen Prozess, etwas eigenständig, selbständig gemacht zu haben. Und sich auch Wissen anzueignen, ohne dass ein Lehrer vorne steht und etwas vorgibt und es dann hinterher wieder abfragt. Und das, denke ich, ist eine ganz tolle Erfahrung, die Schüler machen können."


Autorin: Catrin Möderler
Redaktion: Hartmut Lüning